Dinge geregelt kriegen II-a

Mit diesem Eintag möchte ich die zweite Hälfte des zweiten Teils des Buches ›Ding geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin‹ von Sascha Lobo und Kathrin Passig behandeln. Das a hier steht aber auch sofort für den »Anfang vom Ende«, da dieser Eintrag der letzte in dieser Reihe sein wird. Wahrscheinlich haben mittlerweile die Meisten das Buch selbst vorliegen und lesen es daher am Stück. Ich werde, sofern ich es geregelt bekomme noch auf einige Aspekte aus dem Buch eingehen, die mich inspiriert haben, eine derart großflächige Behandlung der Teile wird es jedoch nicht weiter geben – schließlich wohnt jedem Ende ein Zauber inne.

Da Kathrin Passig freundlicherweise auf meine serviceorientierten Zusammenfassungen hingewisesn hat, möchte ich auf das Blog zum Buch an dieser Stelle noch ausdrücklich hinweisen. Unter Prokrastination.com finden sich eine ganze Reihe interessanter Hinweise, Ergänzungen zum Buch, Zitate und was es eben aus dem Umfeld der Autoren zu erzählen gibt.

Prokrastination wird immer wieder mit Zeitverschwendung gleichgesetzt. In ihrer Mission das schlechte Gewissen derer zu lindern die prokrastinieren schreiben Kathrin Passig und Sascha Lobo in dem Kapitel Schnarfen und Golken über Zeitverschwendung. Dieses Unterfangen beginnen sie mit einer Einschränkung dessen was als Zeitverschwendung angesehen werden kann und beziehen sich dabei auf die unkonventionelle Enzyklopädie ›h2g2‹. In dieser benutzergenerierten Online-Enzyklopädie findet sich ein Eintrag zur ›Kunst der effizienten Zeitverschwendung‹, darin wird beschrieben, dass viele Tätigkeiten zu unrecht als Zeitverschwendung angesehen werden, eine Tätigkeit kann nur dann als Zeitverschwendung angesehen werden, wenn sich daraus keinerlei persönlicher, spiriitueller, sozialer oder spiritueller Nutzen ziehen lässt. Im englischen Original hört sich das so an:

In order to consider a certain amount of time as wasted, the primary factor is that no personal, spiritual, social or material is benefited at all. This means that a lot of activities are wrongly regarded as a waste of time. In fact, almost everything you do can be useful one way or another.

(Quelle: h2g2 – The Art of Efficient Time-wasting)

Mit dieser Einschränkung im Hintergrund kann kaum etwas als pure Zeitverschwendung angesehen werden und man muss sich regelrecht anstrengen aus den Tätigkeiten die man tagtäglich ausübt keinerlei Nutzen zu ziehen. Im weiteren Verlauf des Kapitels ermutigen die Autoren dazu die Chancen und Möglichkeiten des alltäglichen Lebens zu achten und es entsprechend der eigenen Interessen zu gestalten. Auch an dieser Stelle finden sich augenzwinkernde Seitenhiebe auf die allgegenwärtige Produktivitätsliteratur a la ›Simplify Your Life‹.

Eine Lobeshymne auf den richtige Zeitpunkt wird im Kapitel Heute jedoch nicht angestimmt. Es gibt für jede Tätigkeit einen richtigen Zeitpunkt, ist die Annahme die diesem Kapitel zu Grunde liegt, egal ob es sich dabei um eine kreative Tätigkeit mit Weltgeltungsabsicht oder um das Tapezieren des Flurs handelt. Während in unserer Kultur das Warten auf den richtigen Zeitpunkt argwöhnisch betrachtet wird, gibt es in anderen Kulturen ein tiefes Verständnis dafür.

Einige Tipps zur Annäherung an den richtigen Zeitpunkt werden gegeben. In gewohnt schelmischer Art wird dabei der Dogmatismus der Philosophie des richtigen Zeitpunkts ad absurdum geführt. Den richtigen Zeitpunkt – oder zumindest keinen ganz falschen – zu erwischen wird zum Beispiel durch das Setzen einer Deadline unterstützt. Es wird darüber hinaus empfohlen sich der Aufgabe in einer Weise anzunähern die sich am Umkreisen der Beute eines Raubvogels ein Beispiel nimmt. Immer wieder wird die Aufgabe gedanklich umkreist, bis man schließlich zu dem Punkt kommt an dem man sie einfach – und zugleich gut vorbereitet – aufnimmt.

Die Möglichkeit Tätigkeiten zu lassen, einfach weil es möglich ist und nicht weil sie besonders unangenehm oder überflüssig wären ist die Anregung des Kapitels ›Liegen und liegen lassen
– Vom Nutzen des Nichtstuns‹
. Die 10 Dinge, die man ohne schlechtes Gewissen unterlassen kann vom Ende des Kapitels möchte ich hier kurz erwähnen:

1. Überflüssige Versicherungen abschließen.
2. Dateien auf dem Computer ordnen.
3. Täglich das Aktienportfolio kontrollieren.
4. Zum Arzt gehen.
5. Ins Fitnessstudio gehen.
6. Geschirr abtrocknen.
7. Selbstmord begehen.
8. Ein Testament machen.
9. Rasen vertikulieren. Sowei alle anderen Tätigkeiten, die mit «Rasen…» anfangen.
10. Laub mit dem Gebläse anderswohin blasen.

In folgenden Kapitel schreiben Passig und Lobo darüber, dass man nicht unbedingt mehr geregelt bekommt wenn man länger arbeitet. Der Untertitel „Weniger Arbeiten ist mehr arbeiten“ deutet die Aussage des Kapitels hin. Unter anderem zitieren sie in diesem Kapitel Neil Fiores »The Now Habit« einen Rat Fiores an Menschen die ihre Arbeitszeit frei einteilen können. Nach Fiore sollten diese Menschen nicht mehr als 15 Arbeitsstunden pro Woche einplanen. Werde eine hohe Wochenarbeitszeit eingeplant sei die Wahrscheinlichkeit zur Prokrastination um einiges höher, da die Person angesichts der großen vor ihr liegenden Zeitmenge dazu neige zunächst einmal anderen Beschäftigungen als der eigentlichen Aufgabe nachzugehen. Dagegen sei eine realistische Sicht der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit ungemein hilfreich. Alle möglichen Termine und Verpflichtungen sollen aufgeführt werden, um auf diese Weise einen Eindruck der realistischen Arbeitszeit zu bekommen. Fiore rät des Weiteren dazu kurze Arbeitsblöcke von nicht mehr als 30 Minuten zu planen. Mit diesem Trick hofft Fiore die Person zu mehr Arbeit zu verführen als eigentlich geplant ist.

In Halbe Kraft voraus – Energiesparendes Arbeiten schreiben sie für eine entspannte Haltung gegenüber den zu bewältigenden Aufgaben. Eine all zu perfektionistische Sicht führt ihrer Meinung nach selten zu den gewünschten Ergebnissen. Sie empfehlen dagegen in Anlehnung an das Paretoprinzip (20/80) den Aufwand in Relation zum Ergebnis zu setzen. Das Paretoprinzip spricht davon, dass man in 20% der Zeit 80% der Arbeit verrichtet. Ihrer Meinung bewahrheitet sich dieses Prinzip auch dadurch, dass man unter Zeitdruck besser arbeitet, und daher bei näherkommender Deadline besser wird. Wenn man ein Projekt von Anfang an realitisch und locker angeht, dann fällt es einem bei erhöhtem Druck leichter die interessanten Exkurse zu vermeiden, da keine Zeit dafür bleibt. Am Anfang des Kapitels erzählen sie von Bernd Vogel, der sein theologisches Examen mit einem gut eingeprägten Lutherzitat bestand und dabei noch jede Menge Zeit hatte den Sommer am Baggersee zu genießen.

Aus dem letzten Kapitel dieses Teils mit dem Titel ›Jedem Ende wohnt ein Zauber inne
– Aufgeben – der schnelle Weg zum Sieg‹
möchte ich ein Zitat anführen:

«Was ich angefangen habe, das bringe ich auch zu Ende.» Dieser Satz aus dem Standardrepertoire von Persönlichkeitstests ist ein Bekenntnis, das den scheinbar erfolgreichen, durchsetzungsstarken und zuverlässigen Lebensteilnehmer auszeichnet. Wenn man den Satz in seiner dummen Absolutheit etwas variiert, wirkt er bedeutend weniger beeindruckend: «Auch völlig bescheuerte, energieraubende und ertraglose Projekte, die ich angefangen habe, bringe ich zu Ende.» Befeuert von der Selbstdisziplin, trainiert man sich ein Durchhaltevermögen an, das einem vor allem hilft, alle Warnzeichen für falsche Tätigkeiten zu ignorieren oder gar nicht erst zu bemerken. Es bildet sich schließlich eine unangenehme Hornhaut im Kopf — genau über dem Teil des Hirns, der uns auf dem richtigen Weg lenken oder zumindest vom völlig falschen Weg abbringen sollte.

(124f.)

Hiermit endet mein längerer Eintrag zum zweiten Teil des Buches »Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin« von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Wie bereits zu Anfang angekündigt wird es keine weiteren Artikel mehr hier geben die das Buch großflächig betrachten. Wenn ich es geregelt bekomme werde ich noch den ein oder anderen Aspekt ansprechen der mich bei der Lektüre des weiteren Buches inspirierte hat.

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