Schuldenerlass als Chance

Zeltstadt in Haiti / Creative Commone: United Nations Developement Programme
Bild einer Zeltstadt in Haiti. Photo: United Nations Developement Programme (CC)

Momentan wird viel über Haiti geschrieben und gesprochen. Die katastrophalen Auswirkungen des Erdbebens machen mich sprachlos, sehr traurig und irgendwie hilflos wütend, da es in Haiti wieder einmal sehr arme und auch ausgegrenzte Menschen waren, die von der Naturkatastrophe getroffen wurden. Eine ganze Weile lang habe ich nichts dazu geschrieben, und auch recht wenig zu dieser Naturkatastrophe gesagt. Mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen.

Meiner Ansicht nach ist es wichtig durch Spenden die Hilfe für die Betroffenen zu unterstützen. Neben dem Spenden, das viele als einzige Möglichkeit sehen, in der wir helfen können, möchte ich jedoch weder das Gebet für die Betroffenen ausklammern, noch die Frage nach strukturellen Gegebenheiten, die Grundlage der Armut in Haiti zu sein scheinen.

In der ZEIT wird Haiti als gescheiterter Staat bezeichnet. Der Titel legt nahe, dass Haiti niemals demokratische Wurzeln besaß, und unterstützt auf diese Weise die unterschwellige Annahme vieler, dass die Haitianer irgendwie selbst an ihrer Armut schuld sind. Auch wenn ich diese Annahme so nicht teile, halte ich den Artikel für Lesenswert, da er uns zumindest etwas die Augen dafür öffnet wie es den Bewohnern des Landes geht.

Meine Andeutung, dass ich die Annahme nicht teile, Haiti habe keine demokratischen Wurzeln, wird durch eine Rezension genährt, die Zizek zum Buch »Damming the Flood: Haiti, Aristide and the Politics of Containment« von Peter Hallward geschrieben hat. Diese Rezension ist unter dem Titel »Democracy versus the people« im NewStatesman erschienen. In diesem (umstrittenen) Buch schreibt Hallward über die geschichtlichen Entwicklungen Haitis. Seine Ausführungen beginnt er mit der eindrücklichen Revolution gegen den Sklavenhandel, und der daraus resultierenden Unabhängigkeit Haitis von Frankreich 1804. Nach Ansicht Hallwards trug in der Folgezeit der Westen dazu bei Haiti schwach zu halten, um die revolutionären Kräfte auch in anderen Ländern zu unterdrücken. In Haiti kam es immer wieder zu massiven Ausschreitungen und tiefen Spaltungen innerhalb der Bevölkerung. Und ja, der Staat gilt als gescheiterter Staat. Vielleicht hilft uns jedoch eine Beschäftigung mit der Geschichte Haitis, bspw. die militärische Intervention 2004, die schließlich Aristide ins Exil führte. Dieser hatte zuvor eine Resolution auf den Weg gebracht, in der er Frankreich aufforderte Reparationen zu bezahlen. Interessanterweise wurde diese Resolution von der Nachfolgeregierung als erste Amtshandlung gekippt. Ich weiß es handelt sich hierbei um umstrittene Ansichten, und es gibt weitere Aspekte der Geschichte, die zu bedenken sind. Mir erscheint es jedoch wichtig, neben den Forderungen um Spenden, auch konkret über eine Verbesserung der Gesamtsituation Haitis nachzudenken und dementsprechend zu handeln.

In den Nachrichten wurde heute gesagt, dass der Pariser Club einen Schuldenerlass für Haiti fordert. Eine dazu passende Petition findet sich bei ONE. Bitte zeichne diese Petition mit! Meiner Ansicht nach wäre ein Schuldenerlass ein erster Schritt in die Richtung Haiti eine Chance zu geben. Neben der Beruhigung des Landes durch Blauhelme, müsste meiner Ansicht nach dann weiteres Engagement zur Selbsthilfe der Haitianer geleistet werden. Dieses Engagement sähe im Idealfall so aus, dass wir nicht erwarten Haiti würde eine „westlich kapitalistische Demokratie“, sondern in der Unterstützung der demokratischen Kräfte Haitis, so dass das Land eine Zukunft hat.

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