EmergingChurches | Erste Eindrücke

Wie ich bereits gesagt habe lese ich gerade auch das ›Emerging Churches‹-Buch. Auch wenn ich erst ungefähr 60 Seiten darin gelesen habe, möchte ich dennoch heute schon etwas von meinem Empfinden schreiben.

Das Buch wird bisweilen hoch gelobt, sei es von Praktikern, Theoretikern oder einfach nur Bloggern. Um ehrlich zu sein verstehe ich diese Lobeshymnen, jetzt da ich es lese, nicht mehr. Auf mich wirkt das Buch an vielen Stellen als wäre es aus einer Aussenperspektive geschrieben, dazu tragen zum einen Formulierungen bei, wie »Die Emerging Church ist so und so…« oder »Die Emerging Church tut das und das…«. Ich weiß, dass die Autoren darauf verweisen, dass sie damit nur Muster wiedergeben, die ihnen aufgefallen sind – dennoch finde ich Aussagen wie diese irgendwie fehl am Platz. Eine andere Sache ist, dass oft die Sprache nicht zur Realität passt, z.B. wird darüber geschrieben, dass es der Emerging Church eben um die Missio Dei und nicht darum geht Gemeinden zu gründen – dennoch ist in diesem Abschnitt hier und da von Gemeindegründungen die Rede. Interessanterweise wird in diesem Kontext auch von ›Nicht-Christen‹ geschrieben, auch wenn schon dieser Begriff dem Gedanken der Missio Dei widerspricht.

Die Aneinanderreihung von Aussagen verschiedener ›Leute der Emerging Church‹ wirkt auf mich ebenfalls etwas holperig. Zum einen entsteht dadurch kein Bild, das man vor Augen sieht, sondern ein bunter Mix aus Einzelaussagen. Diese Einzelaussagen werden durch die Biographien im Anhang des Buches zwar mit den Geschichten der Personen verbunden, erscheinen mir dennoch seltsam isoliert und in interessante Kontexte gestellt. Die einzelnen Aussagen können meiner Ansicht nach erst tiefer nachvollzogen bzw. verstanden werden, wenn der Leser die betreffende Person kennt, oder sich zumindest an andere Aussagen in anderen Kontexten erinnert. Dadurch wird das Buch zur Erstinformation im Bezug auf Emerging Church eher unbrauchbar und das Lesevergnügen leidet meiner Ansicht nach auch darunter.

Hast du dieses Buch gelesen? Wie ging es dir mit den angesprochenen Punkten?
Bzw. besser gefragt: Wie empfindest du es?

16 Reaktionen

  1. Naja, ich seh jeden Punkt ein wenig anders.

    Ja, das Buch ist aus einer Außenperspektive geschrieben. Wo ist das Problem? Gibbs/Bolger berichten über das, was sie erleben. Leider bleibt das auf US/UK beschränkt. Und reduziert auf diejenigen Gemeinschaften, die sie besucht haben. Ist doch schön, dass Außenstehende nicht kritisierend wie Carson schreiben, sondern deskriptiv wie Gibbs/Bolger. Für „the emerging church“ müßte einfach „the communities we visited“ eingesetzt werden, und schon macht es wieder Sinn.

    Warum widerspricht das Gründen von Gemeinden dem Missio-Dei-Gedanken? Warum widerspricht das Reden von >Nicht-Christen

  2. Offensichtlich hat es meinen Comment verrissen – ist da eine Maximallänge eingestellt?

    okay, warum widerspricht das Reden von Nicht-Christen dem Missio-Dei-Gedanken? Wenn wir die ApG als die originale „anbrechende Gemeinde“ ansehen, dann finde ich da beides: Das Reden von Nicht-Christen und Gründen von Gemeinden. Grübel…

  3. Im Gegensatz zu Dir mag ich die Aneinanderreihung von Einzelaussagen. Stehen wir nicht auf die Frage: „Wie inkarniert sich Jesus bei Euch lokal?“. Gibbs/Bolger bringen faszinierende Beispiele, lassen sie stehen und mich nach- und dran weiterdenken. Ist doch fein, über die Pluriformität des Leibes Jesu stauen zu können!

  4. Genau deswegen habe ich es geschrieben, nein, ohne Witz, cool zu sehen, wie du das siehst. Soweit ich weiß habe ich keine Maximallänge für Kommentare eingestellt, aber ist auch nett, wenn du vier Kommentare schreibst.

    Mit dem Verweis auf die Aussenperspektive wollte ich nicht sagen, dass ich es negativ finde, daran werden mir eben nur ein paar Dinge bewusst, die ich so in anderen Büchern nicht festgestellt hatte. Aber das ist ja auch interessant.

    In dem dritten Kapitel wird ja über die Missio Dei geschrieben, und dabei wird immer wieder betont, dass es mehr um das Leben geht, als um Gemeinde und Formen und solche Sachen – und dann kommen immer wieder direkt darauf Berichte von Gemeindegrünungen, gegen die ich ja nicht unbedingt was habe – in dem Zusammenhang erscheint es mir eben strange.

    Sehe die Apostelgischte nicht als Bericht der Original-Gemeinde, sonderen eher als Geschichte einer der ersten Gemeinden. Die sprechen meiner Meinung nach jedoch auch nicht über Nicht-Christen. Ein Unwort, das wahrscheinlich in meiner Welt einfach nicht mehr funktioniert.

    Und noch eins, mir wird aus den einzelnen Statements noch nicht klar, wie sich das vor Ort inkarniert hat, es sind für mich bisher eher aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen, die redaktionell verbunden wurden – im Sinne der Redaktoren – und da kann man viel machen…

  5. lustig. verwirrung komplett.
    durch die zeitumstellung war die zeit hier nicht korrekt, dann hab ichs korregiert und jetzt stimmt sie wieder, aber in diesem post wird es eben ein bisschen wild :]

  6. sind die beiträge über die vorgestellten communities an sich inspirierend? dann würde sich das ja doch lohnen, wenn man ein paar praktische ansätze ausprobieren und weiterdenken könnte.
    war allerdings auch überrascht, dass all diese gemeinschaften da unter „emerging church“ laufen. obwohl das eigentich auch positiv ist, da man sieht, dass die herausgeber ein nicht zu enges bild von e c haben.

  7. Kurze Info für Nix-Wisser: Was „Missio Dei“ ist, hat mir soeben wikipedia erklärt. Warum aber besteht ein Gegensatz zwischen dem „Missio Dei“-Gedanken und Gemeindegründungen? Und warum spricht ein „Missio Dei“-Anhänger prinzipiell nicht von Nicht-Christen? (Was daran in der Praxis pelzig ist weiß ich schon.)

  8. Heute bin ich schon wieder viel versöhnter mit dem Buch. Danke für den Tipp, DoSi, einfach “the communities we visited” zu lesen, bzw. zu denken während ich „the emerging church“ vor Augen habe – das macht mir den Text um einiges zugänglicher. Sollte man vielleicht als Lesetipp auf das Buch schreiben :]

    Wie die einzelnen Gemeinschaften durch das Buch dargestellt werden, Markus, kann ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen – was meinst du DoSi? Was auf jeden Fall interessant ist wie breit Gibbs/Bolger den Emerging Church Begriff fassen…

    Hm. Alex, deine Fragen sind berechtigt und auch gut. VIelleicht hast du die ein oder andere Antwort schon aus vorangehenden Kommentaren bekommen – mittlerweile auch in der richtigen Ordnung. Ich versuche mal eine ganz knappe [sehr lückenhafte] Darlegung meiner Gedanken.

    Für mich hat der Gedanke der Missio Dei vor allem damit zu tun, dass wir als Menschen an Gottes Handeln in der Welt partizipieren. Heißt, er handelt auf vielfältige Weise an den unterschiedlichsten Stellen unseres Leben. Um daran zu partizipieren brauche ich keine Gemeinde, es reicht mein normales Leben. Und manchmal erscheint es mir sinnvoller mir dabei nicht mit Gemeinde und Gottesdiensten im Weg zu stehen und wieder darauf reinzufallen…

    Der Begriff ›Nicht-Christ‹ resultiert meiner Ansicht nach aus einem modernen Dualismus. Die Welt wird in gut und böse eingeteilt, es gibt das Sakrale und das Säkulare, die Erwählten und die Verlorenen. Zum einen erscheint dieser Dualismus meiner Ansicht nach in der griechischen Philosophie und nicht in der Idee Gottes begründet – und andererseits geht es dabei um eine Kategorisierung, die dem Nachspüren des Handeln Gottes, der jeden Mensch als Gegenüber geschaffen hat, widerspricht.

    Weitere Gedanken dazu?

  9. […] Yesterday a friend of mine suggested when reading ›Emerging Churches‹ by Gibbs and Bolger one should read »the communities we visited« instead of »the emerging church«. Doing this today, the book spoke to me again… Thanks. […]

  10. Zur Darstellung der Gemeinschaften müßte ich wieder ins Buch reinschauen, dafür fehlt mir im Moment die Zeit. Jedenfalls wird keine Gemeinschaft umfassend beschrieben, sondern immer nur in Ausschnitten, wie es eben zu den einzelnen Schwerpunkten paßt, die Gibbs/Bolger in den Gemeinschaften, die sie besucht haben wahrgenommen haben, und die sie beschreiben.

    Naja, über die Definition von ec können wir weiter streiten. Für mich ist es eben „im Anbruch befindliche Gemeinde“, damit eben „neue Form und Art von Gemeinde“, andere würden emergente Prinzipien mehr betonen und damit das Ganze einschränken. Damit liegen Gibbs/Bolger eher auf meiner Wellenlänge.

    Zur Missio Dei habe ich einen längeren Post am 7.10. geschrieben, da will ich jetzt nicht mehr viel Worte machen. Nur kurz: Für mich ist es das Projekt Gottes, Menschen zur erfüllten Gemeinschaft mit ihm und untereinander zu führen, weshalb Jesus gekommen, gestorben, auferstanden ist, wozu er seine Jünger geschult und was er auch uns durch die Kraft des Heiligen Geistes zu tun beauftragt hat. Ein entscheidender Schritt ist dabei derjenige in die Nachfolge Jesu. Dafür kann man Worte wie Bekehrung oder Wiedergeburt durchaus heranziehen, welche einen graduellen Prozess oder eine singuläres Ereignis bezeichnen mögen. Jedenfalls beauftragt Jesus seine Jünger, in seinem Namen die „Buße zur Vergebung der Sünde“ zu predigen. Wer auf diesen Bußruf reagiert, dem vergibt Gott seine Missetat und den macht er zu seinem Kind. Der Betreffende hat noch lange nicht das Ticket für den Himmel gebucht (woraufs ja auch gar nicht ankommt) und es ist noch nicht alles perfekt, aber irgendwo zwischen der Fremdlingschaft und dem Gottes-Hausgenosse-Sein vollzieht sich der Wandel, der einen Nicht-Christen zum Christen macht. Nein, ich kann nicht sagen, ab wann jemand „Christ“ ist. Ich mag den angedeuteten Dualismus in seiner Schärfe auch nicht, vor allem die meist verhängnisvollen Folgen, die er mit sich bringt. Aber nach meinem ntl. Schriftverständnis gibt es „Christen“ und „Nicht-Christen“. Wozu dann überhaupt der Ruf „Lasset euch versöhnen mit Gott“, den Paulus als Botschafter an Christi statt erklingen läßt?

  11. Interessant. Bin gerade dabei Blogeinträge nachzulesen, da ich in den letzten Tagen kein DSL zur Verfügung hatte. Las gerade also deinen Eintrag Daniel und spontan kamen mir dieselben Gedanken wie DoSi. Ich schließe mich seinen Kommentaren 1-3 und diverse anderen zum Thema soweit mal an. Ich habe das Buch vor ca. 1 Jahr gelesen und es eben recht positiv, dass Leute die nicht in diesen Kontexten Leben, so positiv schreiben. Was mich allerdings auch erheblich gestört oder vielleicht eher betrübt hat ist, dass Festland Europa nicht vorkommt.

  12. […] In dem EmergingChurches-Buch ist ein Kapitel, das ich sehr gerne habe – würde es wohl als mein Lieblingskapitel bezeichnen –, auch wenn mich das gesamte Buch nicht in der Weise begeistert hat, wie ich es nach manchen Empfehlungen erwartet hatte. Das Kapitel von dem ich rede ist die Nummer 6: ›Welcoming the Stranger‹. Dabei handelt es sich um das erste der beiden Artikel, die sich mit Gastfreundschaft beschäftigen. Wahrscheinlich mag ich das Kapitel deswegen so sehr, da es sich mit einer Thematik auseinandersetzt, die mich selbst gut beschäftigt. […]

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