Jahreszahlen in der Geschichte

In dem Buch ›The Great Emergence: How Christianity Is Changing and Why‹ von Phyllis Tickle bin ich eben über eine Aussage zu genauen Jahreszahlen in der Geschichte gestossen, die ich zum einen sehr gut nachvollziehen kann, die auf der anderen Seite jedoch auch meiner Unfähigkeit Jahreszahlen zu behalten entgegenkommt.

In ihrem ersten Kapitel in dem sie über große Veränderungen in der kirchlichen Landschaft circa alle 500 Jahre schreibt, merkt sie an, dass die Zuordnung von Jahrezahlen zu geschichtlichen Ereignissen ein stärkeres Zeichen für Bequemlichkeit sind als für Genauigkeit. Ein Datum gaukelt uns vor, dass wir eine Sache im Griff haben, egal ob es tatsächlich so ist, oder nicht. Im Zusammenhang dieser Aussagen weist sie auf die prozesshaften Entwicklungen hin, die in den seltensten Fällen an einem genauen Datum festgemacht werden können. Um die Geschichte für uns nachvollziehbar und vielleicht auch nur lern- und beherrschbar zu machen, nehmen wir bestimmte Ereignisse (wie z.B. den umstrittenen Anschlag der 95 Thesen) zu dem Datum an dem etwas stattgefunden hat (im Beispiel die Reformation). Dabei stehen wir jedoch in der Gefahr den Prozess aus den Augen zu verlieren und gegebenenfalls falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.

Mir ist bewusst, dass es denkbar schwieriger ist Prüfungen in Geschichte abzunehmen, wenn es mehr um Prozesse als um Jahreszahlen ginge. Vielleicht wäre dies jedoch ein ehrlicher Weg mit der Geschichte (auch der eigenen) umzugehen.

2 Reaktionen

  1. Das Buch soll sehr gut sein, wie mir DoSi bestätigte, der es bereits komplett gelesen hat – ich bin bisher noch nicht über das zweite Kapitel hinaus gekommen…

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