Missio Dei

Auch wenn ›Missio Dei‹, der Titel dieses Eintrags, für dich ein Fremdwort ist, bitte ich dich trotzdem weiter zu lesen. An der ein oder anderen Stelle ist dir vielleicht schon einmal jemand begegnet der davon sprach, dass Mission nicht nur mit ›Missionaren in Afrika‹ oder Einsätzen [auch ›Outreach‹ genannt] zusammenhängt, sondern irgendwie mit dem ganzen Leben zu tun hat. Ich möchte mit diesem Eintrag ein bisschen Licht in das Geheimnis dieser Gedanken bringen, die zur Zeit [zumindest in meinem Umfeld] sehr gern für alles mögliche herangezogen werden.

Der Begriff selbst stammt aus dem Lateinischen, und steht für eine bestimmte Art über Mission zu denken. Theologen verwenden für die Bezeichnung eines ihnen wichtig erscheinenden Sachverhalts gerne lateinische Begriffe, und so ist auch in diesem Fall eine schöne Bezeichnung entstanden, die für viele rätselhaft erscheint. Wenn ich die beiden Worte übersetzen wollte, würde ich wohl ›Sendung Gottes‹ sagen. Diese Übersetzung hilft jedoch auch noch nicht wirklich weiter auch wenn sie in die richtige Richtung weist. Es geht allgemein gesprochen um Gott und seine Sendung.

Wenn es wie eben erwähnt um die Sendung Gottes geht, dann bedeutet das für Mission zunächst, dass Gott das Subjekt der Mission ist. Anders ausgedrückt könnte man vielleicht auch sagen: Gott ist der Missionar. Er handelt an und in der Welt. Er ist zugleich Sendender [das wäre er auch in einem anderen Missionsverständnis] als auch Gesandter. Hier wird dann darauf hingewiesen wie Gott [der Vater] Jesus Christus [den Sohn] auf die Welt gesandt hat. Und dass „diese beiden“ den Heiligen Geist ebenfalls zu uns auf die Welt sandten. Insofern wäre Gott selbst derjenige der jemand anderes sendet und gleichzeitig gesandt ist. Die weltweite Kirche würde nach diesem Ansatz in das weltweite Heilshandeln Gottes hineingenommen, und ist demnach nicht selbst Subjekt, Ursprung oder Ziel der Mission.

In dem Lexikon ›Religion in Geschichte und Gegenwart‹ [kurz RGG] steht dazu folgendes:

Dies hat weitreichende Folgen, nicht nur für die Missionstheologie, denn die Kirche kann sich demnach nicht mehr als alleinige, triumphale Bringerin des Lichts für eine völlig gottlose Welt verstehen, sondern sie erkennt an, daß Gott selbst in seiner Welt unterwegs ist.

»Mission« als Inbegriff göttlichen Handelns eröffnet eine Weltzugewandtheit und ein umfassendes christliches Engagement in Solidarität mit Armen und Entrechteten (»Schalomisierung«) sowie mit Menschen anderen Glaubens, das die Vieldimensionalität der biblischen Sendungsverständnisse beachtet und evangelistische Engführung sprengt.

[Grünschloß, Andreas. „Missio Dei.“ RGG. 4., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 5, 1271.]

Mit diesem Eintrag beginne ich nun wirklich eine kleine Serie in der ich noch weitere Aspekte der ›Missio Dei‹ beschreiben möchte. Dies sage ich, wie du dir denken kannst mit größter Vorsicht, da die meisten Serien hier normalerweise bald enden – dieses Mal habe ich jedoch schon zwei weitere Entwürfe in Arbeit…

8 Reaktionen

  1. Hey,
    guter Post. Ich wusste gar nicht dass der Begriff im RGG erscheint; mir würde es ja gefallen, wenn er in Evangelikaler und Liberaler Welt gleich Fuß fassen würde.
    Ich hab mir mal überlegt: im AT kommt ja oft der „Engel des Herren“ vor. (und man merkt, dass es sich hier nicht nur um einen ’normalen‘ Engel handelt, sondern irgendwie in mysteriöser Weise um Gott) Ist das nicht genau das: Gott bleibt nicht auf seinen Thron sitzen, sondern macht sich auf und geht über die Erde, um Heil zu schaffen?

  2. […] Damit direkt zusammenhängend: Depone Daniel fängt eine neue Blogreihe an über ein Umdenken in Bezug auf den Begriff Mission. […]

  3. Mir ist dazu eingefallen, dass das die Lösung ist sozusagen, zu dem „wie soll ich demütig sein/was ist demut?“

    – Und ich bin mir echt nicht sicher, aber steht auch nicht „irgendwo“ in der Bibel, dass auch Gott demütig ist (schreib bewusst, obwohl ich keine Ahnung habe, bekenne mich also hiermit als Laie)? – Und dieser Ansatz würde dann ja auch das erklären?

    Will gerne mehr hören, ich finde das wirklich sehr spannend. Aber andererseits MUSS es ja geradezu so sein, also muss der Ansatz richtig sein, weil Gott doch der ist, der tut, nicht wir.

    Hmm, und es ist heftig, was das bedeutet. Ich mag ihn, er „löst“ auch viele Zwiespalte über richtig und falsch und müssen und dürfen. Auf der anderen Seite ist das, was wir uns gebastelt haben in der christlichen Welt, sehr viel einfacher zu praktizieren, oder? ;-)

  4. […] Um die Entstehung des Begriffs ›Missio Dei‹ darzustellen, muss ich einen kleinen Bogen schlagen, der sich über das vergangene Jahrhundert entfaltet. Den Begriff selbst habe ich kürzlich hier einleitend beschrieben. […]

  5. […] Nachdem ich Grundgedanken zur Missio Dei und einen Einblick in ihre Geschichte geschrieben habe, möchte ich heute die Reihe mit einem Eintrag zu den Herausforderungen abschließen. […]

  6. […] vom Begriff der „missio dei“ schreibt […]

  7. […] Vorstellung der Missio Dei als trinitätstheologische Neubegründung des Missionsverständnisses, hilft uns in unserer […]

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