Nachfolge im Gehorsam

»Gehorsam« ist sicherlich ein Wort das die wenigsten von uns wirklich gerne hören. Wenn es schon gebraucht werden muss, dann bitte darauf bezogen, dass jemand anderes unseren Anweisung »Gehorsam« zu leisten habe. Die Entscheidung ob und wie wir auf Anweisungen anderer reagieren, geben wir nicht aus der Hand. Wir wollen die Kontrolle über unser Leben behalten und können ganz gut entscheiden was gut für uns ist. Aber ist das wirklich so?

»Ein Vater sagt zu seinem Kind: Geh ins Bett!, so weiß das Kind wohl, woran es ist. Ein pseudotheologisch dressiertes Kind aber müßte nun folgendermaßen argumentieren: Der Vater sagt: Geh ins Bett. Er meint, du bist müde; er will nicht, daß ich müde bin. Ich kann über meine Müdigkeit auch hinwegkommen, indem ich spielen gehe. Also, der Vater sagt zwar: Geh ins Bett!, er meint aber eigentlich: Geh spielen. Mit einer solchen Argumentation würde das Kind beim Vater, würde der Bürger bei der Obrigkeit auf eine sehr unmißverständliche Sprache stoßen, nämlich auf Strafe. Nur dem Befehl Jesu gegenüber soll das anders sein. Hier soll einfältiges Gehorchen verkehrt, ja Ungehorsam sein. Wie ist das möglich?«

[Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, 55f.]

In diesem Eintrag möchte ich auf keinen Fall für ›blinden Gehorsam‹ eintreten, oder gar eine Gesetzlichkeit propagieren – dennoch ist es vielleicht hilfreich wenn wir uns immer wieder fragen, ob in unserer Nachfolge »Gehorsam« eine Rolle spielt.

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Vor etwa einem Jahr habe ich ein interessante Zitat zu Sünde, Konsequenz und Gnade gepostet.

3 Reaktionen

  1. Um ehrlich zu sein, hat das Wort Gehorsam bei mir schon immer einen schwierigen Part gehabt. Mittlerweile bin ich da entspannter und dennoch ist es ja mit der Bereitwilligkeit, gehorsam zu sein nicht getan, da mir noch sehr viele ungeklärte Fragen dabei aufkommen wie :
    . was würde es denn praktisch bedeuten, gehorsam zu sein ?
    – … gehorsam welchen Aussagen gegenüber ? Wer bestimmt das ?

  2. Ich hab gemerkt, dass es für mich manchmal einfacher / besser ist, einfach zu gehorchen und nicht noch 10 Schritte weiter zu denken, wie was Gott jetzt gemeint haben könnte. Ich verzettel mich sonst manchmal total, anstatt einfach loszulaufen und das zu tun, was von mir verlangt wird. Ich hab in letzter Zeit auch darüber nachgedacht, dass ein Synonym für Gehorsam auch Vertrauen ist. Gott weiß schon, was er tut. Weiter führt mich „Gehorsam“ zu der Frage, ob man immer zuerst verstehen muss, bevor man handelt oder ob man einfach handelt und hinterher versteht. Manchmal hindert mich das Denken, die Erfahrung erst zu machen. So in Fällen, wo es um Überwinden / Gehorsam geht.

    GREETZ!
    -tina.

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