Trinität kulturell gedacht

In diesem Eintrag möchte ich einige Gedanken zur Trinität aufgreifen denen ich bei Leonardo Boff begegnet bin. Gott als einen Dreieinigen Gott zu denken hat in der christlichen Kirche eine lange Tradition und hat, meiner Ansicht nach zurecht, eine wichtige Stellung innerhalb der Theologie. In diesem Zusammenhang werde ich nicht müde zu erwähnen, dass der Begriff »Dreieinigkeit« so nicht in der Bibel vorkommt und daher ganz Offensichtlich zur erklärenden und interpretierenden Tradition der Kirche gehört. Wie ich bereits erwähnt habe gehe ich jedoch davon aus, dass es sich bei der Annahme eines »dreieinigen oder dreifaltigen Gottes« um eine gute und richtige Interpretation dessen handelt wie Gott sich uns offenbart. Nun kann die Rede über die Dreieinigkeit sehr gut als Beispiel dafür genommen werden welchen Einfluss die umgebende Kultur auf die Theologie hat – und wie sich kontextuelle Theologie ereignen kann.

Leonardo Boff spricht in seinem Buch »Der dreieine Gott« an einer Stelle von drei Möglichen Akzentuierungen in der Rede über die Trinität. Diese drei Akzentuierungen stellt er im Zusammenhang mit kulturellen Strömungen dar die unterschiedliche Aspekte stärker betonten und dadurch eben zu einer Akzentuierung innerhalb der Theologie geführt haben.

Betonung der Einheit
In einer Kultur die vom Polytheismus geprägt ist kommt es nach Ansicht Boffs zu einer Betonung der Einheit Gottes. Würde in einem solchen Milieu zuerst von der Dreifaltigkeit Gottes geredet und diese besonders stark betont, könnte es zur Annahme von drei Gottheiten anstelle eines Dreieinigen Gottes kommen. Diese Akzentuierung nimmt er in der Zeit des Römerreiches in der lateinischen Theologie war. In einer solchen Umgebung wird von einer Konzentration auf die Einheit Gottes ausgegangen woran sich dann erst die Reflexion der Verschiedenheit der Personen anschließt.

Betonung der Verschiedenheit
Findet man sich dagegen in einer Kultur wieder in der ein strikter Monotheismus gelehrt wird, findet eine Betonung der Verschiedenheit der Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) statt. In der Zeit der griechischen Denker die sich gegen Arianismus und Modalismus wandten findet sich ein derart strikter Monotheismus der zur Leugnung der Gottheit Jesu Christi führte. In einer solchen Situation ist nach Boff auf die Dreifaltigkeit und damit auf die drei Personen zu beharren. Ausgehend von der Verschiedenheit kommt man schließlich zur Einheit und widersteht so den Irrtümern eines starren Monarchismus, in dem es keinen Platz für die Dreifaltigkeit gibt.

Betonung der Gemeinschaft
Die Beziehung zwischen den Personen der Trinität soll in einer Situation die von Individualismus geprägt ist betont werden. In„ausschließenden Gesellschaften kapitalistischer Produktionsweise“ fehlt es zwischen den Menschen an Gemeinschaft und Solidarität, daher wird der Akzent innerhalb der Trinitätslehre weder auf den einen Gott noch auf die Dreiheit gerichtet, es tritt vielmehr die Beziehung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese Betrachtung der Beziehung der Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) zueinander wird meist mit dem Begriff ›Perichorese‹ bezeichnet. Dieser Akzent bildet die Grundlage von Boffs Trinitätslehre. Er führt ihn folgendermaßen aus: „betont werden soll die Gemeinschaft als erstes und fundamentales Prinzip in Gott und in allen Wesen, die nach dem Bild und Gleichnis der dreifaltigen Beziehung geschaffen sind.“ (Leonardo Boff, Der dreieine Gott, 95f.)

An diesen kurzen Darstellungen verschiedener Akzentuierungen der Trinitätslehre kann meiner Ansicht nach sehr gut nachvollzogen werden was es mit kontextueller Theologie auf sich hat. Ich teile ebenfalls mit Boff die Annahme, dass in unserer Zeit die Betonung der Gemeinschaft innerhalb der Trinität sehr wichtig ist und uns dabei helfen kann, sowohl hinsichtlich unseres Gottesbildes, jedoch auch mit Blick auf unsere Gemeinschaften und unseren Umgang mit unserem Umfeld etwas Korrektur zu erfahren.

3 Reaktionen

  1. Und es ist interessant, dass es die Einheit der Eine Gott reicht, für die Vielheit aber eine Zweiheit, wie der logische Schritt wäre, nicht ausreicht, sondern zur drei gegangen werden muss. Interessant: Eins ist immer zufrieden, Zwei immer im Krieg oder in der Liebe und bei Drei passt gar nichts mehr: Man kann es immer nur falsch machen, der Mensch ist rein physiologisch und in all seinem Denken aud Dualität oder Dialektik auf die Zwei ausgelegt. Wenn er Drei Denken muss, setzt er immer falsche Akzente, der Dritte, Vergessene bricht jederzeit in sein Denken. – So bleibt da Bewegung drin. :) Ich würde also kulturell nicht erst phylogenetisch anfangen, sondern ganz materialistisch-ontologisch denken.

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