Dekonstruktivistische Theologie

Im April findet die diesjährige ›Emergent Theological/Philosophical Conversation‹ statt. »Was würde Jesus dekonstruieren?« ist ihr Motto, und wie sich mancher Leser vorstellen kann, wäre [depone] da gerne mit von der Partie. Aus verschiedensten Gründen ist dies jedoch nicht möglich und so freue ich mich umso mehr, im Netz auf die eine oder andere anregende Diskussion zu stossen. Das ist der erste Grund für diesen Post. Der Zweite resultiert aus so manchem Gespräch das sich um die Frage meiner bisweilen dekonstruktivistisch anmutenden Theologie dreht.

Schließlich – um die lange Vorrede zu einem Ende zu bringen – möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Post einige Gedanken frei wiedergibt, die ich bei LeRon Shults gefunden habe. In dem Post, der diesem Eintrag zu Grunde liegt geht LeRon auf folgende Frage ein: »Warum neigt emergingChurch dazu dekonstruktivistisch Theologie zu betreiben?« In seinem Post stellt er drei Gründe dar, die seiner Meinung nach hauptsächlich dazu führen, dass EmergentTypes [wie er sie nennt] Dekonstruktion und Theologie verbinden.

[1] Dekonstruktion akzeptiert die Kategorie der Differenz nicht nur, sondern heißt sie willkommen. Da wir in einer Zeit aufwachsen in der es eine große Offenheit für Differenz gibt, ist diese Offenheit für uns um einiges nahe liegender als die Enge, der wir in manchen theologischen Kreisen begegnen. Diese angesprochene Enge drückt sich in einem Zwang zur ›Gleichheit‹ aus, von der wir uns durch die Dekonstruktion befreit fühlen. Dadurch bekommen wir eine Sprache das auszudrücken was wir täglich erleben.

[2] Bei der Suche nach Erkenntnis verlangt dekonstruktivistische Epistemologie/Hermeneutik nach Demut. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass jeder der als Dekonstruktivist bezeichnet wird demütig ist – vielleicht gilt bei manchen genau das Gegenteil. Dennoch ist es ein wesentliches Merkmal von Dekonstruktion, dass sie sich ständig selbst reflektiert. Die eigenen Erkenntnisse und die Wege auf denen sie gewonnen werden, werden beständig hinterfragt. Auf diese Weise können uns Denker wie Derrida Demut lehren und wir lernen zu bejahen, dass wir nicht alles wissen und verstehen.

[3] Dekonstruktion ist überraschend. Am Anfang all unseres Hinterfragens steht meistens noch nicht fest wo wir damit am Ende landen werden. Wir sind mehr als bereit dazu, die Notwendigkeit den Ausgang unseres Hinterfragens, bereits vorher bestimmen zu können hinter uns zu lassen. Der Schock, den manche Erkenntnisse des Weges auslösen, wird von vielen als Kick empfunden. Insofern stellt die Dekonstruktion eine Möglichkeit dar, sich selbst für solche Überraschungen zu öffnen, und sich daran zu freuen wenn daraus wirkliche Veränderung entsteht.

– – –
zum Thema Dekonstruktion könnten dich auch folgende Einträge interessieren:
Dekonstruktion mit Sinn und Ziel
Dekonstruktion vs. Methode

2 Reaktionen

  1. […] Der erste Podcast der Theological/Philosophical Conversation von Emergent USA ist seit kurzem online. Ich hab ihn zwar noch nicht gehört, ist aber sicherlich interessant. Im Zusammenhang der Conversation hatte ich schon mal über Dekonstruktivistische Theologie geschrieben. […]

Mentions

  • [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » Hörenswert

Reagiere darauf

*