Tauschhandel

Wir kommen ja gerade aus eine Zeit in der »Geschenke« eine sehr wichtige Rolle unseres sozialen Verhaltens eingenommen hatten. Weihnachten, das ›Fest der Liebe‹ erscheint mir oft eher als ein ›Fest der Geschenke‹. Und entgegen meiner Kritik an Geschenken und schenken aus früheren Tagen ist eine Akzeptanz gegenüber der Idee des Beschenkens erwachsen.

Die einen begründen ihr Schenken damit dass an Weihnachten an die Geburt Jesu gedacht wird, durch welche die Hinwendung Gottes an uns Menschen (auch außerhalb des einst zum einzigen ›Volk Gottes‹ erwählten) deutlich wird. Diese Hinwendung wird als ein Geschenk Gottes an uns Menschen verstanden und soll in unserem Schenken auch einer Hinwendung aneinander Ausdruck verleihen.

Andere versuchen ihren Kindern die Geschichte eines Weihnachtsmannes nahe zu bringen der ihnen zu einer bestimmten Zeit des Jahres eine Unmenge Geschenke zukommen lässt. Als ich in den letzten Tagen die Thematik der Geschenke und des Schenkens bedachte ist mir eine Erklärung zum Weihnachtsmannmythos begegnet, die mich noch nachdenklicher gemacht hat. Der Mythos des Weihnachtsmannes liegt nach dieser Theorie darin begründet, dass durch die Erklärung der Schenkung eines unbekannten Dritten das Kind von der Pflicht entbunden wird das Geschenk zu erwidern. Diese Erklärung war mir neu, auch wenn sie meiner Ansicht nach etwas an der gelebten Praxis von Geschenken und schenken deutlich macht.

Meine Beobachtungen scheinen zu bestätigen, dass schenken, wie wir es meist praktizieren, eher als Tauschhandel im Gegensatz zu einer freien Zuwendung, die keiner Gegenreaktion bedarf, verstanden werden kann. Der Beschenkte erhält in diesem Tauschhandel kein Geschenk, sondern steht beim Schenkenden in der Schuld. Diese ‚Schuld‘ besteht mindestens in der Verpflichtung sich zu bedanken und (zu einem späteren Zeitpunkt) ein Gegengeschenk zu machen. (an diesem Punkt leuchtet der Mythos des Weihnachtsmannes ein). Die Details über die Gleichwertigkeit des Gegengeschenkes usw. erspare ich mir hier. Der Schenkende, dem durch die freie Zuwendung ein Mangel entstehen könnte, hat durch sein Schenken jedoch in seinem Ruf als großzügiger Mensch zugenommen. Er hat also anstatt etwas weniger zu haben mehr bekommen. Schenken kann in diesen Zusammenhängen als Tauschhandel verstanden werden und hat es mit ‚Schuld‘ und ‚Zurückzahlen‘ zu tun.

Diese Gedanken zu Geschenken möchte ich in nächster Zeit noch etwas fortführen [je nachdem was die Zeit erlaubt], da es, wie die Verbindung aus Weihnachten und Schenken bereits andeutet, meiner Ansicht nach auch einige Auswirkungen auf unser Verständnis der Hinwendung Gottes an uns Menschen hat.

3 Reaktionen

  1. Interessante Gedanken, Daniel.

    Vor allem die Beziehung schwischen Geschenk und Schuld scheint verstärkt auch im Süden Deutschlands wiedergefunden zu werden.

    Fraglich empfinde ich von einem pädagogischen Standpunkt „Wunschzettel“, mit welchen meiner Meinung nach bei Kindern ungesunde Erwartungshaltungen geprägt werden. Je nach gesundheitszustand des sozialen Systems in der Familie kann man als Betrachter auch hin und wieder abwägen, wie die Laune des Kindes sein wird, wenn seine Erwartungen erfüllt werden oder nicht – dabei werden Eltern eher schwach und geben dem Druck, den Familienfrieden zu riskieren nach…

    Dabei frage ich mich, ob es für mich Sinn machen würde, Wunschzettel grundsätzlich nichtzu unterstützen, oder ob es auch da eine gesunde Form dessen geben kann…

    Kindern diesen Spagat zwischen Wunsch(der erfüllt werden KANN) und Erwartungen (die eine Konzequenz nach sich ziehen, wenn der Wunsch nicht erfüllt wurde)zu verdeutlichen scheint eine wichtige Aufgabe zu sein – für mich. …

  2. @martin: finde den gedanken der wunschzettel bzw. der wünsche auch sehr interessant – darüber hatte ich gar nicht nachgedacht.

    @ peter: kann gut sein, dass du herrn derrida heraushörst :) habe von ihm in letzter zeit so einiges gelesen unter anderem auch gedanken zu geschenken, dazu in einem weiteren post mal noch mehr…

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