Gemeinsam Leiten – Teil 1

In meinem Eintrag »Die Bedeutung des Netzwerks« habe ich etwas über meine Gedanken zu Leitung in Gemeinschaften geschrieben. Dieses Thema scheint nach wie vor von Bedeutung zu sein, und so haben einige am Dialog teilgenommen der sich im Anschluss an den Eintrag entwickelte. Mich beschäftigt dieses Thema ebenfalls nach wie vor – und zwar nicht nur auf einer abstrakten Ebene in der praktischen Auseinandersetzung mit Gedanken und Theorien, sondern in gleicher Weise im Leben der Gemeinschaft vor Ort und darüber hinaus in anderen Netzwerken und Organisationen in denen ich mich bewege. Aus diesem Grund möchte ich auch noch mehr darüber schreiben welche Fragen ich mir stelle und was ich zu diesem Thema so vor die Augen bekomme.

Heute möchte ich etwas über das Kapitel »Leading as a Body« aus dem Buch »Emerging Churches: Creating Christian Communities in Postmodern Cultures« von Eddie Gibbs und Ryan Bolger schreiben.

Gibbs und Bolger beginnen das Kapitel mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Verkörperung des „Reiches Gottes“ in den Gemeinschaften die sich sowohl als Vorgeschmack und Diener des „Reiches Gottes“ verstehen. Dies bedeutet zum einen, dass die Gemeinschaften sich großzügig in unserer pluralistischen Gesellschaft einbringen und es bedeutet auch, dass sie von Partizipation und Kreativität geprägt sind. Die Aufgabe von Leitung besteht in diesem Zusammenhang darin die eben erwähnten Charakteristika zu schaffen oder zu ermöglichen, dass eine solche Aufgabe andere Anforderungen an Leitung stellt als bisher liegt nach Meinung der Autoren auf der Hand.

Dieser erste Hinweis spricht meiner Ansicht nach bereits einen sehr wichtigen Aspekt dessen an, was ich mit dem Begriff „emerging Church“ verbinde. Wir verstehen uns als Gemeinschaften die an der Gesellschaft teilnehmen und teilhaben. Wir bringen uns mit unseren Fähigkeiten ein und werden durch unser Umfeld geprägt, inspiriert, motiviert und ergänzt. Dieses Einbringen geschieht sowohl im alltäglichen Leben der einzelnen Personen der Gemeinschaft – z.B. im Beruf, in den nachbarschaftlichen Beziehungen und dem Engagement in Vereinen – als auch in dem Leben der Gemeinschaft – z.B. im Einsatz für die Stadt, für Gerechtigkeit, verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung, kulturellen und/oder spirituellen Angeboten. Der Fokus einer solchen Gemeinschaft liegt meiner Ansicht nach nicht auf dem „Wohlbefinden der zu ihr gehörenden Christen“ (was auch immer das bedeutet) und auch nicht in der „Bekehrung von Heiden“ (was auch immer das bedeutet), sondern vielmehr in einer bewusst gelebten ganzheitlichen Antizipation der (zukünftig vollkommen werdenden) Harmonie von Schöpfung und Schöpfer. Wenn wir hier noch den Gedanken der gemeinsamen Unterstützung in der Nachfolge – also einem Leben in Harmonie mit Umwelt, Menschheit und Gott – mit einbeziehen, dann erscheint mir die Notwendigkeit der gemeinsamen Leitung – im Sinne des Ermöglichens aber auch Führens einer Gemeinschaft – als auf der Hand liegend. Derart komplexe Zusammenhänge lassen sich wenn überhaupt dann nur von einem Team moderieren. Und genau in diesen unterschiedlichen Bereichen sehe ich die Aufgabe von Gemeinschaft. Gottesdienste sind meiner Ansicht nach, und diese seien hier nur beispielhaft herausgegriffen, lediglich ein Apsekt von gemeinschaftlichem Leben, ein kleiner noch dazu.

Gemeinde oder Gemeinschaft hat demnach meiner Ansicht nach keinen Selbstzweck, den sie erfüllt wenn sie sehr gute und auch kulturell ansprechende und anspruchsvolle Angebote hat – sie verleiht meiner Ansicht nach der gegenseitigen Unterstützung in Harmonie mit Umwelt, Menschheit und Gott zu leben eine Organisationsform. In diesem Zusammenhang denke ich auch über Fragen von Leitung in Gemeinschaften nach.

Ich beende diesen Eintrag mal an dieser Stelle, auch wenn ich noch weitere Gedanken aus dem Kapitel ansprechen möchte und freue mich auf die guten Gedanken von dir, meiner geschätzten Leserin und meinem geschätzten Leser.

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»Leading as a Body« ist Kapitel 10 des Buches »Emerging Churches: Creating Christian Communities in Postmodern Cultures« von Eddie Gibbs und Ryan Bolger und beginnt auf Seite 191.

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