Ameisen

Bereits in unseren Auseinandersetzungen mit Emergenz und so genannten sich selbstorganisierenden Systemen wurde immer wieder dieser eine Satz aus den Sprüchen zitiert:

Sieh dir die Ameise an, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihr, damit du weise wirst! Sie hat keinen Aufseher und keinen Antreiber. Und doch sorgt sie im Sommer für ihre Nahrung und sammelt zur Erntezeit ihre Vorräte.

[Sprüche 6,6-8]

Bei den eben angeführten Beschäftigungen ging es uns meistens darum dass die Ameisenvölker ohne „Aufseher“ also ohne Hierarchie durch intelligente Feedbackstrukturen ein eindrückliches System hervorbringen in dem sie ihr Leben organisieren und wie hier in der zitierten Stelle gesagt wird für ihren Lebensunterhalt sorgen. DIe Ameisen können jedoch auch noch auf einem anderen Gebiet zu unseren Vorbildern werden – und wenn ich gerade so darüber nachdenke, dann ist auch dafür die Anrede „du Faulpelz“ treffend.

Braungart und McDonough ziehen die Ameisenvölker in ihrem Buch „Cradle to Cradle“ als Vergleichsgröße zur menschlichen Bevölkerung der Erde heran. Die Ameisen stellen eine Ähnliche Bevölkerungsgröße dar und sind ähnlich weit über die Welt verbreitet wie wir Menschen. Allerdings unterscheidet sich ihre Lebensweise in einem entscheidenden Punkt von der unseren – sie leben im Einklang mit dem Rhythmus der Natur.

In einem früheren Eintrag habe ich über den Grundgedanken des Buches geschrieben und den Kontrast zur Wegwerfmentalität und dem damit verbundenen Ansatz „Cradle to Grave“ aufgezeigt. Die Ameisen sind ein gutes Beispiel dafür dass Bevölkerungsdichte und Produktivität keine Bedrohung für den Rest der Welt darstellen müssen, da alles was sie erzeugen und benutzen in den Cradle-to-Cradle Kreislauf der Natur eingeht. Ameisen leisten mit ihrem ganzen Dasein einen Beitrag zu einer „besseren Welt“.

Ich finde diesen Gedanken sehr anregend. Einen Weg einzuschlagen im Einklang mit dem Kreislauf der Natur zu leben erfordert sicher noch einiges Umdenken in unserer Gesellschaft, auch gerade deswegen weil wir uns an die Bequemlichkeit des Lebens nach den Regeln des „Cradle-to-Grave“ gewöhnt haben. Aber es erscheint mir als ein lohnendes Unterfangen.

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