Dinge geregelt kriegen I

Dinge geregelt kriegenHeute habe ich damit begonnen das aktuelle Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo zu lesen. Das Buch trägt den wunderbaren Titel ›Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin‹. Nach allem was ich über das Buch bisher durch die Tweets der Autoren, das Blog zum Buch und die Erzählungen von Johannes gehört hatte, war klar dass ich es lesen musste. Ich lese dieses Buch zum einen um mich selbst und meine Art zu arbeiten etwas besser zu verstehen – und betrachte es in dieser Weise auch als eine Art „Therapie.“

Die beiden Autoren haben dieses Buch nach eigener Aussage aus Notwehr geschrieben und um eine Stimme all der Menschen zu sein, die zwischen den verhärteten Fronten der überfleißigen Arbeitstiere und der alles ablehnenden Faulenzer leben. Sie haben dieses Buch für Menschen wie mich geschrieben, die einiges versucht haben und immer noch nicht nach den Maßstäben der Produktivitätsratgeber ihre Dinge geregelt kriegen. To-Do-Listen zu schreiben und diese minutiös einzuhalten gehört nicht zu meinen Stärken. Am Ende des Tages (oder der zunächst gesetzten Frist, natürlich immer mit Puffer) ist so vieles der Liste noch zu tun, dafür sind einige andere Sachen erledigt. Wie aber soll das Buch helfen die Dinge geregelt zu kriegen ohne die unterschiedlichen Ratschläge zwanghaft einzuüben, dazu schreiben die beiden in der Einleitung:

„Wir wollen einen neuen Standpunkt entwickeln, der das Wort Selbstdisziplin aus dem eigenen Wortschatz so weit wie irgend möglich verbannt. (…) Kurzum, wir wollen das Leben so organisieren, dass man das Leben nicht mehr organisieren muss. Das realistische Minimalziel ist, dass Sie dieses Buch lesen, in ihrem Leben nichts ändern, sich damit aber besser fühlen als vorher.“ (8f.)

Im ersten Teil des Buches, der sinniger Weise AUFTAKT heißt, schreiben die beiden über Prokrastination. Dabei definieren sie das Wort zunächst von seinem Ursprung her:

„Sie prokrastinieren, ein angenehmeres Wort für Aufschieben. «Cras» (morgen) ist die Wurzel des lateinischen Wortes crastinus (dem morgigen Tag zugehörig). «Prokrastinieren» (im Englischen erstmals 1588 erwähnt) bedeutet also wörtlich übersetzt: für morgen lassen.“
(14)

Die Menschen die dringende Aufgaben aufschieben, nennen sie LOBOs, Menschen die dem Lifestyle Of Bad Organisation anhängen, oder besser ausgedrückt, denen dieser Lebensstil anhängt. Im erste Teil dieses Buches geht es zunächst grundlegend um diese Art zu Leben und zu Arbeiten. Es werden unterschiedliche „Erkenntnisse“ der Wissenschaft präsentiert mit denen Erklärungen gesucht werden wie es bei Menschen zu einem solchen Verhalten kommt. Auf Grund der unterschiedlichen Erklärungsversuche kommen die Autoren zu der Aussage, dass es bisher noch keinen Konsens über die Gründe von Prokrastination gibt. Die Vorstellung von fünf wirkungslosen Methoden gegen das Aufschieben bildet die Überleitung zum Kapitel über den äußeren Schweinehund. In diesem Kapitel werden unterschiedliche Herausforderungen thematisiert mit denen wir uns in unserem Alltag ständig konfrontiert sehen. Die Aufgabe der LOBOs in diesen Herausforderungen sehen sie darin, dass er sich eine Umgebung sucht und schafft, die so gut wie möglich zu seinen Fähigkeiten passt.

Im nächsten Kapitel gehen sie auf das schlechte Gewissen ein, dass so gut wie jeder LOBO kennt. In der Annahme alle anderen kämen mit den Herausforderungen des Alltags prächtig zurecht und der Erwartungshaltung ständig Höchstleistungen zu bringen, schaffen sie sich ihr schlechtes Gewissen, das in manchen Fällen zu weiterem Aufschieben führen kann. In diesem Kapitel steckt wohl einer der Kerngedanken des Buches, der bereits in der Einleitung zur Sprache kam – es geht den beiden darum die eigene Haltung zu Menschen und Dingen zu ändern.

„Auch ganz ohne die Gesellschaft und ihre Umstände ist es normal, Aufgaben vor sich herzuschieben, Arbeiten nicht in kürzester Zeit zu erledigen und vieles einfach zu ignorieren. Das ist keine Resignation oder Kapitulation vor der Welt, sondern im Gegenteil für viele Menschen die einzige Möglichkeit, überhaupt zu kämpfen – nämlich nicht an allen Fronten gleichzeitig.“ (46)

„Die Antwort liegt im einzigen Schritt, seine Haltung zu ändern: Nicht ich bin unzulänglich, die Welt ist ungünstig eingerichtet und falsch gewartet. Noch dazu bin ich mit dieser Problematik alles andere als allein. Aus dieser Einstellung heraus ergeben sich andere Prioritäten, es empfehlen sich andere Handlungsweisen.“ (46f.)

„Das Ziel sollte sein, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun und davon nur so viel wie unbedingt nötig – und das ist in den meisten Fällen weniger, als man annimmt.“ (48)

Die Abschaffung des schlechten Gewissens ist der wesentliche Bestandteil der von Kathrin Passig und Sascha Lobo vorgeschlagenen Haltungsänderung. Damit geht natürlich auch eine Infragestellung der westlichen Arbeitsmoral einher, auf die im folgenden Teil des Buches eingegangen wird. Dazu werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr schreiben und beende diesen Eintrag mit einer von fünf vorgeschlagenen Übungen:

5. Den perfekten Mord planen, dann kurz vor der Ausführung darauf verzichten. Darüber nachdenkenm dass Untätigkeit Leben retten kann. (53 / 6 einfache Übungen auf dem Blog)

Den Artikel von Kathrin Passig in ZEIT-Campus empfehle ich all denen zur Lektüre die sich noch nicht entschieden haben, ob das Buch etwas für sie ist, oder ob Prokrastination etwas mit ihrem Leben zu tun hat.

5 Kommentare

  1. Danke für die Empfehlung. Nachdem ich deinen Artikel gescannt habe überlege ich mir schon wieder ob das ein buch ist, dass ich schaffe durchzulesen? Ist es überhaupt ziel des buchs es bis zu ende zu lesen, oder kann man das vor si

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