Predigt und Selbststudium

Dan Kimball hat einen interessanten Eintrag über seine letzte Predigt auf seinem Blog. Darin beschreibt er die Notwendigkeit für alle die auf dem Weg Jesu gehen, Theologen zu sein. Unter anderem überträgt er ein chinesisches Sprichwort auf sein Thema, was sich dann folgendermaßen anhört:

»Give a man (or woman) a sermon
and you feed them for a day.
Teach a man (or woman) to study Scripture on their own
and you feed them for a lifetime.«

meine Übertragung dessen in unsere Sprache:

»Predige für einen Menschen
und du ernährst ihn für einen Tag.
Zeig ihm wie er die Bibel selbst studieren kann
und du gibst ihm Essen für sein ganzes Leben.«

Danach geht er auf seinen Wunsch ein, keine Abhängigkeit von Leitern zu haben, die die Bibel auslegen, sondern dass Menschen die in ihrer Nachfolge reifen auch im Bezug auf ihre Versorgung aus der Bibel reifen. Mich inspirieren in diesem Zusammenhang seine Gedanken zur Wichtigkeit zu predigen, die diametral zur „Reife der Nachfolgenden“ abnimmt.

Mich würde interessieren wie ihr zu diesem Gedanken steht und welche Erfahrungen ihr mit Predigt und dem Zeigen die Bibel selbst zu studieren gemacht habt und macht.

15 Reaktionen

  1. Da hat er den Spruch mit dem Fisch und der Angel recycelt. Ich finde das befreiend. Dann bekommt Gottesdienst nämlich einen anderen Charakter: Es müssen nicht geistlich halb verhungerte Seelen möglichst viel in sich reinstopfen („auftanken“) um über die Runden zu kommen. Also kann man damit leben, dass ein Gottesdienst auch mal Elemente enthält, zu denen man vielleicht keinen Instant-Zugang findet. Und Prediger dürfen anregen, wenn sie nicht mehr füttern müssen. Und den Blick mehr nach außen richten als auf die unmittelbaren Bedürfnisse!

  2. Außerdem meine ich, dass sich die vermeintlichen theologischen Experten auch von den vermeintlichen Laien in puncto Bibel-Lesen was abgucken können, denn in der Ausbildung lernt man viel Gutes (und das ist sehr wichtig), aber manchmal verlernt man auch das eine oder andere.

  3. Als alter „Navigator“ (habe mal in einem Bibelkreis der Navigatoren zum Glauben gefunden) halte ich es mit 2. Tim 2, 2, einem der Leitsätze der Navigatorenarbeit:

    „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

    Jeder Paulus sollte sich einen Timotheus suchen. Also erst recht jeder „kleine“ Paulus. Neu ist dieser Gedanke also nicht (wie alle guten Gedanken, man muss sie nur zuweilen neu denken, würde Alex jetzt wohl sagen), außerdem hat dieser Gedanke nur sekundär etwas mit der Predigt im GoDi zu tun: Wenn es viele „Zweierschaften“ (so heisst das bei den Navis) in einer geistlichen Gemeinschaft gibt, befreit dies nicht unbedingt davon, gute Predigten für alle zu haben, ganz im Gegenteil: So ich einen guten Nährboden schaffe, kann eine Predigt vor einem vorbereiteten Publikum tiefer schürfen kann als eine solche vor einer Gruppe, die keinerlei Bezug zur Bibel hat. Da gibt es dann Steak statt Milch.

    Eine „Abhängigkeit“ von Leitern ist ein bereits im Ansatz zu vermeidendes Übel, was sich aber dadurch vermeiden lässt, dass ein Prediger öfter mal daran erinnert, das er auch nur ein Mensch ist, der die Bibel liest, und offen dazu auffordert, der Hörer möge das Gehörte bei eigenem Bibelstudium sorgfältig prüfen.

  4. danke für eure kommentare bisher. ich frage mich auch wie predigten aussehen wenn ihr ziel nicht unbedingt ist zu „ernähren“ sondern einander zu zeigen wie man die bibel studieren kann? darüber hinaus sehe ich die predigt nur als teil des dialogs der in der gemeinschaft bereits stattfindet, und dennoch scheint sie mir im moment nicht ganz wegzudenken zu sein, gerade um den dialog auch zu befruchten. darüber hinaus frage ich mich immer wieder wie viele menschen überhaupt zu hause (alleine) in ihren bibeln lesen? bin in diesem zusammenhang immer wieder „ernüchtert“ worden… wie handhabt ihr das in euren gemeinschaften?

  5. Ich finde diesen Gedanken sehr wichtig. Meine Diplomarbeit dreht sich mehr oder weniger darum, das Selbstudium zu fördern und in einem weiteren Schritt mit anderen in dynamischen Auslegungsprozessen das Verständnis der Bibel zu erweitern.

  6. Ich gebe dem Eintrag und allen Kommentaren recht und meine aber, dass ein Input von außen auch immer erweiternd ist, sei es durch eine Predigt oder durch einen blogeintrag. :)

  7. …noch was: In einer „Frontalpredigt“ ist es nicht einfach, einem größeren Gemeindepublikum zu vermitteln, WIE man die Bibel studieren kann. Du warst ja bei uns im Kino (Citychurch Würzburg, für alle anderen klargestellt): Stell Dir das mal vor, Hermeneutik für Anfänger im Detail, egal wie schön aufbereitet: Unsere Besucher ratzen uns dann in den roten flauschigen Sesseln weg.

    Obwohl lustigerweise eine Umfrage zu Beginn der Citychurch vor rund vier Jahren ergab, dass sich viele Leute einen „interaktiven“ GoDi wünschen, in dem man z.B. Fragen stellen kann. Haben wir probiert, dann wollte aber doch keiner was fragen. In einem kleineren Rahmen könnte das aber funktionieren, keine Frontalpredigt, sondern jeder kriegt ne Bibel in die Hand gedrückt, einer gibt vor, was und wie er etwas aus der Bibel gezogen hat und jeder darf sich offen einbringen, ohne dass das kommentiert wird. Hat jemand von Euch so etwas schon mal als GoDi-Form ohne Predigt im traditionellen Sinn gemacht?

  8. Mich wundert ein wenig, dass in den Kommentaren der Eindruck entsteht, dass ausgerechnet in der Predigt vermittelt werden soll, wie Bibel gelesen werden kann. Ich kann mir alle möglichen Gruppen und Ereignisse vorstellen, wo Zugänge zu biblischen Texten vermittelt werden, aber Hermeneutik selbst zum Thema zu machen, dafür ist die Predigt in meinen Augen nicht in erster Linie da. Dort geschieht das dann vielleicht eher indirekt, weil ich ja als Zuhörer durchaus auch merke, wie der Predigende mit dem Text umgeht.

  9. Natürlich gibts eine Vielzahl von verschiedenen Predigt-Genres wie seelsorgliche Predigt, prophetische Predigt, evangelistische Predigt, tröstende Predigt usw. Wichtig und unterscheidend gegenüber einer reinen Bibelarbeit oder Exegese finde ich die Dimension, dass ich in einer Predigt das Evangelium in das Leben der Menschen hineinspreche. Ich rede nicht nur über das Evangelium oder auf einer Meta-Ebene darüber, wie man und andere das Evangelium verstehen, sondern während ich spreche, ereignet sich Evangelium. Ich informiere nicht nur über den Segen, sondern spreche Segen zu uns ins Leben hinein. Rein informative Rede hat auch seinen Ort – ich finde sie aber besser in anderen Veranstaltungen als dem Gottesdienst aufgehoben, bzw. wünsche mir im Gottesdienst, dass sie dass einen anderen Rahmen hat als die Predigt und als solche auch ersichtlich ist. Zum Beispiel ist der Bericht eines Missionars ja auch eine Form von Rede im GoDi und kann vielleicht mal die Predigt ersetzen, hat aber einen etwas anderen Charakter. (meistens gibts dann im selben GoDi auch noch eine Predigt vom Missionar und dann noch eine vom Ortspastor, weil der es nicht ertragem kann, nichts gesagt zu haben und dann gibts erst um 14.00 Uhr Mittag ;-( )

  10. Finde die Unterscheidung von Simon ganz hilfreich.
    Fände es cool, wenn es beides in der Gemeinde geben würde. Wir versuchen sowas mit den zwei verschiedenen Arten von Gottesdiensten, die wir (CC Wü) haben.

    Mir hat ürbigens erst die Beschäftigung mit der Theologie (verschiedene Auslegungen einer Stelle, historischer Hintergrund etc.) wirklich Lust aufs Bibellesen gemacht. Außerdem hab ich dafür gebetet Lust drauf zu bekommen, das ist wohl auch ganz hilfreich…

  11. […] Daniel hat, angeregt von Dan Kimball in einem Post gefragt, ob wir statt sie mit Predigten zu “versorgen” Leuten nicht viel mehr beibringen sollten, selbst mit Gewinn die Bibel zu lesen. In der Diskussion dort wurde auch klar, dass das ja nicht unbedingt ein entweder/oder sein muss. Und dass man methodisch vielleicht bessere Wege finden kann, Leuten das Arbeiten mit der Bibel beizubringen, als eine “Frontalpredigt”. Gemeinde ist ja mehr als der Sonntagmorgen. […]

  12. Ich habe den Eindruck, dass Predigt ueber die Jahre auch so etwas wie ein einheitliches „Weltbilt“ in der Gemeinde schafft (vor allem, wenn nur ein Pastor/Pfarrer predigt). Selbst in unserer Gemeinde, wo viele Lainprediger sind, scheint es mir als ob nicht viel kontroverses gepredigt wird und alle Zuhoerer meistens innerlich zustimmen.
    Das wirft bei mir zwei Fragen auf:

    1. Funktioniert das wirklich, dass Menschen durch zuhoeren sich auf eine Sichtweise einigen, oder foerdert eine solche Art von Predigt oberflaechliches Uebernehmen von Meinungen?

    2. Ich denke, dass es fuer eine Gemeinschaft sehr wichtig ist, um einen gemeinsamen Standpunkt in theologischen Fragen zu ringen, und nicht einfach „nebeneinander her“ zu leben. Wenn eine Predigt das nur oberflaechlich schaffen wuerde … welche Wege habt ihr als zweckdienlich erfahren, um gemeinsam ueber Theologie nachzudenken?

  13. Hallo, meine einzige Frau postete mir den Link von diesem blog. Bin seit über 10 Jahren in der ehrenamtlichen Jugendarbeit am Start und seit 5 Jahren auch beruflich als Sozialpädagoge.
    Mir persönlich stellt sich gerade die Frage, ob ich noch mal Theologie studieren soll, dmait ich bei der „Verkündigung des Wortes“ blos nichts falsch mache. Dann wiederum treffe ich auf Theologiestundenten oder auch -absolventen und staune wie sau, was die manchmal für krasse Ansichten haben, die m.E. nicht so richtig jesusmäßig sein können.
    Um mal langsam auf das allgemeine Thema zu kommen würde ich hier beitragen wollen, dass es absolut notwendig ist, Christen in eine aktive Mündigkeit zu führen und zwar nicht über einen 5-Jahresplan mit ganz tollen Kurseinheiten, die aus der theoretischen Schreibfeder entstanden sind.
    Wenn ich mir das Leben Jesu und seine letzten 3 Jahre anschaue, die gleichzeitig die Ausbildungszeit für seine Crew war, fällt mir auf, dass die ganzen krassen Storys mitten im Alltag abgegangen sind. Daher frage ich mich seit vielen Monaten: „WARUM ERWARTEN DIE CHRISTEN IRGENDWAS COOLES IM GOTTESDIENST VON DEN PROFIS? Sie bräuchten einfach nur Gott die tatsächliche Erlaubnis geben mit ihrem Leben machen zu dürfen was er möchte und dann geht es ab! Ich habe es erlebt, wie Kranke durch ein Gebet des Glaubens gesund wurden, wie Menschen Gott in ihrem Leben aufgenommen haben, weil ich während einer Missionsreise ausgerechnet an meinem freien Tag das Evangelium mit einem Stock in den Sand gemalt habe.
    Ich denke, die Frage die hier von uns allen erstmal beantwortet werden müsste ist: „WAS ist Gemeinde?“ Danach kann man sich Gedanken machen in welchem Rahmen wir den Leuten das Bibellesen mit auf den Weg geben.
    Fetten Segen, Dave Sindhu

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