Ich finde den Artikel wirklich interessant. Ich teile die Überzeugungen aber nicht.
Als einer der als Deutscher in der Schweiz Pastor sein darf, erlebe ich seit ca. 5 Jahren Basisdemokratie in der Gesellschaft. Ich denke, dass die Schweiz ein exzellentes Politikmodel hat, das ihrem Land über die letzten Jahrzehnt überwiegend gute Dienste geleistet hat. Was ich in der Gemeinde versuche zu leben ist nicht Basisdemokratie. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Gemeinde im Neuen Testament eine theokratische-demokratische Bewegung ist. Theokratisch, weil sie auf Gott hört, seinen Willen sucht und sich nicht einfach auf eine Mehrheitsmeinung einigt. Demokratisch, weil das Hören auf Gott kein Privileg der Angestellten, sondern Berufung und Aufgabe der ganzen Gemeinde, dem Volk Gottes, ist.
Wenn wir schon von Basisdemokratie sprechen: Basisdemokratisch wäre z.B. wenn man am Ende deiner Artikel nicht nur per Mausklick sagen kann „gefällt mir“, sondern vielleicht auch „sehe ich anders“, „finde ich komisch“ oder „klingt interessant“.
Im Blick auf das von dir vorgeschlagene „demokratische Abendmahl“ frage ich mich: Was hat das mit dem Abendmahl zu tun, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat? Wäre das noch ein Abendmahl, wenn man darin „die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte des Exodus feiert und uns der Gegenwart Gottes gewahr werden lässt.“ Ich habe den Eindruck, das wäre wohl eher ein Fest der Humanität als eine Erinnerung an das, was Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung neues geschaffen hat. Würde Jesus das Abendmahl auch mit feiern? Ich vermute eher nicht.
Zudem frage ich mich: Was würde uns das gemeinsame Abendmahl eigentlich bringen? Können wir nicht gegenseitigen Respekt und Wertschätzung und eine gesunde Diskussions- und Kritikkultur leben, wenn wir unterschiedliche Meinungen haben?
Ich erlebe es als ein grosses Geschenk, dass wir heute unterschiedliche Konfessionen haben. Es hat viele Christen viel gekostet, die Freiheit zur Glaubenstaufe zu erhalten, ihre Kinder nicht taufen, sondern segnen zu lassen, andere Meinungen als die Amtskirche in Fragen der Schriftauslegung und Gemeindebildung zu haben. Ich empfinde die Unterschiede und die Diskussionen zwischen den Kirchen als bleibende Herausforderung meine theologische Erkenntnis nicht zu verabsolutieren und auf andere zu hören. Finde es aber gleichzeitig als ein Geschenk Gottes, dass ich Gemeindearbeit im gemeinsamen Hören auf Gott mit den Menschen vor Ort gestalten kann.