Erst gestern sah ich im Fernsehen einen Bericht über das Thema Ernährung und Landwirtschaft(en) in Indien und (Bio)Landwirtschaften hierzulande. Da wurde gezeigt, wie hier und dort Landwirtschaft betrieben wird. Es wurde Gutes hier und dort gezeigt und die Bauern auf beiden Seiten befragt. Ich fand erstaunlich, dass sogar das Arbeiten auf einem (für unsere Augen vorbildlichen) Demeterhof nicht auf uneingeschränkte Zustimmung der Bauern aus Indien gestossen ist. Und schon war man mitten drin im Thema »Produktion von Lebensmittel« und »Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit«. Ich werde beim Ansehen von solchen Berichten meistens relativ schnell sehr ruhig und auch ein wenig ratlos. Es dauert gemeinhin nicht lange, bis jemand anfängt, auf die grossen Discounter zu schimpfen, die ihre Marktmacht missbrauchen. Bitte, ich möchte nicht falsch verstanden werden, denn unstrittig nutzen die ihre Marktmacht. Die Frage, die sich mir stellt ist die nach der Berechtigung von höheren Endpreisen für den Kunden. Ich denke dann immer schnell an manche Freunde, die schon heute jeden Cent mehrfach umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. Ich denke an das Märchen, dass »Bio« nicht teurer ist und auch »fair« gehandelte Lebensmittel. Die Absichten gerade hinter diesen beiden Stichworten sind sicher richtig und ehrenwert.. und doch würden sie für manchen meiner Freunde bedeuten, dass sie sich nur noch sehr einseitig ernähren könnten, wenn sie denn diese Produkte kaufen würden. Sie würden auch auf Vielfalt verzichten und damit Lebensqualität. Und spätestens an dieser Stelle fühle ich mich sehr schlecht: soll ich Menschen, die ohnehin ein schweres Leben haben und an etlichen Stellen keine Wahl, sollen ich denen jetzt noch moralisch kommen und verlangen, sie sollen sich um eine bessere Welt bemühen, während sich niemand darum kümmert, das sie selber auch eine Chance bekommen, in einer besseren Welt leben zu dürfen?

Wo ist der Anfang? Wo der Weg?

Wie bekomme ich solche sehr unterschiedlichen Dinge zusammen? Es gelingt mir nicht, sondern macht mich — wie schon oben gesagt — sehr schnell stumm. Keine Frage: eine gerechte Gesellschaft ist unbedingt ein erstebenswertes Ziel! Und wenn mam mich fragen würde, wie man ein solches Pojekt anfangen würde, dann würde ich dafür sein, dass man zunächst mal dafür sorgt, dass wieder alle Menschen, die mit mir in diesem Land leben, überhaupt wieder eine Wahl haben, wenn sie im Laden stehen oder das sie eine Wahl haben, wo und wie sie leben wollen. Das wäre mein Anfang ..

Auf ein Wort: Günter Wallraff

Günter Wallraff ist ein verdienter Journalist und Mensch. Dennoch krampft sich bei mir etwas zusammen, wenn ich ihn in Diskussionen erlebe. Er hat offenbar soviel gesehen und erlebt, dass er in seinen Vorderungen und Ansichten so krass geworden ist, dass ich für mich sage, dass ich damit nicht klarkomme, denn: jede Handlung und jede Veränderung muss auch bezahlt werden. Und schliesslich haben wir in unserer Gesellschaft — wie oben angesprochen — viele Probleme. Wem sollte man also Geld wegnehmen und wem geben? Klar, ich würde einseitige Subventionen an die ohnehin reiche Industrie streichen und würde allgemein vollkommen neu nachdenken, für was der Staat Geld ausgeben soll und für was nicht. Dennoch, auch am Ende einer vollkommen neuen Ausrichtung der Finanzen wäre es nicht möglich, sofort alles anzufangen. Im Übrigen wäre das auch gar nicht gut. Alles auf einmal ändern bewirkt oft mehr Schlechtes als Gutes. Man müsste Schritt für Schritt vorgehen und vor allem müsste man bei allen Änderungen nach einer gewissen Zeit schauen, ob denn die voregnommenen Veränderungen auch überhaupt bewirken, was sie bewirken sollen.

Fazit

Ich glaube fest an die Utopie einer gerechteren Gesellschaft. Ich glaube aber auch, dass der Weg dorthin lang ist und steinig.