Schöpfer der Kreativität

Eine Begegnung von Emergenztheorie und Theologie deckt blinde Flecken auf und ermöglicht neue Denkwege. Ich bin immer wieder fasziniert davon welche Möglichkeiten sich für das Denken ergeben wenn man über den eigenen Tellerrand hinausschaut und am interdisziplinären Dialog teilnimmt. So bekamen bisher meist unausgesprochene Gedanken mit folgendem Abschnitt Worte und konkretisieren sich dadurch:

»The sciences that study the emergence of complexity in living organisms have also thematized the importance of the future for understanding causality. …

Theologian Niels Henrik Gregersen has explored the implications of theories of autopoiesis (self-organization) in natural systems for the doctrines of creation and providence.

He proposes a model in which autopoietic processes are sustained by the “structuring causality” of God – divine providence involves the reconfiguration of the possibility spaces of self-productive systems. God‘s creative work is a creation of creativity, a “structuring” cause that graciously gives creation its own fecundity.

For Gregersen, the autopoiesis that can be observed throughout the systems of nature render problematic the idea of God’s planning things deterministically from the past.«

Quelle: LeRon Shults, Reforming the doctrine of God, 86.

Diese Verbindung der Gedanken aus Theorien über Emergenz und Komplexität und der Möglichkeit Gott von der Zukunft her zu denken sind meiner Ansicht nach äußerst wertvoll.

Sie ermöglichen eine Befreiung aus deterministischem Denken welches uns suggeriert, dass die Welt und alles Leben darauf vor Urzeiten von einem „Pantokrator“ vorgedacht wurden und man heute nur noch das Wiederholen kann was bereits vorangelegt ist. Ein Schöpfer der zur Kreativitöt schafft und „einen weiten Raum“ ermöglicht, nötigt uns nicht in vorgefertigten Bahnen zu laufen sondern gibt uns Freiheit selbst zu schaffen, frei zu improvisieren und damit an seinem Handeln zu partizipieren. In diesem Sinne sind wir nicht dazu verdammt den einen richtigen Weg zu finden der vorbereitet ist und auf dem wir blind gehen müssen, sondern nehmen teil an einer freien Improvisation der Idee Gottes, die nicht 100% konkret zu fassen ist und stärker von einer ermöglichenden Funktion her zu denken ist als von erhobenen Zeigefingern.

Aber auch auf der Seite wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Schöpfung und Evolution ermöglicht uns ein solches Denken andere Schlüsse. Schöpfung und Evolution stehen sich nicht mehr – wie im Kreationismus propagiert – diametral entgegen, sondern können begründet als Aspekte eines Prozesses verstanden werden.

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