Abraham unterhält sich

Heute Vormittag sprachen wir in einem gemütlichen Treffen unserer kleinen Hausgemeinschaft über den Predigttext der evangelischen Landeskirchen. Wie meistens weiteten wir die Versauswahl etwas aus und lasen demnach die Verse 16 – 33 in 1. Mose 18.

Eine Unterhaltung zwischen Abraham und Gott (dem HERRN) wird in diesem Abschnitt erzählt. Es beginnt damit, dass der Herr darüber nachdenkt Abraham in seine Pläne mit Sodom einzuweihen, was er dann im weiteren Verlauf tut. Mit den Plänen konfrontiert beginnt Abraham mit Gott darüber zu verhandeln seine Pläne zu revidieren und die Stadt zu begnadigen.

Es gäbe viel über diese Begebenheit, diesen Text und auch über unsere Gespräche darüber zu schreiben – ein Aspekt daraus erscheint mir jedoch besonderer Erwähnung wert. An dem Thema des Gesprächs zwischen Abraham und Gott hielten wir uns die meiste Zeit auf. Begonnen mit der Überlegung Gottes seine Pläne mit Abraham zu teilen, und der angemessenen Beharrlichkeit Abrahams – bis Gott sich schließlich aus der Unterhaltung zurückzieht.

In diese Unterhaltung brachte Johannes einen Gedanken von Leonard Sweet ein, den wir vor einiger Zeit in seinem Buch »Out of the Question … into the Mytsery« gelesen hatten. Sweet widmet das zweite Kapitel des Buches der Beziehung zwischen Abraham und Gott. In dieser Auseinandersetzung wertet er die in unserem Text erzählte Begebenheit als einen sehr wichtigen, wenn nicht gar essentiellen Bestandteil einer dialogischen Beziehung zu Gott. Diese dialogische Gottesbeziehung kontrastiert er mit Genesis 22 wo die tragische Begebenheit erzählt wird in der Abraham sich auf den Weg macht seinen Sohn Isaak auf einem Berg Gott zu opfern. Sweet deutet diese Begebenheit als einen großen Bruch in der dialogischen Beziehung zwischen Abraham und Gott. Der Text legt nahe, dass Abraham während der gesamten Zeit nicht in einer ähnlichen Weise mit Gott verhandelt wie dies in Gen 18 berichtet ist – er senkt seinen Blick, zieht sich in sich zurück und folgt (scheinbar) gehorsam der Forderung Gottes.

Leonard Sweet sieht, übereinstimmend mit einer jüdischen Auslegungstradition, in der Geschichte von Genesis 22, eine zweifache Prüfung, bei der es um eine vertiefung der Beziehung zwischen Gott und Abraham gehe. Seiner Ansicht nach handelt es sich zum einen um eine „Gehorsamsprüfung“ in der es Gott darum gehe Abrahams Haltung ihm gegenüber zu prüfen und zu vertiefen. Neben diesem Aspekt gehe es bei der Prüfung jedoch auch um einen so genannten Essayteil, in dem Gott sich eine Auseinandersetzung zwischen Abraham und ihm über die Forderung wünscht. Diese Auseinandersetzung habe Abraham dann nicht gesucht und habe dadurch der dialogischen Beziehung zwischen ihm und Gott erheblichen Schaden zugefügt.

Diesen Gedanken lohnt es sich weiter nach zu gehen…

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Hier noch der Link zum erwähnten Buch, das sich sehr zu lesen lohnt.

"Out of the Question…Into the Mystery: Getting Lost in the Godlife Relationship" (Leonard Sweet)

1 Reaktion

  1. Interessanter Gedanke mit der Querverbindung. Das fällt mir immer wieder auf, dass unsere Perikopenordnung es nicht gerade nahe legt, diese Querverbindung von Geschichten, die zum Teil sehr nahe beieinander stehen, zu suchen und zu finden. Letzte Woche habe ich über 1. Joh gepredigt, diese Woche eben über diesen Text.

    Ich bin in der Predigt dem Gedanken nachgegangen, warum das Gespräch ausgerechnet bei den 10 Gerechten abbricht und inwiefern die Zeit für den einen Gerechten, der für die Ungerechtigkeit der anderen aufkommt, noch nicht gekommen war.

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