Das Leben genießen

Ich bin ein Genießer, das schon mal vorweg. Gleichzeitig zähle ich mich auch zu denen, von denen gesagt wird sie seien ›Christen‹, folge Jesus nach oder versuche in Harmonie mit Gott zu leben. Diese Verbindung, so scheint mir, wird jedoch ab und an als Widerspruch verstanden – und ich beginne mich zu fragen, wie das gehen kann?

Meine Nachfolge verstehe ich in der Tradition des Judentums. Und jedes Mal, wenn ich mir ein jüdisches Festmahl vorstelle, dann kann ich den Genuss förmlich erleben. Das wunderbare Essen, der ausgewählte Wein, die Kräuter, Kerzen auf den Tischen, und sehr gute Gespräche. Ein Volk, das es versteht das Leben zu genießen auch wenn die Umstände zu manchen Zeiten dagegen sprechen.

Genau aus dieser Tradition stammt derjenige an dem ich mein Leben orientiere, Jesus. Und ich stelle mir sein Leben ebenfalls so vor, dass er und die Menschen in seinem Umfeld wussten was es heißt das Leben zu genießen. Was sollen sonst die Gründe gewesen sein, dass er mit seinen Jüngern, manchen Zollbeamten und anderen zusammen isst. Weshalb sollte er aus Wasser Wein gemacht haben und auch durch seinen Genuss zu einem Dorn im Auge mancher Moralisten seiner Zeit geworden sein?

Wenn wir also in dieser Zeit von Fasten reden, dann tun wir das nicht aus dem Grund weil unser ganzes Leben langweilig ist und wir keinen Genuss kennen. In diesem Zusammenhang hat mir folgende Aussage von Fono sehr gut gefallen: »Da Protestanten und Evangelikale sowieso nie Spaß haben, brauchen sie eigentlich nicht zu fasten, denn auf was sollten sie noch verzichten?« [Fono » Entwarnung: Fasten macht nicht katholisch!] Weist unser Leben auf den hin, dem wir nacheifern – wenn wir als genussfeindliche Moralisten auffallen?

Unter Genuss verstehe ich natürlich auch nicht Maßlosigkeit – eine Unart die meiner Ansicht nach eigentlich eher das Gegenteil von Genuss darstellt. Genuss hängt mit genießen zusammen und ich genieße ein paar Tassen super leckeren Kaffee und nicht die Masse. Ähnlich sehe ich das auch mit dem Rauchen, weshalb folgende Aussage aus einem Kommentar zur Anti-Raucher-Kampagne den letzten Tropfen dazu beitrug diesen Eintrag zu schreiben:

»Rauchen als „Verschwendung“, „Sünde“ und „gottloses Laster“: Vieles deutet daraufhin, dass die tief in unserer christlichen Glaubenstradition verankerte, asketische Grundhaltung zum Leben eine der entscheidenden Antriebsfedern auch der modernen Anti-Raucher-Bewegung ist. Sie erklärt den missionarischen Eifer, mit dem das Rauchen auch heute noch verfolgt wird und sie macht plausibel, warum der Hauptanstoß der modernen Verbotswelle aus dem puritanisch geprägten Amerika kommt.«

[WELT » Warum die Anti-Raucher-Kampagne Heuchelei ist.]

– – –
Ein interessanter Eintrag zur Fastenzeit findet sich bei Bruce Stanley a.k.a. [embody].

3 Reaktionen

  1. Puritanische Amerika? Puritanisch wie in MTV?
    Der Punkt beim Rauchen ist ja, dass es andere schädigt und das deshalb nicht mehr nur die eigene Entscheidung ist.Und nicht wie Friedmann auf Watch Berlin, diesem Internetsender da, rumheult, dass der doofe autoritäre Staat sich in Sachen einmischt die ihm nichts angehen. Es ist natürlich andersrum. Aber ich will nicht als militanter Nichtraucher erscheinen; in meinen dekadenten Stunden hab ich auch schon öfters ne Zigarre geraucht und n Whiskey getrunken und hab nichts gegen das Rauchen an sich und mit dem Genuß haste natürlich recht; wobei ja ein Luther auch nachgesagt wurde, dass er ein Genießer war.

  2. Moin Arne, wollte mit meinem Eintrag sicher keine Lanze für Rauchen auf Kosten anderer brechen. Mir leuchtet das auf jeden Fall ein, dass es keinen Sinn macht anderen die Luft zu verpesten – ist schließlich auch nicht mehr der totale Genuss dann ;] Fand nur den Kommentar echt interessant in der aktuellen Stimmungslage. Peace.

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