Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Eine der wenigen Veranstaltungen, die ich auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München unbedingt besuchen wollte, stand unter dem eben genannten Titel „Gerechtigkeit und Friede küssen sich“. Dieser Satz stammt aus dem 85. Psalm und stand diesem Podium im Frauenzentrum Pate.

In ihrem einleitenden Referat ging Ina Praetorius auf die Verbindung von Gerechtigkeit und Friede ein. Anhand des Buches „Gerechtigkeit oder das Gute Leben“ von Martha C. Nussbaum erläuterte sie die enge Verbindung von Gerechtigkeit und Frieden. Ihrer Ansicht nach sei es ein Gewinn postpatriarchaler Weltsicht, dass wie im Titel Nussbaums das Wörtchen „oder“ nicht im trennenden Sinne von „entweder oder“, sondern verbindend und zuordnend verstanden werde. Gerechtigkeit stünde damit nicht im rein juristischen Sinn neben oder gegen das gute Leben, sondern – und so sei der Buchtitel zu verstehen – weise auf zwei Seiten ein und der selben Medaille hin. In diesem Sinne wollte sie auch das Thema der Veranstaltung verstanden wissen. Das Bild der Gerechtigkeit, die den Frieden küsse, sei ein Bild des Schaloms von dem die Bibel rede. Einem Zustand der Harmonie. Diesen Zustand der Harmonie zu erlangen, sei der Antrieb der auf dem Podium versammelten Frauen, und in diesem Sinne verstehe sie auch das menschliche Mitwirken am Handeln Gottes (so hört sich das was sie sagte/was ich noch behalten habe sinngemäß in meinen Worten an).

Jede der Podiumsteilnehmerinnen hielt zu Beginn des Podiums ein Einstiegsreferat. Den Anfang machte Phumzile S. Mtetwa, die das „Lesbian and Gay Equality Project“ aus Südafrika vertrat. Sie berichtete davon wie Homophobie und Armut ihr Leben beeinflussen, und wie sie sich angesichts dieser Herausforderungen für ihre Genossinen und Genossen die Realisierung der ganzheitlichen Gerechtigkeit wünsche, von der Ina Praetorius gesprochen hatte.

Ich denke, dass wir auch hier noch einige Herausforderungen zu meistern haben um zu einem solchen Schalom zu kommen. Gerade hinsichtlich der Genderfragen und einem guten Zusammenleben mit Homosexuellen ist in Kirche und Gesellschaft noch einiges zu tun.

In diesem Sinne möchte ich an dieser Stelle noch vier interessante Artikel empfehlen:

1 Reaktion

  1. lieber daniel e.,

    da schreibst du einen geistlichen artikel, der sehr schön ist, und damit es nicht fad wird empfiehlst du uns zum guten schluss den schwulen rabbi.

    den zweiten artikel von peter aschoff (homosexualität) fand ich sehr seriös, er geht nicht einmal so weit uns heterosexuellen ein schlechtes gewissen zu machen weil wir nicht homos sind ;)

    ich finde aber jedenfalls, homosexualität muss man, als christ/christin, jedenfalls im zusammenhang mit jesu engagement für randgruppen sehen. homos sind -und bleiben- eine randgruppe und sollen nicht als gutes beispiel für andere dienen!
    mit jedem, der vom schicksal schlechte karten bekommen hat, die ihn – ohne schuld – an den rand der legalität drängen (in manchen ländern, gewissen zeitabschnitten) und jedenfalls der kritik und dem mutwillen einer satten mehrheit des mainstream ausliefern, hat mein mitgefühl, so auch schwule, die sich religiös engagieren wollen.

    bloß sind schwule – und das reden über sie – derzeit so unglaublich cool, dass ich solche meinungen bei heranwachsenden noch gut verstehe – da ist es in der peer-group überlebenswichtig, cool zu sein – aber du auch dieser meinung bist, daniel, frag ich mal, wieso: aus rationaler überlegung? aus mitempfinden mit kämpfern dafür, so sein zu dürfen, wie man geboren (oder erzogen) wurde? oder einfach, um cool zu sein?

    würde mich über deine stellungnahme freuen, will nicht echo-los in den virtuellen raum schimpfen.
    und danke für deine antwort bzgl. abendmahl, mein zweiter beitrag war dann wohl zu rabiat :)

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