Zwei Fragestellungen

»Wissensansprüche können auf zweierlei Arten in Frage gestellt werden.

Man kann nachweisen, daß es Ereignisse gibt, für die die Art des bislang bestehenden Wissens (Wissen, das seine Unterstützung aus den Gebieten erhalten hat, die Fachleute für Vernünftig und Glaubwürdig halten) keine überzeugende, akzeptierte Erzählung kennt; Ereignisse, die sich nicht in eine Geschichte zusammenfügen lassen, die Männer der Wissenschaft als ihre eigene Geschichte anerkennen würden.

Oder man kann sagen, daß die Erzählung die das Wissen anbietet, nicht die einzige Geschichte ist, die von den Ereignissen erzählt werden kann; nicht einmal die beste Geschichte oder zumindest nicht die einzige, die das Recht in Anspruch nehmen kann, als »besser überprüft« angesehen zu werden.

Die erste Art Zweifel ist modern; die zweite ist postmodern.

Damit ist keine chronologische Abfolge gemeint. Beide Arten des Zweifels gab es solange wie die Wissenschaft selbst. Ihr gleichzeitiges Vorhandensein war einer der konstitutiven Züge jener modernen Kultur, die die Moderne auf ihrem Weg zur Postmoderne angetrieben hat.«

[Zygmunt Bauman, Moderne und Ambivalenz, 374f.]

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