@james t.
Daniel hatte die Frau ja so wiedergegeben: „Sie könne nicht mehr an einen Gott glauben, der Homosexuelle ablehne, und ihnen den Zugang verweigerte. In ihrem Umfeld war sie nach Bekanntwerden ihrer Homosexualität damit konfrontiert worden, dass sie diese Lebensweise zutiefst von Gott trennen würde.“ Letztlich stellt sich die Frage: Ist das von den Menschen in ihrem Umfeld dargestellt Gottesbild treffend? Hierzu stellt sich die Frage, wie dieses Umfeld auf dieses Gottesbild (Gott lehnt nicht nur Homosexualität, sondern auch Homosexulle) kommt. Hier erwähnt Daniel den eher dünnen Bestand an biblischen Aussagen (auf die in solchen Fällen oftmals rekurriert wird), deren Aussage zum einen selten ganz klar ist und die zudem oftmals in Passagen stehen, deren Kontext ansonsten keine Rolle mehr spielt (Unreinheit bei Regelblutung, Spermafluss, Speisevorschriften usw.).
Von daher läuft dein Punkt etwas ins Leere: Es geht nicht darum, dass die Frau sich von Gott abgewendet hat (oder in deinem Beispiel: Nicht das Hasenkostüm angezogen hat und rückwärts durch Dortmund gelaufen ist), sondern ob Gott überhaupt so ist, wie es ihr gesagt wurde (ob er also wirklich verlangt, im Hasenkostüm rückwärts durch Dortmund zu laufen) und dann nochmals weitergehend: Weswegen (ich ergänze: nicht nur) in der Sexualethik mit Abgrenzungen negativer Art gearbeitet wird – und ob man dies nicht auch umkehren könnte. Ein anderes Beispiel: Menschen im Falle des Unglaubens nicht mit der Hölle drohen (auch hier stellt sich zudem die Frage, ob es sich wirklich so verhält), sondern die positiven Aspekte des Glaubens in die Waagschale werfen. Oder anders: Aus dem „müssen“ („Wenn ich der Person das und das sage, muss sie glauben“) ein „wollen“ machen („wenn ich der Person das und das sage, will sie glauben“). Ein sehr sympathischer Gedanke. Weswegen? Allein schon aus dem Grund: Alles was ich will, muss ich nicht mehr.

(Oops, sorry für den Co-Vortrag)