Heiligung mit Bonhoeffer

In meinen Vorbereitungen zum Unterricht über Spiritualität im Lift letzten Dienstag setzte ich mich wieder einmal mit der Tradition der Heiligung auseinander. Bisher war diese Tradition diejenige, die am wenigsten zu mir sprach, da ich immer die Assoziation von Gesetzlichkeit mit ihr verband.

In dieser Auseinandersetzung fiel mir jedoch ganz neu auf, dass Gesetzlichkeit zwar eine Gefahr dieser Tradition ist, jedoch der eigentlichen Idee dahinter widerspricht. Geht es in dieser Tradition doch darum das eigene Leben im Einklang mit Gottes Willen zu leben, kann es gar nicht darum gehen sich stur an irgendwelche Regeln zu halten oder einen komischen Perfektionismus anzustreben.

In dem Buch ›Viele Quellen hat der Strom‹ führt Richard Foster Dietrich Bonhoeffer als Beispiel für die Tradition der Heiligung an. Bonhoeffer ist einer der Menschen die mir sowohl von ihrem Leben her wie auch von seiner Theologie zum Vorbild geworden sind, und so war ich offener als jemals davor auf diese Tradition zu hören. Foster wählt sechs Punkte aus um deutlich zu machen weshalb er Bonhoeffer als Vertreter dieser Tradition versteht:

1. Bonhoeffer nahm Jesus ernst.
Bonhoeffer nahm in seinem Leben wie in seiner Theologie Jesus ernst. Er sah in ihm den Menschen Jesus wie auch den Gott-Jesus und betonte, dass es unabdingbar ist diese beiden Seiten zusammen zu sehen.

2. Bonhoeffer nahm den Ruf Jesu in die Nachfolge ernst.
In seiner Auseinandersetzung mit Gnade unterscheidet Bonhoeffer billige von teurer Gnade. Seiner Ansicht nach kann Nachfolge nur im Bezug auf teure Gnade gelebt werden:

»Billige Gnade ist die Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte.«
[zitiert nach Foster, 100.]

3. Bonhoeffer nahm die geistliche Disziplin ernst.
In seinen Vorlesungen verband Bonhoeffer die Wissenschaft immer mit gelebter Frömmigkeit. Frömmigkeit als getarnte Flucht in nur religiöse Handlungen lehnte er ab und verstand sie immer verbunden mit verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft. In dieser Weise wird Bonhoeffer im Zusammenhang mit einem neuen Mönchtum verstanden, welches das konsequente Leben nach der Bergpredigt aufweist. Auch hier wird deutlich, dass er Jesus ernst nahm, war es ihm doch ein Anliegen Jesus Christus in der ganzen Fülle seiner selbst ähnlich zu werden.

4. Bonhoeffer nahm die freie, verantwortliche, gehorsame Tat ernst.
Jedes gesetzliche Denken war Bonhoeffer fremd, er betonte stattdessen ein Leben und Handeln das den jeweiligen Situationen entsprechend neu entschieden werden musste. In diesen Entscheidungen ist es seiner Ansicht nach wichtig, dass das Zentrum definiert ist, denn dann werden keine starren Regeln benötigt, da der jeweilige Mensch verantwortlich zu entscheiden in der Lage ist. Diese Dialektik wird meiner Ansicht nach in Bonhoeffers Auseinandersetzung zwischen Friedfertigkeit und Anschlag deutlich – er war sich bewusst, dass eine Entscheidung auf beiden Seiten Gefahren bot, und dennoch war es für ihn wichtig sich zu entscheiden und dementsprechend zu handeln.

5. Bonhoeffer nahm die Reinheit der Kirche ernst.
In der Zeit des anfangenden Dritten Reiches sprach Bonhoeffer offen über sein Verständnis des Führers als Verführer. Ein solches Handeln beeindruckt mich zutiefst, setzte er durch seine Position sein Leben aufs Spiel und musste später sogar mit seinem Leben dafür bezahlen [diese Worte erscheinen mir zu flach und einfach für die Schwere dessen was sich abspielte, dennoch möchte ich darauf hinweisen…]. Er setzte sich für die Kirche ein und war darum bedacht, dass die deutschen Christen nicht die einzige Möglichkeit, seiner Ansicht nach keine Möglichkeit, blieben in dieser Zeit innerhalb der Kirche Christ zu sein – auch die Bekennende Kirche ging seiner Ansicht nach mit dem Betheler Bekenntnis nicht weit genug. Dies war jedoch nicht seine einzige Sorge im Bezug auf die Kirche, in seinem Buch ›Gemeinsames Leben‹ finden wir die Ideen und Berichte aus seiner Zeit im Finkenwalder Seminar in dem er sein Leben mit einigen anderen Theologen teilte.

6. Bonhoeffer nahm die Welt ernst.
Die Tatsache, dass Bonhoeffer die Welt als solche ernst nahm zeigt sich nicht zuletzt in dem Gedanken des religionslosen Christentums [dazu empfehle ich noch einmal den Text, den Tobias vorliest.].

»Es ist ein Leben nicht der religiösen Tat, sondern des Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben.«
[zitiert nach Foster, 107.]

Ein solches Leben ist befreit von falschen religiösen Hemmungen und Bindungen und offen allen Menschen zu dienen. In dieser Weise verstand er auch die Idee mit den Leidenden zu leiden und sich mit den Fröhlichen zu freuen.

Abschließend kann man wohl bemerken, dass Bonhoeffer von einer weltzugewandten Spiritualität spricht und diese auch gelebt hat.

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