Ich glaube, dass Anlehnung an eine Autorität und Rebellion gegen eine Autorität nahe beieinanderliegen. Jedes Mal spielt das Thema Autorität eine große Rolle im Weltbild. „Die da oben“ sind sehr wichtig für die eigenen Positionierung.
Wer sich eher an klaren eigenen Lebenszielen und Grundsätzen orientiert, die aus ihm selbst gewachsen, durchdacht, erarbeitet usw. sind, für den ist das Thema Autorität nicht so interessant. Und wer sich primär an Gott orientiert, der kann das Verhältnis zu menschlichen Autoritäten entspannter angehen.
Langfristig müsste dann die Lösung sein, dass Menschen lernen, etwas Eigenes zu haben, damit sie sich nicht so sehr – positiv wie negativ – an anderen orientieren müssen. Also, im Klartext: Reifung.
Andere Idee: Freiräume, wo Leute sich auch in einer Leitungsrolle erproben können, ohne all zu viel Schaden anzurichten.
Ist natürlich alles keine große Hilfe in akuten Problemen. Da hilft wahrscheinlich nur eine reife Leitung, die die Probleme aushalten kann, sich nicht verrückt machen lässt und versucht, Leute ohne allzugroßen Schaden durch eine Reihe von Lernprozessen hindurchzubringen.
Ich würde aber bezweifeln, ob das mit Postmoderne zu tun hat. Das Verhältnis zur Autorität im Guten wie im Bösen war schon immer besonders ein deutsches Problem.
Aber schön, dass du das Thema auf den Tisch gelegt hast. Ich denke, dass da viele Gemeinden dran knacken, gerade, wenn sie alte Strukturen hinter sich lassen (die bis dahin den Umgang mit Autorität normiert hatten).