Erneuerung und Mission

Bin gerade dabei meine Gedanken im Bezug auf Interaktion zwischen Theologie und Soziologie wissenschaftlich zu verfassen. Zunächst befasse ich mich mit dem Einfluss der Missionstheologie/Missiologie auf mein Verständnis im Bezug auf eben angesprochene Interaktion. Und während ich so versuche meine Gedanken zu artikulieren bin ich bei Jürgen Moltmann auf interessante Gedanken gestossen, die ich hier einfach zitieren möchte:

„Einer der stärksten Anstöße für die Erneuerung des theologischen Begriffs der Kirche kommt heute aus der Theologie der Mission.“ [S. 21]

„Je mehr Schutzkreis des Christentums in den christlichen Ländern säkularisiert wird und zerfällt, desto mehr müssen sich die Kirchen auch in diesen Ländern auf die missionarische Initiative und auf ihre besondere Sendung besinnen. Sie können sich nicht länger als Agenturen des europäischen oder des amerikanischen Christentums verstehen, sondern müssen ihren Missionsauftrag im eigenen Land entdecken und mit ihm die besondere Gestalt der Kirche in ihren Kulturen sichtbar machen. Das ist im Grund die Herausforderung der neuzeitlichen »Trennung von Kirche und Staat« in den modernen europäischen Verfassungen.

Gibt es keine »Staatskirche« mehr, dann muss die Kirche ihre Geschichte selbständig gestalten. Gibt es die »Volkskirche« nicht mehr als lebendige Wirklichkeit, dann muss das »Volk Gottes« sich in eigener Gestalt dem Volk präsentieren. Je mehr das »christliche Abendland« kulturell und geographisch aufgelöst wird, desto mehr wird sich die Kirche im Welthorizont verstehen. Sie kann sich nicht länger nur im Rahmen der europäischen Geschichte begreifen. Sie muss sich und ihren Auftrag im Rahmen der Weltgeschichte darstellen. Diese Darstellung kann nur eine missionarische sein.“ [S. 21]

„Die missionarische Kirche im Welthorizont theologisch zu begreifen, heißt sie im Horizont der Missio Dei zu verstehen. Sendung umfaßt das Ganze der Kirche, nicht nur Teile in ihr, oder gar nur von ihr ausgesandte Glieder. Die Verkündigung des Evangeliums vom anbrechenden Reich ist der erste und wichtigste Faktor der Sendung Jesu, der Sendung des Geistes und der Sendung der Kirche, aber nicht der einzige. Mission umfaßt alle Tätigkeiten, die der Befreiung des Menschen aus seiner Knechtschaft in der Gegenwart des kommenden Gottes dienen, von der ökonomischen Not bis zur Gottverlassenheit. Evangelisation ist Mission, aber Mission ist nicht nur Evangelisation.“ [S. 24]

„Versteht die Kirche ihre Sendung im Rahmen der Sendung des Sohnes und des Heiligen Geistes vom Vater, dann versteht sie sich selbst auch im Rahmen der Geschichte Gottes mit der Welt und entdeckt in dieser Geschichte ihren Ort und ihre Funktion. Die neuere katholische und evangelische Missionstheologie spricht darum mit Recht von der Missio Dei, einer Bewegung aus Gott, in der die Kirche entsteht und zu ihrer eigenen Bewegung kommt, die aber über die Kirche hinausgreift und in der Vollendung der Schöpfung in Gott zum Ziel kommt.“ [S. 24]

„Daraus folgt, daß die Kirche ihre Weltmission in der trinitarischen Geschichte Gottes mit der Welt versteht. Sie ist mit allen ihren Tätigkeiten und Leiden ein Faktor in der Geschichte des Reiches Gottes. Nicht um ihre eigene Ausbreitung, sondern um die Ausbreitung des Reiches geht es. Nicht ihre eigene Herrlichkeit, sondern die Verherrlichung des Vaters durch den Sohn im Heiligen Geist ist ihr Ziel. Der missionarische Begriff der Kirche führt zu einer in der Sendung Gottes weltoffenen Kirche, weil er zu einem trinitarischen Verständnis der Kirche in der Geschichte Gottes mit der Welt führt.“
[Jürgen Moltmann, Kirche in der Kraft des Geistes, 24.]

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Notiz zur derzeitigen Blogfrequenz:
Im Moment ist es mehr als ruhig hier, was vor allem daran liegt, dass ich sehr viel Zeit vor meinem Rechner damit verbringe meine Gedanken wissenschaftlich darzulegen, so dass meine Master-Thesis Gestalt bekommt. Bei diesem ganzen Denken und Tippen habe ich manchmal nicht mehr so viel Motivation hier auch noch gute Einträge zu schreiben – ich hoffe du kannst das verstehen – vielleicht siehst du das ja auch im Zusammenhang mit dem Stichwort »nachhaltig bloggen« das ich in letzter Zeit ab und an gelesen habe. Ideen für Einträge habe ich immer noch mehr als genug, von daher wird dieses Blog nicht sterben.

4 Reaktionen

  1. Schöne Zitate – freu mich drauf, mich in ein paar Wochen auch an dieses Buch zu machen. Und ja: Hau rein, wäre doch nett, wenn wir zusammen absolvieren würden. Und noch ist ja noch ein bißchen Zeit bis hin…

  2. .. auch von meiner Seite aus alles Gute für Deine Masterarbeit.

    Was die Blog angeht, so beobachte ich an mir, dass es Zeiten gibt, an denen man drei Beiträge pro Tag schreiben könnte (und sogar die Zeit dafür hat) und dann sind da wieder die anderen Zeiten: Der Tag wird einfach nicht länger als 24 Stunden, die Aufgaben werden kaum merklich weniger und es fehlt am Ende manchmal die Inspiration, etwas zu schreiben. Und schliesslich will man ja auch nicht irgendetwas posten.

    Fazit: Ich bin sicher, dass es auch wieder Zeiten gibt, wo hier mehr los ist. Ich wünsche Dir viel Inspiration und Kraft für Deine Masterarbeit und auch sonst :-)! Zuletzt sende ich sonnige Grüsse .. Ciao, Markus

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