Abendmahl

Auf dem ökumenischen Kirchentag wird man, ob man will oder nicht, mit dem Thema Abendmahl konfrontiert. Da es momentan noch nicht möglich ist ein gemeinsames ökumenisches Abendmahl zu feiern findet heute Abend eine orthodoxe Vesper statt. Das finde ich natürlich sehr gut, doch wie Hans Küng gestern auf dem Podium sagte, könnte es die Aufgabe des Kirchenvolkes sein, ein ökumenisches Abendmahl zu fordern, und sich nicht mit diesem, der Hierarchie hörigen Ausweichmahl zufrieden zu geben.

Ich möchte hier noch einen Schritt weiter gehen. Als jemand, der basisdemokratisch bewegt ist, und gerne in dieser Weise Gemeinschaft pflegt, dies jedoch nicht in völliger Unabhängigkeit verstanden wissen möchte, sondern als Teil der weltweiten Kirche lebt, und sich vor Ort mit einer evangelischen Kirchengemeinde verbunden fühlt, fordere ich auch die völlige Demokratisierung des Abendmahls.

Ein demokratisiertes Abendmahl, ist ökumenisches Abendmahl. Es ist ein Abendmahl, das nicht zwingend von AmtsträgerInnen geführt werden muss. Ein Abendmahl, das sich in seine Geschichte einfindet, und an unterschiedlichsten Tischen auf der ganzen Welt stattfindet. Ein Abendmahl, das die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte des Exodus feiert und uns der Gegenwart Gottes gewahr werden lässt. Es könnte in Kirchen stattfinden, in Cafés und auch an den Tischen in ganz normalen Häusern. An Tischen, an denen Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche einander das Brot brechen und den Becher der Erinnerung weiter reichen.

Auf diese Weise demokratisiert müsste es nicht im Geheimen stattfinden, sondern könnte seinen Platz in den Gemeinden finden. Hier würde die Trennung zwischen Laien und Klerikern überwunden, als Glieder der weltweiten Kirche würden wir das Abendmahl gemeinsam feiern. Und an besonderen Anlässen wie ökumenischen Kirchentagen, könnte ein großes ökumenisches Abendmahl darüber hinaus unseren gemeinsam gelebten Glauben tiefgreifend stärken.

6 Reaktionen

  1. Ich finde den Artikel wirklich interessant. Ich teile die Überzeugungen aber nicht.
    Als einer der als Deutscher in der Schweiz Pastor sein darf, erlebe ich seit ca. 5 Jahren Basisdemokratie in der Gesellschaft. Ich denke, dass die Schweiz ein exzellentes Politikmodel hat, das ihrem Land über die letzten Jahrzehnt überwiegend gute Dienste geleistet hat. Was ich in der Gemeinde versuche zu leben ist nicht Basisdemokratie. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Gemeinde im Neuen Testament eine theokratische-demokratische Bewegung ist. Theokratisch, weil sie auf Gott hört, seinen Willen sucht und sich nicht einfach auf eine Mehrheitsmeinung einigt. Demokratisch, weil das Hören auf Gott kein Privileg der Angestellten, sondern Berufung und Aufgabe der ganzen Gemeinde, dem Volk Gottes, ist.
    Wenn wir schon von Basisdemokratie sprechen: Basisdemokratisch wäre z.B. wenn man am Ende deiner Artikel nicht nur per Mausklick sagen kann „gefällt mir“, sondern vielleicht auch „sehe ich anders“, „finde ich komisch“ oder „klingt interessant“.
    Im Blick auf das von dir vorgeschlagene „demokratische Abendmahl“ frage ich mich: Was hat das mit dem Abendmahl zu tun, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat? Wäre das noch ein Abendmahl, wenn man darin „die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte des Exodus feiert und uns der Gegenwart Gottes gewahr werden lässt.“ Ich habe den Eindruck, das wäre wohl eher ein Fest der Humanität als eine Erinnerung an das, was Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung neues geschaffen hat. Würde Jesus das Abendmahl auch mit feiern? Ich vermute eher nicht.
    Zudem frage ich mich: Was würde uns das gemeinsame Abendmahl eigentlich bringen? Können wir nicht gegenseitigen Respekt und Wertschätzung und eine gesunde Diskussions- und Kritikkultur leben, wenn wir unterschiedliche Meinungen haben?
    Ich erlebe es als ein grosses Geschenk, dass wir heute unterschiedliche Konfessionen haben. Es hat viele Christen viel gekostet, die Freiheit zur Glaubenstaufe zu erhalten, ihre Kinder nicht taufen, sondern segnen zu lassen, andere Meinungen als die Amtskirche in Fragen der Schriftauslegung und Gemeindebildung zu haben. Ich empfinde die Unterschiede und die Diskussionen zwischen den Kirchen als bleibende Herausforderung meine theologische Erkenntnis nicht zu verabsolutieren und auf andere zu hören. Finde es aber gleichzeitig als ein Geschenk Gottes, dass ich Gemeindearbeit im gemeinsamen Hören auf Gott mit den Menschen vor Ort gestalten kann.

  2. ich habe mir das jetzt einen tag lang überlegt.

    mit demokratie hat die geschichte nur ganz am rande zu tun.

    die reformation ist passiert, es gab damals viele missstände, gegen die die reformatoren vorgingen.
    war aber nicht die einzige reform, sonst ist da zum beispiel die clunyaszensische kirchenreform. da hatten auch davor ein paar äbte auf den putz gehaut.

    nach der reformation haben wir da die evangelischen kirchen, die ohne sakramente dastehen. aus der abwesenheit der beichte versucht man noch eine tugend zu machen, beim abendmahl schmerzt es richtig.

    gab schon davor schismen, die abspaltung der katholischen von der orthodosen kirche etwa. und die katholischen stehen ohne ikonen da, gebetet wird zum gestorbenen christus statt zum pantokrator.
    in der orthodoxen kirche hat das kreuz seinen platz nur in der osterliturgie.

    gut, was genau ändert sich nach der ehniss`schen reform? man darf gemeinsam messe feiern ohne schlechtes gewissen.
    nach zehn gemeinsamen messen wird die sache wohl eh fad.

    und nicht zuletzt hat es so seine funktion, wenn man gewisse dinge im verborgenen tut.
    ich möchte letzteres als geheimnisvolle andeutung stehenlassen.

  3. Aus meiner Sicht wäre ein demokratisches und ökumenisches Abendmahl ein guter und wichtiger Schritt Richtung gelebter Einheit der weltweiten Kirche. Demokratisch nenne ich es vor allem um anzudeuten, dass „dem Volk die Macht zurück gegeben wird“ – meiner Ansicht nach ist es notwendig, dass die „Sakramentsverwaltung“ auch offiziell nicht auf die Kleriker beschränkt wird, sondern von allen gelebt werden kann. Es ist zwar weit verbreitete Praxis, dass im Schutz der Privatwohnungen das Abendmahl ohne Amtsträger gefeiert wird, das finde ich sehr gut, wünsche mir jedoch, dass dies auch in Gemeinden möglich wird.

    Unterschiede der Konfessionen finde ich dann schwierig, wenn sie kirchentrennend verstanden und gelebt werden. Daher bin ich für Ökumene, verstehe diese nicht als Einheitsbrei, sondern gelebte Einheit auch gerade in den Unterschieden.

    Die Annahme evangelische Kirchen hätten keine Sakramente erscheint mir fragwürdig. Sie bezeichnen zwar weniger als Sakramente und es existieren Unterschiede in der Deutung des Begriffs Sakrament, dennoch gibt es Sakramente. Und weil ich mit dem Abendmahl sakramentale Bedeutung verbinde, denke ich auch, dass es wichtig ist regelmäßig gemeinsam Abendmahl zu feiern.

  4. Ich habe nichts gegen Einheit. Aber ich kann nicht erkennen, dass es ein ernsthaftes Bemühen um tatsächliche gegenseitige Wertschätzung durch die offizielle katholische Kirche gibt.

    Fast niemand weiss, dass die katholische Kirche nicht Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen, sondern „nur“ in der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung“ ist. Das ist auch Ausdruck der Tatsache, dass sie ihren Anspruch die einzig wahre Kirche zu sein nicht aufgeben will. Zumindest im Moment. Schmerzlich ist ja nicht, dass wir nicht in einer gemeinsamen Feier jeweils Brot oder Wein zu uns nehmen können. Schmerzlich ist, dass die katholische Kirche sich selbst de facto zum Masstab macht, wer wirklich zu Gottes Gemeinde gehört und wer nicht.

    http://www.oikoumene.org/de/wer-sind-wir/organisation-struktur/gemeinsame-gremien/mit-der-roemisch-katholischen-kirche.html

    Was die Frage mit der Macht angeht – da haben ich ja oben schon deutlich gemacht, dass die für mich letztlich nicht beim Volk, sondern bei Gott liegt. Wenn das Volk Macht und Einfluss ausübt, dann im Hören auf Gott und im Gehorsam Gottes Willen gegenüber.Ist es nicht eine der entscheidenden Ursachen für viele Probleme, dass Menschen (z.B. in der katholischen Kirche) Macht beanspruchen, die ihnen gar nicht zu steht?

  5. sorry wegen der sakramente; meine meinung ist aus dem blick des nicht-evangelischen zu verstehen. klar, irgendwie sind es schon sakramente, aber ist nicht gerade das abendmahl für den evangelischen eine art gedenkveranstaltung, während für den katholischen der „corpus christi mysticum“ himmlische nahrung ist?
    aber du als evangelischer musst es wohl besser wissen :)
    den punkt muss man vielleicht in der schwebe halten.

    dein demokratieverständnis andererseits ist für mich illusionärer humbug, tut mir leid. der staat, aus dem der begriff schließlich kommt, kennt ja auch präsidenten, minister und kanzler, denen auf gewisse zeit macht verliehen wird.
    diese leute sind gewählt vom volk, daher der begriff demokratie, volksherrschaft. das volk selber hat aber weder zeit noch mittel, selber aktiv zu regieren!
    solch ein system wäre dann anarchie, nicht demokratie.

    drittens: „demokratie“ deines verständnisses in der kirche: die von dir angesprochenen laien stellst du dir wohl als theologisch sehr interessiert bis gebildet vor?
    wenn du die sache aber so institutionalisierst, wie du dir das vorstellst, werden sie es schon bald nicht mehr sein. das recht des stärkeren wird sich bahn brechen, sobald du das regelwerk von studium und weihe verläßt, und dann gnade uns gott!

    deinen reformwillen natürlich in ehren, aber ich denke du verkalkulierst dich.

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