Leben und leben lassen

Das Stichwort „Tierschutz“ wurde Titelthema der aktuellen ZEIT, da in Bremen eine Entscheidung über die Forschung an Affen ansteht. Unter dem Titel „Streicheln und quälen – Wer den Tierschutz ernst nimmt, der muss sein Verhalten ändern – als Fleischesser und Forscher, aber auch als Tierliebhaber“ finden sich im Ressort Wissen 4 Essays.

Darunter findet sich zwei kurze Artikel der direkten Kontrahenten aus Bremen, dem Forscher Andreas Kreiter und dem Tierschützer Wolfgang Apel, die beide ihren Standpunkt darlegen und somit nachvollziehbarer werden, und gleichzeitig die festgefahrene Situation der Auseinandersetzung verdeutlichen. Ein philosophischer Ansatz von Richard David Precht findet sich ebenfalls dort. Precht argumentiert von der nahen Verwandtschaft von Affen und Menschen her, und schlägt in Anlehnung an Frans de Waal vor, an Affen nur solche Experimente durchzuführen, die wir auch an Menschen machen würden, die sich freiwillig dazu zur Verfügung stellen. An diesem Punkt sehe ich eine inakzeptable Engführung des Ansatzes von Precht, denn damit rechtfertigt er zugleich Versuche an weiter entfernten Verwandten unserer Gattung, und bleibt damit weit hinter einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen zurück.

Der längste, und meiner Ansicht nach auch beste Essay dieses Teils, stammt Andreas Sentker und trägt den Titel „Respekt! – Der Kampf gegen Tierversuche ist heuchlerisch. In unserem Alltag nehmen wir tausendfaches Leid in Kauf. Dagegen hilft kein strengeres Gesetz, sondern ein Bewusstseinswandel.“ Wie der Titel schon andeutet geht Sentker grundsätzlicher der Frage eines verantwortlichen Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen nach, die weder einseitig auf Tierversuche schilt, noch bei der gerne angeprangerten Massentierhaltung stehen bleibt, sondern auch unsere „liebsten Mitbürger“ in Zoos oder exotische Züchtungen ins Visier nimmt. Der Artikel kann hier online gelesen werden, was ich sehr empfehle.

Den Titel dieses Eintrages habe ich an ein Zitat angelehnt, das im Artikel vorkommt und das Albert Schweitzer zugeordnet wird:

„Ich bin Leben, das leben will,
inmitten von Leben, das leben will.“

Ich selbst bin, das wird kaum überraschen, kein Freund von Tierversuchen. Meiner Ansicht nach bedeutet dies jedoch auch, dass ich sowohl meinem täglichen Umgang mit Tieren verantwortungsvoll gestalte. Produkte des täglichen Bedarfs wähle, die nicht auf Tierversuchen basieren und die auch sonst ohne den Missbrauch unserer Mitgeschöpfe auskommen. Ich denke, auf diesem Weg können wir gemeinsam noch einige Schritte gehen, und somit mehr zu einem Leben im Einklang mit der Natur kommen.

1 Reaktion

  1. Gut, Freund von Tierversuchen bin ich auch keiner und zuhause – im Restaurant geht das halt nicht – esse ich fast nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung.

    Die Argumentation von Dir und R.D.Precht (der mir an sich sympathisch ist) lässt mir allerdings die Haare zu Berge stehen. Ist euch klar, dass jedes Medikament klinische Versuche mit M e n s c h e n durchlaufen muss und die „Freistellung“ geistig schwer Behinderter für Versuche in frühen Stadien der Entwicklung von Medikamenten bereits angedacht wurde?
    Unmündige Kinder sind – immer noch – „Rechtssache“, nicht Rechtsperson, und „Tiere“ mit derselben rechtlichen Stellung wie erwachsene Menschen werden in alternativen Kreisen durchaus ernstlich argumentiert . (Das sind halt so Sachen, die m i c h stören)

    Bitte eine scharfe begriffliche Trennung zwischen Mensch und Tier – sonst enden wir da, wo ich mich vor Gericht verantworten muss, weil ich eine Fliege erschlagen habe.

    Nebenbei: Du bist aber schon sehr vorsichtig, selbst nicht allzu deutlich Stellung zu beziehen !! Klar, die entwickelten Medikamente kaufen wir dann und gesunden vielleicht deretwegen, und man will ja nicht inkonsequent sein.

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