Aus der Geschichte lernen II

In der letzten Woche las ich folgenden Artikel in der Zeit »Die Grenzen der Schuld« in dem die Frage thematisiert wird ob die brandenburgische SPD mit Kerstin Kaiser zusammenarbeiten darf. Kaiser war während ihres Auslandsstudienzeit in St. Petersburg IM der Stasi und berichtete über Kommilitonen. Folgenden Abschnitt des Artikels finde ich sehr interessant:

1988 stellte das Ministerium für Staatssicherheit laut Aktenlage die Zusammenarbeit ein. Nach 1994 hat Kaiser nach eigener Aussage alle Betroffenen persönlich angesprochen und sich entschuldigt, die meisten hätten die Entschuldigung angenommen. Sie schäme sich und bedaure es, als IM gearbeitet zu haben, das hat sie oft gesagt, ihren Kindern, ihren Freunden, auch öffentlich.

Was genau bedauert sie? »Ich bedaure es, benutzbar gewesen zu sein. Ich bedaure es, meine eigenen menschlichen Maßstäbe verletzt zu haben, um dem Staat zu nutzen.«

Im Laufe der Zeit hat sich das Entschuldigungsmuster anderer IM von »Ich habe keinem geschadet« zu »Das alles ist so lange her« geändert. Kerstin Kaiser sagt keinen der beiden Sätze. Als sie sich für die Stasi verpflichtete, war sie 18 Jahre alt. Kaiser sagt, sie hätte trotzdem erkennen müssen, dass es falsch war. Ist es also gerecht, dass sie heute dafür einen Preis bezahlen muss?

Und mit dieser Frage möchte ich auch diesen Eintrag beenden und empfehle den gesamten Artikel zur Lektüre: »Die Grenzen der Schuld«.

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