Schieflage

Die Bundesregierung prescht mit einem Sparpaket voran, das nicht nur Kommentatoren wichtiger internationaler Zeitungen den Kopf schütteln lässt, sondern auf eine deutliche Schieflage der aktuellen Politik und Kultur hinweist. Während so genannte „Eliten“ unbehelligt bleiben, werden Menschengruppen, die als am „Rand der Gesellschaft“ stehend bezeichnet werden, weiter ausgegrenzt.

Bei einer Pressekonferenz zum Sparpaket sprach Guido Westerwelle davon, dass es ihm klar sei, dass es für diese Entscheidung viel Kritik geben würde, mit Freibier für alle mache man sich Freunde, aber eben nicht mit Einsparungen. Die Metapher des Freibiers ist meiner Ansicht nach sehr gelungen. So wie es auf mich wirkt, gehen die Runden Schampus und die ein oder andere Nase Koks, noch weiter an die feinen Damen und Herren der viel gelobten Eliten und Leistungsträger, das einfache Volk jedoch, das sich an einem Freibier erfreuen würde, soll darauf gefälligst verzichten.

Diese Schieflage in unserer Politik und Kultur wird immer deutlicher, und sie macht mich wütend. Ich verstehe, dass es sich besser leben lässt, wenn die Menschen in deren Gesellschaft man sich gerne sonnt einem wohlgesonnen sind, aber zumindest denkbar wäre es doch, dass es für die Gesellschaft als Ganzer besser wäre, die Menschen zu unterstützen, die sich in der derzeitigen Lage nicht selbst helfen können. Es wird ja gerne mit der Rettung des Sozialstaates argumentiert, diese hinge meiner Ansicht nach jedoch mit wirklichen Programmen zusammen, die den Menschen helfen die „am Rand stehen“, und nicht mit Lippenbekenntnissen und einigen „gut gewollten“ Maßnähmchen, die jedoch nie das ganze System in Augenschein nehmen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Widerspruch des Volkes, der Sozialverbände, Kirchen und aus politischen Kreisen bei der Regierung gehör findet, und dass sich dieser Kurs korrigieren lässt. Und vielleicht – ich bin Idealist – erreichen wir tatsächlich eine Reformation des Systems.

4 Reaktionen

  1. Ich kann nicht erkennen, dass die Widersprechenden tatsächlich an einer Systemreform interessiert sind, sondern sehe eher, dass auf Knopfdruck – Sozialabbau – pauschal und z.T. platt reagiert wird. Von Kirchen würde ich mir ganz generell wünschen, dass sie aufhören, den Staat die „bessere Kirche“ spielen zu lassen. Angenommen wir fingen komplett bei null an mit unserem Staat. Würden die Kirchen dann ebenfalls dem Staat zuschreiben, für die sozial Schwachen und Ausgegrenzten zu sorgen? Oder würden sie es ihrem Auftrag gemäß selbst in die Hand nehmen??

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