Sinnvolles Zusammenleben

Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen das Buch »Handeln aus der Fülle« von Ina Praetorius zu lesen. Nachdem mich ihr Buch »Gott dazwischen« sehr inspirierte, freue ich mich nun auf die Lektüre ihrer postpatriarchalen Ethik in biblischer Tradition. Mir gefällt neben ihren sehr guten Gedanken vor allem der Ton ihrer Bücher. Da ich eben noch auf eine Freigabe warten durfte, las ich einfach ein paar Seiten, und stieß auf folgenden Abschnitt:

»Die relativ selbstverständliche Präsenz von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist ein Indiz unter vielen dafür, dass die Zweiteilung der Welt in männlich besetzte öffentliche Räume und weiblich besetzte Intimsphären sich auflöst. Das Prinzip »Gleichstellung«, das lange einen großen Teil frauenbewegter Energie auf sich gezogen hat, erübrigt sich damit zwar noch nicht, rückt aber an den Rand der politischen Agenda. Der militant parteiische, stark auf die Idee eines einheitlichen Fraueninteresses konzentrierte Feminismus ist in den neunziger Jahren des vergangene Jahrhunderts folgerichtig abgelöst worden durch die Geschlechterforschung (Gender Studies).

Viele Frauen und einige Männer formulierten den Anspruch, dass die Geschlechterfrage kein isoliertes gesellschaftspolitisches Thema mehr sein soll. Von ihr soll überall die rede sein, wo wichtige Themen verhandelt werden, gleichzeitig muss die Kategorie »Geschlecht« als interessengeleitete Konstruktion begriffen und in Frage gestellt werden. Forscherinnen und Forscher begannen, auch abseits unmittelbar politischer Verwertbarkeit genau zu untersuchen, wie Ideen von der Beschaffenheit der Geschlechter und anderer Differenzen in einzelnen gesellschaftlichen Bereichen (weiter)wirken und ob ein freundlicherer Umgang mit Unterschieden denkbar ist.

Mit dieser veränderten Sichtweise und den entsprechenden Forschungsergebnissen schaffen sie die Grundlage für das, was heute ansteht: ein nicht mehr nur fragmentarisches Nachdenken darüber, wie ein sinnvolles Zusammenleben jenseits der herkömmlichen Zweiteilung der Welt und der entsprechenden Ausschlussmechanismen aussehen kann und soll.«

Quelle: Ina Praetorius, Handeln aus der Fülle, Postpatriarchale Ethik in biblischer Tradition, 14.

1 Reaktion

Reagiere darauf

*