(auch wenn diese Diskussion schon einige Wochen alt ist…)

ich kann den von Dir beschriebenen „agnostischen“ Ansatz des Christseins gut nachvollziehen und grade durch den Bezug auf Kant auch Dein Anliegen verstehen. Kants Idee war es ja falsch-fundiertem Dogmatismus die Stirn zu bieten – ohne in Skeptizismus zu verfallen; und das hat Kant mit Verweis auf die Grenzen der Vernunft getan (was mich heute 230 Jahre später noch fasziniert.)
Eine „agnostische Lesart des Christentums“ eignet sich m.E. dementsprechend aber nur für Menschen, die in irgendeiner Weise dogmatisch verankert sind, d.h. die eine Grundüberzeugung über Gott, Jesus, das Christentum etc. haben und die eingeladen werden, ihre Überzeugungen zu hinterfragen.
Diese Menschen befinden sich nach meiner persönlichen Erfahrung in unserer Gesellschaft aber mittlerweile in der Minderheit. Stattdessen gibt es immer mehr Menschen, die alles und gleichzeitig nichts glauben; für die es Gott vielleicht irgendwie, irgendwo schon geben kann – oder eben auch nicht. Menschen, die aus ihrem Atheismus kein Glaubensbekenntnis mehr machen, die sich auch auf keine Diskussion mehr über ihren Glauben oder Nicht-Glauben einlassen… und diese Menschen werden durch eine agnostische Lesart das Christentum, oder Gott ,oder Jesus leider auch nicht kennenlernen, sondern einfach in ihrem „Indifferentismus“ bleiben.