Journalismus a la Neon

Es ist kein Geheimnis, dass es keinen objektiven Journalismus gibt. Die Methoden von NEON auf eine subtile Weise Meinung zu machen und trotzdem ›tolerant‹ bleiben zu wollen, ist dennoch bei jeder neuen Ausgabe eine Beobachtung wert.

Ähnlich dem Artikel zu »Bio« in einer älteren Ausgabe haben sie dieses Mal einen Artikel in dem sie gegen ›Fair Trade‹ schießen. Lustig ist, dass einige Seiten später ein Artikel zu ›Ethical Fashion‹ kommt, der in eine ganz andere Richtung geht, aber erst mal schön der Reihe nach.

Im Aufmacher zu dem Artikel, der fair Trade im Bezug auf Kaffee behandelt heißt es:

»Der Weg einer Bohne vom Strauch bis in den Coffeeshop zeigt, wer die Gewinne macht – und warum »Fair Trade« ein Placebo ist.

[NEON, Februar 07, Seite 18.]

Um mich noch mal zu vergewissern ob ich bei Placebo an das denke, was auch andere mit diesem Wort assoziieren habe ich im Fremdwörterbuch nachgeschaut und folgendes gefunden:

»Pla’ce·bo, […] Medikamentenattrappe ohne Wirkstoffe, die einem echten Medikament in Geschmack und Aussehen gleicht, Scheinmedikament«

[Langenscheidt Fremdwörterbuch.]

Und so findet sich schon im Aufmacher der Grundtenor des folgenden Artikels, der die Wirklichkeit der Kaffeeanbauer mit derjenigen des Vorstandschefs von Starbucks vergleicht und dabei zu einseitigen Ergebnissen kommt. Auch wenn einige der Einwände meiner Ansicht nach berechtigt sind, so fehlt dem Artikel eine gewisse Ausgewogenheit auch andere Seiten des fairen Handels darzustellen bzw. sie mit den scheinbar all zu ähnlichen üblichen Praktiken des Handels an sich zu vergleichen.

Mir erscheint es, als würde alles was ›bio‹ und ›fair‹ genannt wird zunächst einfach negativ gesehen. Gemäß folgender Aussage: »Ökomode« klingt furchtbar, deswegen heißt sie jetzt »Ethical Fashion«. [NEON, Februar 07, Seite 102.] Deshalb bringt es auf jeden Fall auch nichts sich bewusst nach biologischen und fairen Produkten umzuschauen – sind sie doch alle nur Placebo.

Allerdings macht ›Ethical Fashion‹ hier einen Unterschied, dabei geht es ja nicht um die verstaubten Klischees sondern um frisches Design, welches aus Häusern kommt die sich bewusst vom Mief der etablierten ›Müslis‹ absetzen wollen.

In guter NEON Manier werden dann auch die sexuellen Vorlieben des American Apparel Chefs gepriesen, der ja nicht nur von prüden Fundamentalisten eins auf die Mütze bekommt, sondern auch von manchen seiner „freien“ Mitarbeiterinnen mit Prozessen wegen sexueller Übergriffe erfreut wird. Vielleicht würde diesem zweiten Fair-Trade-Artikel der aktuellen Ausgabe auch ein bisschen mehr Ausgewogenheit nicht schaden…

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