Musik für Kinder

Ich höre gerne und immer dann Musik wenn sich die Möglichkeit bietet. Daher wundert es mich natürlich auch nicht, dass meine Kinder ebenfalls gerne Musik hören. Mein gespaltenes Verhältnis zu Musik für Kinder, oder anderen Kinderliedern ist in meinem Freundeskreis kein Geheimnis – und wird von manchen belächelt. Es gibt tatsächlich sehr schöne CDs auf denen Musik für Kinder ist, der ich auch das Prädikat „Musik“ zugestehen würde – aber es gibt einiges das mir entweder textlich oder musikalisch, meistens jedoch kombiniert den letzten Nerv raubt. Eben habe ich auf taz.de einen herrlichen Artikel zum facettenreichen Gesicht des Bösen in Kinderzimmern gelesen aus dem ich einen sehr passenden Abschnitt zitieren möchte:

Rolf Zuckowski®

Was ist das? Der Teufel steckt heute nicht mehr im Detail. Hat er gar nicht nötig. Nein, das Böse kommt heute aus dem Autoradio, gibt Konzerte auf Bundesgartenschauen oder veröffentlicht für die Bild-Zeitung „Ein Herz für Kinder“-Platten. Mit Maffay. Und Nena. Nun kann man Rolf Zuckowski keinen Strick daraus drehen, dass er Rolf Zuckowski ist und Rolf-Zuckowski-Musik macht. Trotzdem gilt es, allen Versuchungen zu widerstehen, allen Anfängen zu wehren. Denn diese Anfänge sind – wie alles Böse – ganz harmlos und beginnen meist mit nett gemeinten Aufforderungen befreundeter Eltern, verlorener Seelen also, die, ohne es zu wissen, dem Bösen bereits erlegen sind.

„Hey, hör dir das mal an!“, heißt es dann meistens, und: „Ist gar nicht so schlimm, wie du immer tust!“, oder: „Summ doch auch mal mit, hab dich nicht so!“ Jetzt – jetzt! – gilt es, ihm die Stirn zu bieten und zu sagen: Weiche, Satan! Über diese Schwelle schreitest du nicht! Fahre aus, du unreiner Geist! Wer jetzt – jetzt!! – nicht rasch reagiert, der ist verdammt auf alle Zeit, der wird nicht mehr froh sein ganzes Leben, weil er stumpfen Sinnes, mit schweren Lidern und belegter Zunge diabolische Meisterwerke wie „In der Weihnachtsbäckerei“, fetzige Uptempo-Nummern wie „Omama liebt Opapa“ oder flockige Evergreens wie „Du da im Radio“ wird mitsummen können, ja: müssen, weil das Kind danach verlangt, im Auto, auf der Bundesgartenschau, im Kindergarten, zuhause. Dabei hätte das Kind auch echte Musik ins Herz schließen können, wären die Eltern nicht weich geworden, Musik von den Beatles oder, wenns denn in deutscher Sprache mitsingbar sein muss, von Peter Licht oder Tocotronic.

Rolf Zuckowski, mit und ohne „seine Freunde“, versteht sein Werk als „generationenübergreifend“, und diesen Übergriff darf man sich durchaus bedrohlich vorstellen, etwa in Form einer echsenhaften Pranke mit spitzen gelben Krallen. Wer Musik liebt, der muss Rolf Zuckowski hassen.

Wer schenkt es? „Befreundete“ Eltern, Agenten des Bösen.

Wann geht es vorbei? „Es geht immer noch ein bisschen weiter / ein bisschen weiter, als du glaubst / auf den Stufen deiner Lebensleiter / wenn du dir nicht deine Träume raubst“ (Rolf Zuckowski).

VON ARNO FRANK auf taz.de

Und zum Schluss interessiert mich natürlich noch deine Meinung zu Musik für Kinder und was du hörst wenn du mit Kindern zusammen bist…

11 Reaktionen

  1. Echt witzig und nicht ganz unpassend…Ich hab persönlich keine pauschale Kinderlieder-Allergie und manchmal auch Spaß daran, bei den Liedern der Kinder mitzusingen oder zu tanzen :) Aus Solidarität mit mir wechseln wir aber ab. Zur Zeit „Lieder aus dem Kinderland“-Platte von Gerhard Schöne (doch, ich glaube das ist Musik…) für die Kleinen und Katie Melua für die Große – so kommt jeder auf seine Kosten. Unsere Kinder sind musikalisch eh‘ überraschend flexibel. Und ich hoffe, sie bleiben’s auch, zumindest bis ins jugendliche Alter, wo’s dann eh nicht mehr ohne Kopfhörer gehen wird.

  2. Ich mag es einfach, wenn man merkt, dass jemand nicht einfach was runterproduziert hat, sondern dass da wirklich Liebe zu den Kindern drin steckt, was sich dann auch in musikalischer Kreativität zeigt. Das löblichste mir bekannte Beispiel sind da die Ritter-Rost-Sachen. So viel stilistische Breite habe ich sonst nirgends gesehen. Tipps?

  3. Lange Zeit war hier eher Oldschool angesagt … MC Magret (Birkenfeld). ;)

    Seit kurzem haben wir ne slowenische CD auf der Kinder Songs von Hillsong (United) singen.

    Sonst hört Josia das was Papa und Mama auch hörn. Aber hier ist es allgemein etwas stiller geworden mit Kind … was so die Hintergrundberieselung angeht.
    … weil uns meistens die Kindermusik nach ner Weile nervt oder dem Kind die Erwachsenenmusik zuviel wird

  4. Guten Morgen.

    Nun, unsere Enna ist noch nicht so alt, als ob sie textlich etwas mitbekommen würde – aber scheinbar hört sie gerne, wenn ich ihr selbst was vorspiele auf der Gitarre.

    Dennoch habe ich einwenig Erfahrung als Erzieher und ich muss sagen, dass mich die Lieder, welche in den verschiedensten Einrichtungen geträllert werden meistens den letzten Nerv gekostet haben.

    Denn man singt um des Singens willen – nicht der Musik wegen oder gar der Inhalte. Solange die Texte friedlich, schön und flach bleiben ist alles in Butter.

    Als ich einmal ein Lied mit einem 13-jährigen schrieb (er hatte den Text, ich die Melodie) wurde das kurzerhand gecancelt, weil zu provokativ – „so was macht man doch nicht“. Das Lied hätte bei der Einweihungsfeier gespielt werden können.

    Ich bin gespannt, wie es wird, wenn Enna Lieder mitträllern wird, mal schaun, was es so gescheites gibt. Schliesslich ist die Auswahl der Sachen, die noch cool sind, auch nicht allzugross (finde ich)…

    Grüße

  5. Ich hab sowohl den Rolf Zuckowski früher gehört (und empfinde das eigentlich nicht als so furchtbar schlimm…), aber hab von meinem Vater auch immer die Beatles vorgespielt bekommen… die habens mir sehr angetan, worüber ich auch sehr dankbar bin!
    Aber mit Tocotronic aufzuwachsen, das wär natürlich auch was sehr kuhles gewesen…
    Es gibt halt immer Sachen, die man bei den eigenen Kindern besser machen kann, gell? *g*

  6. Danke sehr für eure Kommentare! Interessant zu hören wie ihr das so erlebt. Bei uns ist es in der Tat auch so, dass wir gemeinsam zu dem ein oder anderen Lied singend durch die Wohnung „toben“…

    Ich mag vor allem Musik für Kinder die „von Hand gemacht ist“. Keyboards mit Drumsounds sind für mich ebenso tabu wie Kinder-Volksmusik oder Schlager – gut zu wissen dass es Ausnahmen gibt…

  7. hab eben mal noch zwei kommentare freigeschaltet – sorry, dass ihr in die moderationsschleife gekommen seid (und ich es erst heute bemerke). danke sehr für die tipps – wunderbar!

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