übersinnlich

Letzte Woche bin ich mittels Zapping kurz bei Kerner gelandet der mit drei jungen Männern über ihre vermisste Freundin sprach. Auf einmal schaltete sich Nena ein und frage die drei ob sie sich schon an jemand gewandt hätten der besondere Fähigkeiten besitzen würde. Darauf antwortete einer, dass sie eine Menge Hinweise von solchen Menschen bekämen, diese jedoch für ihn unglaubwürdig seien, da jeder eine ganz andere Geschichte gesehen habe. Nena versuchte weiter säuselnd die drei dazu zu motivieren die begabte Person direkt zu treffen da sie dann spüren würden wer recht habe… »Nena wird ganz esoterisch…« beginnt Markus Zinsmaier seinen Hinweis auf einem Interview-Versuch der taz mit Nena. Der Sinn fürs Übersinnliche wie ich das manchmal nenne, scheint sich zu einer Sucht nach Übersinnlichem zu verwandeln. Doch nicht erst jetzt.

In meinen Auseinandersetzungen mit dem Kanon der Bibel stosse ich immer wieder auf interessantes und abstruses. So z.B. die Annahme, dass die griechische Übersetzung des Alten Testaments [auch Septuaginta oder LXX genannt] von 72 Übersetzern in 70 Tagen übersetzt wurde [daher auch der Name, denn Septuaginta heißt 70]. Diese Tatsache alleine wäre noch nicht wirklich abstrus, lustig wird es erst an dem Punkt als Kirchenväter wie Irenäus anfangen darüber zu sprechen, dass Ptolomäus, derjenige der die Übersetzung in Auftrag gegeben hatte, die Übersetzer voneinander trennte, da er befürchtete dass der wahre Inhalt der Schriften durch die Absprache der Übersetzer verfälscht würde. Getrennt voneinander sollen die Übersetzer dann wortwörtlich die selben Texte übersetzt haben. Diese Anekdote wird auch als Inspirationswunder bezeichnet und diente dazu der LXX eine größere Autorität in den Auseinandersetzungen der Christen mit den Juden zu geben, da sie eben auf so wunderbare Weise entstanden war.

Wenn ich mit solchen Dingen konfrontiert werde frage ich mich weshalb wir uns dazu hinreissen lassen Ereignisse für mehr von Gott durchdrungen wahrzunehmen die irgendwie übernatürlich sind? Weshalb neigen Menschen dazu das alltägliche Leben, unser Denken und Handeln, auch heute noch, rein menschlich im Sinne von nicht-geistlich zu verstehen?

Nun ist mir auch klar, das es auf den ersten Blick so aussehen könnte als würde Nena von einer anderen Art spiritueller Erfahrung sprechen als Irenäus das tat oder manch einer der sich heute zu Gotteserfahrungen oder Inspiration der Schrift äußert, dennoch scheint ein ähnliches Deutungsmuster dahinter zu stecken das dem alltäglichen, menschlichen den Stempel des materiallen = nicht-geistlichen verpasst und auf der anderen Seite alles geistliche/spirituelle höher wertet und darin spirituelle Erfahrungen macht.

Manche unterscheiden zwischen Lobpreis und Lieder singen [auch wenn es sich dabei um die selben Lieder handeln kann], manche unterscheiden zwischen einem Gespräch in dem etwas deutlich wird und einer gesalbten Predigt oder einem prophetischen Impuls.

Beides ist wichtig, spirituelle Erfahrungen und das alltägliche Leben. Aber weshalb müssen wir künstliche Trennwände aufstellen und damit verbundenes trennen?

2 Reaktionen

  1. Absolut deiner Meinung. Hab erst heute über das Thema nachgedacht.
    Wie viel weltanschaulicher Ballast steckt zum Beispiel in der Frage: „Warum erleben wir heute in Europa nicht mehr so viele Wunder?“.
    Wie oft hat man, weil man das falsche erwartete Gottes Wirken übersehen?
    Wieviele bedenkliche Trends und Wellen hätte man sich sparen können?
    Ich wollte eh die Tage mal über Wunder posten; mal gucken, ob ich Zeit dafür finde. Btw: find es lustig, wie verschiedene Blogger in verschiedenen Zusammenhängen auf dieselben Fragen kommen…ein Wunder?

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