Weit weg

Vor einiger Zeit schrieb Kester Brewin in seinem Blog einiges über »The Violence of Heaven«. Ausgehend von einem Beitrag über Christiania, einer alternativen Wohnsiedlung in Kopenhagen (Wikipedia-Artikel), entfaltet er einige Gedanken dazu, wie die Ausgrenzung von dem was anders erscheint zu Gewalt führt.

Im öffentlichen Diskurs fällt mir immer wieder die Marginalisierung dessen auf, was nicht ins eigene Weltbild passt. Eben erst hörte ich Markus Söder bei Maybrit Illner etwas ganz ähnliches sagen. Von ihm aus könne sich überall auf der Welt islamischer Extremismus einfinden, aber bitte nicht in Deutschland. Ganz ähnlich sind ja die »Nazis raus«-Rufe.

Wir neigen dazu, unseren Mikrokosmos sauber halten zu wollen. Hier darf nur rein, was zu unserem Weltbild passt. Andere Kulturen, Weltanschauungen und Lebensentwürfe dürfen gerne weiter existieren, etwas Toleranz wird heute ja von jedem gefordert, aber bitte nicht hier.

Eine solche Ausgrenzung riecht immer nach dem Unwillen sich mit der Andersartigkeit zu beschäftigen, sie sich vom Leibe halten zu wollen. Keinen Dialog eingehen zu müssen. Nicht nach Wegen suchen zu müssen, wie ein gelingendes Miteinander möglich ist. Ausgrenzung führt meiner Ansicht nach jedoch unweigerlich zu Gewalt. Spätestens dann, wenn wir die Grenzen unseres Mikrokosmos vor den Eindringlingen schützen müssen, die wir gerade mit großer Mühe aus unserer Mitte vertrieben haben.

Ich schreibe dies auch, da ich an manchen Punkten meines Lebens daran verzweifle, manch unangenehmes am liebsten so fern wie möglich zu halten. An der Stelle von Ausgrenzung und Abschottung wünsche ich mir jedoch einen Dialog. Eine Beschäftigung miteinander. Ein Zusammensetzen unterschiedlicher Positionen. Und das Suchen nach Möglichkeiten gelingenden gemeinsamen Lebens.

Es gibt schädliche Tendenzen – hierunter verstehe ich aber explizit nicht fremde Kulturen oder gar den Islam. Vielmehr sind es Tendenzen in unserem eigenen Leben, unserer eigenen Kultur, mit denen wir lernen müssen umzugehen, und deren schädlichen Einfluss wir angehen müssen, zum Wohle derer die davon betroffen sind. Doch Ausgrenzung, auch wenn sie im ersten Moment ein schnelles Ergebnis liefert und den eigenen Frieden wart, erscheint mir der schlechteste Weg zu sein. Begegnung, Dialog und gemeinsam Wege zu finden halte ich für weitaus angemessener.

4 Reaktionen

  1. […] dem Eintrag von gestern Abend, der zwar von den Auswirkungen auf Wulffs Rede zur Einheit ausging, sich aber nicht mit dem Satz […]

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  • DEPONE | Daniel Ehniss » Friede sei mit euch

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