Gedankensplitter Gleichberechtigung

Immer wieder wenn ich an meiner Tastatur sitze und den ein oder anderen Text im weißen Fenster eines Editors erscheinen sehe mache ich mir Gedanken über eine gerechte Sprache – eine Sprache, die frei ist von den Ungleichheiten, der Ungerechtigkeit und Sexismus. Wie aber schreiben?

Welche Schreibweise bietet sich an? Ich sehe folgende Möglichkeiten:

– weiter wie bisher, mit etwas bedacht schreiben aber ohne besondere Wortwahl (das ist ja keine Alternative im Wortsinn, dennoch evtl. eine Möglichkeit),

– bewusstes Gegengewicht: alle aus der Gewohnheit maskulin ausgedrückten Allgemeinbegriffe in femininer Form wiedergeben,

– die doppelte Form: jede allgemeine Äusserung sowohl in femininer als auch maskuliner Form angeben (Stichwort: das große I).

Wie habt ihr euch entschieden? Was denkt ihr zu einem gerechten Sprachgebrauch?

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Da es sich bei Gleichberechtigung um ein äußerst komplexes Thema handelt und ich weder die Zeit und den Kopf habe das ordentlich auszuführen, und darüber hinaus das Blog evtl. nicht das am Besten geeignete Medium ist ein solch komplexes Thema in angebrachter Konkretion zu betrachten, habe ich mich entschieden ›Gedankensplitter‹ darüber zu schreiben, die ich mir als Gesprächsgrundlage vorstelle.

8 Reaktionen

  1. mir ist das wurscht. ich sage auch, dass ich grafiker bin und andy krankenschwester.
    bewusstes gegengewicht finde ich nicht so prima, und die doppelte form liest sich oft holprig, grade, wenn man(n)/frau gerne satzzeichen(innen) benutzt.

  2. Finde es auch nicht einfach.
    Tendiere am meisten noch zu Variante 1. 2 finde ich nur manchmal sinnvoll. Und bei 3 gefällt mir optisch höchstens die xyz_innen Form. Hmm. Weiß nicht.

  3. Ich bin für 1). Warum muss man Sprache umständlicher machen, als sie schon ist? Das generische Maskulinum hat sich eingebürgert. Bei 2) geht die Zuhörerin davon aus, dass es sich nur um Frauen handelt und 3) kann man nicht aussprechen bzw. nur in der langen Form und stört den Lese/Redefluss. Würde ich nur verwenden, wenn es besonders betont werden soll.

    Kennst du eine Frau, die sich durch das generische Maskulinum diskriminiert fühlt?

  4. Ich finde die Diskussion über eine gerechte Sprache häufig etwas überzogen. Man kann sich so herrlich intellektuell daran ergötzen. Was ist aber mit der konkreten Tat? Wie schaffe ich es im tätglichen Umgang mit meiner Frau, meinen Arbeitskolleginnen einen gerechten Umgang zu pflegen? Wer macht den Kaffee, wer putzt das Klo? Es gibt tausend kleiner Dinge, die es zu hinterfragen gibt. Die Sprache ist da nur ein Teil und der wird aus meiner Sicht dann etwas überhöht.

  5. bei diesem thema kreuzen sich bei mir zwei gedankenrichtungen und bisher habe ich sie nicht versöhnen können. ja, inkludierende sprache kann ein weg sein, denn sprache hat macht, auch über den der spricht. wenn wir ausschließlich maskuline termini verwenden, kann das sexistische denkstrukturen fördern und verfestigen.
    andererseits kann das schreiben der „richtigen“ form auch schnell zu einem reinen spiel werden, das sich darin ergötzt, die möglichst umfassendste form zu finden. wenn dies zu einem surrogat im derridaschen sinne wird, behindert gerechte sprache tendenziell sogar die beseitigung real existierender sexistischer strukturen.

  6. für mich ist die auseinandersetzung mit einer gerechten sprache vor allem ein ausdruck einer gesamten haltung.

    ich nannte den eintrag bewusst gedankensplitter, da er sich meiner ansicht nach in einen größeren zusammenhang einordnen muss… deswegen auch bald weitere splitter.

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