Die Klasse

Die KlasseAm letzten Sonntag waren wir im Kino um den ausgezeichneten Film „Die Klasse“ zu sehen. Der Film handelt von einer 7. Klasse an einer Schule in einem so genannten Problemviertel von Paris. Meiner Ansicht nach ist der Film sehr sehenswert und daher schreibe ich nun ein paar Zeilen dazu.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann basiert der Film auf einem Buch das der Lehrer über seine Tätigkeit als Lehrer geschrieben hat der schließlich auch die Rolle des Klassenlehrers spielt. Meiner Ansicht nach spürt man dem Film die Komplexität des Schulalltags in einem solchen Umfeld ab. Er ist demnach nicht einfach nette Unterhaltung, sondern nimmt die Betrachter mit hinein in die teilweise Ausweglosen Situationen des Lehrers aber auch die Lebenswirklichkeit der Schüler bleibt nicht verborgen. Mir scheint als sei der Film vor allem aus Sicht des und der Lehrer erzählt, was jedoch der Schülerwirklichkeit keinen Abbruch tut. Für mich zeigt sich das vor allem daran dass ich mich mehr an Unterhaltungen unter Lehrern erinnere die ausserhalb des Klassenzimmers stattfinden als an solche von Schülern.

Der gesamte Film spielt in der besagten Schule. Dies macht ihn auf eindrückliche Weise intensiv und lässt alle romantischen und sonstigen Ausflüge ins „Privatleben“ aussen vor. Mir gefällt die Idee einen Film komplett in einer Schule zu drehen, davon die meiste Zeit im Klassenzimmern, kurze Gang- und Schulhofszenen und einige Gespräche im Lehrerzimmer. Die Kameraführung rückt vor allem einzelne Personen und ihr Verhältsnis zu sich selbst, zueinander und zur Schule als solcher in den Fokus. Dies ist ein weiterer Punkt der den Film sehr intensiv macht, da ich mich den einzelnen Personen und ihrem Verhältnis zueinander ausgesetzt fühlte.

Was mich darüber hinaus weiter beschäftigte ist der Umgang des Lehrers mit seinen SchülerInnen. Der Lehrer achtet seine Schüler und möchte ihnen zu einem gelingenden Leben helfen. Er geht daher respektvoll mit ihnen um und sucht in den unterschiedlichsten Situationen nach guten Lösungswegen von Konflikten. So z.B. wenn er innerhalb der Klasse wegen seines Umgangs mit manchen Schülern angegriffen wird, die Schüler unmotiviert reagieren und auch im Eskalationsmoment des Films mit einem Schüler setzt er sich gegen einen Schulausschluss ein. Die Ideale des Lehrers werden in den Lehrerzimmergesprächen weiter unterstrichen. Dennoch stellt er manche Missverständnisse nicht klar, was meiner Ansicht nach geholfen hätte, und auch der Eindruck die SchülerInnen das ein oder andere Mal zu drängen und etwas barsch zu reagieren wird deutlich. Ich habe mich in vielen Situationen des Lehrers wiedererkannt – vor allem darin wie meine Ideale immer wieder von der Wirklichkeit auf die Probe gestellt werden.

Eine gute Besprechung des Films die wesentlich mehr auf die Geschichte des Films eingeht findet sich auf taz.de: Provokation und Respekt. Den Trailer kannst du dir auch gerne in meinen Randbemerkungen ansehen.

Falls noch nicht schon geschehen empfehle ich den Film sehr und freue mich zu hören wie Du ihn fandest.

5 Reaktionen

  1. Ich habe den Film heute gesehen, fand ihn teils bewegend, immer nachdenklich stimmend und immer auch anregend zum kritischen Hinterfragen der „Krisenfestigkeit“ der eigenen Ideale.

    Ein Bekannter war dabei, der selbst junger Lehrer ist. Und er meinte, der Schwerpunkt habe zu sehr auf den negativen Aspekten gelegen.

    Im Nachhinein kann ich das bestätigen: Es wurde ja bspw. nicht weiter verfolgt, was mit der Mutter des chinesischen Schülers geschah, wie die Lehrer damit umgingen.

    Vielleicht ist es aber eben genau dieses „Nicht-weiter-verfolgen“, das hier zum Problem wird:

    Der Lehrer hat den gewalttätigen Schüler nicht gefragt, was an dem Gerücht ist, dass er aus Frankreich fort müsse, wenn er von der Schule fliegt. Wie Du oft selbst erwähnt hast, werden Missverständnisse häufig nicht ausgeräumt und ich komm nicht von dem Gedanken los, dass das teils dann doch wieder daran liegt, dass der Schüler nicht als gleichwertiges Gegenüber (wiewohl dieser wiederum natürlich sehr wohl Respekt vor dem institutionell höher gestellten und wissensmäßig überlegenen Lehrer zeigen sollte, finde ich) angesehen wurde, der evtl. selbst Rede und Antwort stehen kann.

    Auch fand ich die Szene schade, wo der Rektor verlangt, dass man für ihn als „erwachsene Person“ aufsteht, nicht aber auch Respekt für den neuen Mitschüler einfordert.

    Dieser Mangel an Respekt einem anderen Menshcen gegenüber – einfach um des Menschen willen – kommt ja auch da rüber, wo der Lehrer fast schon erniedrigend Respekt einfordert.

    Ich glaube – ohne behaupten zu können, dass iches besser könnte – dass man seine Beweggründe mehr erklären muss, und das sowohl als Lehrer wie auch als Elternteil oder zufälliges Gegenüber. Mir geht es hier nicht um stumpfsinniges Immer-und-überall-Rechenschaft-ablegen, aber ich glaube, dass Kinder und auch ältere Teenager es besser verstehen, wenn man ihnen erklärt, warum bestimmte Dinge geschehen, warum man in welcher Reaktion wie reagiert.

    Auch fand ich schade, wie ungelenk und hochgestochen der Lehrer oft versucht hat, nicht verständliche Begriffe zu erklären. Ihm hat in diesen entscheidenden Momenten die einfache Sprache gefehlt, die der Schlüssel zu den Schülern gewesen wäre. Lustig war im Gegenzug die Schülerin, die Platons „Der Staat“ gelesen hatte und in ihrer eigenen Sprache erklärte, was darin vorkommt.

    Hmm, um es kurz und verständlich zusammen zu fassen: Ich finde den Film absolut sehenswert, wenn auch er sicherlich etwas einseitig ist.

  2. vielen dank für deine ausführlichen kommentare arnhild. ich finde deine gedanken zum film sehr treffend – und mir scheint als bringst du mit deinen ausführungen einige aspekte des films auf den punkt die bei mir mehr im unterbewusstsein vorhanden sind. an den von dir genannten stellen wird meiner ansicht nach sehr gut deutlich, dass das ideal des lehrers seine schüler respektvoll zu behandeln und sie zu achten an der gegebenen „rangfolge“ und dem bildungsunterschied scheiterten und, wie du sehr gut bemerkst durch die tatsache einige situationen nicht weiter zu klären sondern sich auf strukturen oder vorgehensweisen zurückzuziehen. sehr interessant sich anhand solcher beobachtungen selbst zu reflektieren…

  3. […] Der Film: Die Klasse […]

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