Weihnachten

Es ist wieder soweit, Weihnachtszeit. Und wie in jedem Jahr, so stelle ich auch dieses Jahr fest, dass ich ein gespaltenes Verhältnis zu diesem Fest habe. Auf der einen Seite handelt es sich bei Weihnachten ja um eines der wichtigen Feste der Christenheit. Wir gedenken der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus – die auch in meiner Theologie eine sehr wichtige Rolle spielt. Auf der anderen Seite stört mich der ganze Kitsch, die Krippen, Geschenke, der Rummel – gleichzeitig aber auch all diejenigen die immer nach dem tiefen Sinn der Festtage fragen und gerne ein puristisches Gedenkfest begehen würden. In all die wirren Gefühle, die sich, dank des Alltags der in der Adventszeit selten langsamer wird, im Hintergrund aufhalten, wecken meine Kinder auch diese Faszination »Weihnacht« in mir. Jeden Morgen gespannt zu sein was sich im Adventskalender finden wird, und es kaum erwarten zu können bis endlich Weihnachten ist, ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer steht und die Geschenke darunter bereit liegen. Und so sitze ich nun am Abend vor dem 24. hier und denke nach und tippe diese spontanen Gedanken hier in mein Blog.

Ja, Weihnachten ist eine kommerzielle Veranstaltung. Mit Damien Rice’ »We’ll call it Christmas when the adverts begin« könnten wir den Anfang der Saison an den ersten Weihnachtsmännern Ende August erahnen. Das Anbrechen der letzten Stunden bis zum Fest, machen wir dann an den Angeboten »wir liefern garantiert bis Weihnachten« fest. Ich finde – mittlerweile – das Schenken nicht mehr schlimm, sicher habe ich manche Vorbehalte, aber hier haben mir die Kinder das Staunen gelehrt, über schöne Geschenke freut sich wohl jeder.

Viel schlimmer finde ich die Krippen überall. Diese Romantisierung der Geburt. Als wäre Jesus in irgendeinem Stall auf die Welt gekommen. Ist es nicht viel wahrscheinlicher dass Maria und Joseph nicht von Herberge zu Herberge tingelten, in denen keine Zimmer frei waren. Wie viele Herbergen oder Hotels soll es damals in einem Dorf denn gegeben haben? Und hatten sie überhaupt danach gesucht? Dank der Volkszählung waren sie ja zu ihrer Verwandtschaft unterwegs. Wenn Zimmer belegt waren, dann waren es eher die Gästezimmer, die guten Stuben der Verwandten, in denen schon andere Familien übergangsweise wohnten. Schließlich kamen Maria und Jospeh in der Wohnung eines Verwandten unter. In der Wohnung, nicht im Stall. Natürlich wohnten hier auch die Tiere, deswegen gab es eine Futterstelle. In Ermangelung eines Babybettchens wurde Jesus vielleicht in eine solche Futterstelle für die Tiere gelegt. Achso, und dieser Jesus über den ich hier schreibe war sicher weder Westeuropäer noch Amerikaner, er hatte wohl auch keine blonden Locken – und so schlimm es klingen mag – auch keinen Heiligenschein. Sicher, er war ein süßes Baby, wie jedes Baby auf seine Weise süß ist, aber er hat wohl auch geschrien, die Windeln gefüllt, und musste sich an dieses Menschenleben gewöhnen, wie jeder das am Anfang seines Lebens tut. Deswegen meine Bitte, rangiert die Krippen aus. Und das »Christkind« gleich mit. Verwendet das Stroh für die Osternester und überlegt wie es denkbar wäre, dass dieser Jesus in einer – für damalige Zeit – normalen Wohnung auf die Welt kam. Einer Hausgeburt in der Wohnung von Verwandten wird das wohl am ähnlichsten gesehen haben. Als Wohnküchen noch üblich waren, hätte man sich Jesus auf einem Kissen im Spülbecken vorstellen können, dies würde den selben Zweck erfüllen wie eine Krippe damals. Wo würden wir ihn heute hinlegen? Vielleicht auf ein Sofa, umgeben von einer Decke, so dass er nicht auf den Boden fällt?

Und so ist Weihnachten, und zwar genauso, wie es tatsächlich als Familienfest gefeiert wird, eventuell recht nah an der Situation in der Maria und Joseph damals waren. Viele in meinem Umfeld reisen über Weihnachten zu ihren Eltern und Verwandten, wie Maria und Joseph. Man trifft sich, hat sich einiges zu erzählen, freut sich aneinander, entdeckt die alten Macken wieder und umschifft die ein oder andere Spannung mehr oder weniger erfolgreich. Und hat auch einiges zu erledigen. Familie eben. Begegnungen finden statt. Normale Menschen sitzen um Tische, unterhalten sich, spielen miteinander, essen. Und ja, da war noch etwas. Die Geschenke. Einige wollen anderen eine Freude machen, haben etwas besorgt, gebastelt. Weihnachten, die ganz normalen menschlichen Festtage mit gutem Essen liegen vor uns. Und vielleicht ist dieses weltliche Weihnachtsfest, ein Fest der Begegnung, in all dem Trubel und ohne den religiösen Kitsch, eine gute Gelegenheit zwischendurch an die Geburt dieses einen Menschen zu denken. Und dann, dann wenden wir uns wieder unseren Familien, Verwandten und Freunden zu und feiern.

4 Reaktionen

  1. Hallo Daniel,

    ich teile diese Gedanken.
    Und ich wundere mich über mich selbst, denn seit diesem Jahr – unsere Tochter ist jetzt fast 3 – erlebe ich, wie staunend und interessiert Sie den ganzen Weihnachtstrubel wahrnimmt.
    Das war letztes Jahr bei Ihr noch nicht so ausgeprägt, und im Jahr davor natürlich noch weniger.

    Ich erlebe dadurch Weihnachten neu, und entdecke mich selber in meiner Tochter, wie toll ich damals diese Zeit als Kind empfunden habe. Irgendwann hat das dann natürlich nachgelassen, bis es mir letztendlich auf die Nerven gegangen ist. Gerade wegen dem ganzen Konsum.

    Ich freue mich darüber, dass ich jetzt durch meine eigene Familie diese Zeit wieder neu entdecken kann.

    Und meistens ist es ja auch so, dass an Heilig Abend, wenn der ganze Wahnsinn konsumiert ist, bei den meisten Leuten doch auch Besinnlichkeit einkehrt. Ob diese Leute dann wirklich an Jesus Geburt denken, oder sich „nur“ auf grundsetzliche Werte besinnen, ist ja eigentlich egal.

    Beides sind im Grunde christliche Gedanken.

    Frohe Weihnachten Dir und Deiner Familie
    Holger

  2. Hallo Holger,

    ja das ist spannend „mit den Augen der Kinder“ so viele scheinbar normale Situationen neu sehen zu lernen.

    Wünsche dir und deiner Familie auch schöne Weihnachten und einen guten Start ins kommende Jahr!

  3. Achso, und noch ein Nachtrag an nette Menschen, deren Kommentare hier leider nicht erscheinen können, ich habe nichts gegen Weihnachten und auch nicht gegen die Tradition der Christenheit. Dennoch denke ich, dass manches anders gedacht und gesehen werden sollte, in diesem Sinne…

  4. […] Gegen die Romantisierung von Weihnachten: “Viel schlimmer finde ich die Krippen überall. Diese Romantisierung der Geburt. Als wäre Jesus in irgendeinem Stall auf die Welt gekommen. Ist es nicht viel wahrscheinlicher dass Maria und Joseph nicht von Herberge zu Herberge tingelten, in denen keine Zimmer frei waren. Wie viele Herbergen oder Hotels soll es damals in einem Dorf denn gegeben haben? Und hatten sie überhaupt danach gesucht? Dank der Volkszählung waren sie ja zu ihrer Verwandtschaft unterwegs. Wenn Zimmer belegt waren, dann waren es eher die Gästezimmer, die guten Stuben der Verwandten, in denen schon andere Familien übergangsweise wohnten. Schließlich kamen Maria und Jospeh in der Wohnung eines Verwandten unter. In der Wohnung, nicht im Stall. Natürlich wohnten hier auch die Tiere, deswegen gab es eine Futterstelle. In Ermangelung eines Babybettchens wurde Jesus vielleicht in eine solche Futterstelle für die Tiere gelegt. Achso, und dieser Jesus über den ich hier schreibe war sicher weder Westeuropäer noch Amerikaner, er hatte wohl auch keine blonden Locken – und so schlimm es klingen mag – auch keinen Heiligenschein. Sicher, er war ein süßes Baby, wie jedes Baby auf seine Weise süß ist, aber er hat wohl auch geschrien, die Windeln gefüllt, und musste sich an dieses Menschenleben gewöhnen, wie jeder das am Anfang seines Lebens tut. Deswegen meine Bitte, rangiert die Krippen aus. Und das »Christkind« gleich mit. Verwendet das Stroh für die Osternester und überlegt wie es denkbar wäre, dass dieser Jesus in einer – für damalige Zeit – normalen Wohnung auf die Welt kam. Einer Hausgeburt in der Wohnung von Verwandten wird das wohl am ähnlichsten gesehen haben. Als Wohnküchen noch üblich waren, hätte man sich Jesus auf einem Kissen im Spülbecken vorstellen können, dies würde den selben Zweck erfüllen wie eine Krippe damals. Wo würden wir ihn heute hinlegen? Vielleicht auf ein Sofa, umgeben von einer Decke, so dass er nicht auf den Boden fällt?” Link […]

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