Piraten und Häretiker

Immer dann wenn Menschen sich etwas weiter aus dem Fenster lehnen als anderen das lieb ist gibt es Stress. Dies geschieht in so genannten „christlichen Kreisen“ sehr leicht und natürlich immer nur mit den besten Motiven. Kester Brewin und Peter Rollins sind solche Menschen die sich aus dem Fenster lehnen. Auf der Suche nach einer möglichen Theologie und einem Leben im Einklang mit Gott, Menschen und Natur in unserer Zeit gehen sie Wege, die für die eine oder den anderen schwer nachzuvollziehen sind. Aus diesem Grund äussern sich Menschen negativ über ihre Art zu Denken und zu Schreiben. Für mich sind Kester und Peter zwei äußerst inspirierende Personen die mir schon des Öfteren ein Fenster geöffnet haben um eine neue Perspektive zu entdecken. Heute hat Peter einen Eintrag auf seinem Blog veröffentlicht in dem er auf die dialogische Natur der Herangehensweise von ihm und Kester hinweist. Da in diesem Eintrag wichtige Aspekte ihres Denkens deutlich werden möchte ich hier kurz zwei Abschnitte zitieren und empfehle für Interessierte den ganzen Eintrag – bzw. überhaupt die Blogs und Bücher der beiden.

I want to argue that all of these criticisms fail to understand the properly dialectic nature of our work and thus miss the philosophical and theological import of it. Let us start to unpack this by taking the motif of ‘pirate’ that Kester employs. The point that our critics have failed to see is how Kester is employing the image of the ‘pirate’ precisely because pirates traditionally do not merely transgress the Law (i.e. are not merely a criminal) but draw out how the Law itself is a transgression.

Take, for example, the chocolate bars we buy from local shops. Much of this chocolate is made up of coco beans imported from the Ivory Coast, where child slavery is widely used to harvest them. The chocolate that our children eat is thus the direct result of a slave trade employing children of a similar age being forced to work in horrendous circumstances (little pay, rape, beatings, murder etc.). Or take the majority of the clothing we buy, the cars we drive and the meat we consume. Each of these seemingly benign activities belies a dark and horrible reality (sweat shops, environmental destruction, extreme cruelty). The appearance of freedom, order and beauty that our Western ideological system emanates belies the reality of slavery, chaos and ugliness. The pirate is not to be misunderstood as a simple criminal (one who affirms the order they transgress – wanting merely to reconfigure that order so that they have more within it). The pirate, at his or her best, is much more than that – their activity exposes how the Legal system that they transgress is itself a transgression (see Hakim Bay or Zizek for more on these issues).

Über die Metapher des „Orthodox Heretic“ schreibt Peter:

Theologically speaking I am making the same structural move as that mentioned above concerning the political dimension. Namely that we must move from the idea that there is an Orthodox Christian stance and a heretical positioning that transgresses it, to the point in which we see Orthodoxy itself as heretical. This is the first of two basic moves. This first move exposes how there is no absolute foundation to orthodoxy, that it was formed contingently over time through debate, discussion and argument and that its necessity was then retroactively constructed and maintained by the victor. A point that almost any non-partisan historian of religion will attest to. The second basic move of Orthodox Heresy is to then show that new theological configurations are possible that new constructs and institutional practices can be imagined. In short, that we are free to mould and remould the church in different and imaginative ways (as has been the case throughout history).

Wie bereits oben gesagt verdanke ich den beiden eine ganze Menge. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Eintrag DANKE sagen und die Notwendigkeit ihres Engagements als Piraten und Häretiker unterstreichen und unterstützen!

5 Reaktionen

  1. bei den kommentaren zum eintrag von richard sudworth an dem sich die auseinandersetzung ja aufhängt, finde ich die anmerkungen von jason jedoch schwierig – meiner ansicht nach wirft er pete und kester vor sich nicht zu engagieren, sondern nur von aussen zu kritisieren, das kann ich jedoch bei beiden nicht so sehen.

    sicher, und das sagen auch beide, haben die metaphern grenzen und sie reden beide nicht von einem fertigen konzept einer „big idea“ sondern öffnen fenster und wünschen sich einen dialog darüber (zumindest wenn ich sie recht verstehe). und so verstanden bringen sie etwas wichtiges ein, das meiner ansicht nach in der diskussion und kritik momentan zu kurz kommt.

  2. Ich glaube, Jason nimmt da ein gewisses Pathos wahr, und das geht mir schon auch so, das oft schlicht die Umkehrung des Gegebenen (d.h. eben die Kirche als Ganzes) fordert und sich das nur leisten kann, weil es von dieser Negativfolie lebt, ohne das je ausdrücklich anzuerkennen.

  3. Ok, das mit der Umkehrung empfinde ich auch an manchen Stellen. In sofern halte ich es mit Jonny Baker- ihre Stimme ist mir wichtig auch wenn ich nicht wollte dass es die Einzige ist…

  4. Nur, weil etwas aus einer Negation existiert, ist es noch lange nicht falsch. Ausserdem sehe ich nicht, dass sich sich Rollins/Brewins Ideen damit erschöpfen, ganz im Gegenteil erlebe ich das eher als Anfang einer Befreiung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass da noch sehr viel mehr – auch praktisches nachkommt. Clarke’s Einwand

    „I suspect that they arise from something other than a vision for an embodied and moral life lived in Christian community with others, and are the fruit of, and have more to do with, the enabling of a life of self creation and isolation from others. And in that sense I think they are are distinctly lacking in Christian identity and formation.“

    ist m.E. völlig am Punkt vorbei und zeugt eher von mangelndem Vorstellungsvermögen. Letztenendlich bezichtigt er sie auch nur der Selbstdarstellung, und das ist schon sehr billig.

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