Spannung

Als ich gestern Abend auf dem Weg ins Bett noch einen Artikel über Kritik an der Bundeswehrreform aus dem Kanzleramt las, dachte ich eine ganz Zeit lang über die Spannungen und den Druck nach, der sich in den letzten Wochen aufgebaut hatte.

Während am Wochenende, der aus meiner Sicht zurecht geforderte Rücktritt Guttenbergs, aus den Reihen der Union immer noch mit dem wichtigen Reformvorhaben begründet abgelehnt wurde, gab es aus meiner Sicht angesichts dieser Kritik keinen Grund mehr an Guttenberg fest zu halten. Beliebtheit ist in meinen Augen kein Kriterium.

Gestern noch mit den Gedanken über Spannungen und den steigenden Druck eingeschlafen, häuften sich gegen viertel vor 10 die Anzeichen eines angekündigten Rücktritts. Für 11:15 Uhr wurde eine Erklärung Guttenbergs angekündigt. Wie schon bei seiner letzten Erklärung, wählte Guttenberg auch in diesem Fall den indirekten Weg an die Öffentlichkeit.

Als ich dann schließlich die Übertragung der Rücktrittserklärung sah, machte sich Enttäuschung breit. Nicht etwa wegen des Rücktritts, diesen hielt ich lange für überfällig, sondern wegen der Egozentrik des ehemaligen Ministers. Er trug eine pathetische Rede vor, in der er anderen – den Medien in erster Linie – die Schuld an seinem Rücktritt gab. Aus meiner Sicht enthielt diese Rede zu wenige Anzeichen von Reue oder Einsicht darüber wie schwerwiegend das ist, was ihm vorgeworfen wird. Er tritt zurück weil er keine Kraft mehr hat sich dem Druck entgegen zu stellen, und seinen eigenen hohen Anforderungen nicht mehr gerecht wird.

Es bleibt also weiter spannend. Zum einen wird es interessant werden, wer NachfolgerIn im Ministeramt wird. Und darüber hinaus hoffe ich, dass Guttenberg die Ruhe findet das Geschehene zu überdenken …

4 Reaktionen

  1. Wenn ich die Kommentare im Netz verfolge, dann scheint genau die von dir beschriebene Pathetik bei vielen Menschen gut anzukommen. Für viele ist er nicht mehr der Verantwortliche für die Situation, sondern schlicht das arme, denunzierte Opfer…

  2. Ich glaube am Ende ist die Sache fuerchterlich einfach. Keiner mag gerne eine „Ja aber…“ Entschuldigung oder gar einen „Ja aber…“ Ruecktritt. Darauf zu verweisen, dass man Familienvater und berufstaetig ist, wodurch eben Fehler passieren koennen, ist eine „Ja aber…“ Entschuldigung. Darauf zu verweisen, dass die Gorch Fock Affaere die Ereignisse in Nordafrika haette in den Hintergrund ruecken lassen, ist zum einen ein „Ja aber…“ Ruecktritt, zum anderen teile ich diese Einschaetzung nicht. KTGs Verhalten in solchen und vergleichbaren Situationen nenne ich pathologisch. Umgekehrt muss jemand der vollkommen bei sich ist (im Sinne von in sich ruhen), nicht permanent auf aeussere Umstaende oder gar Personen und Personengruppen verweisen. Im Gegenteil – eine solche Person kann Fehler im vollen Umfang eingestehen, ohne dabei Kompromisse machen zu muessen. Ist ein Minister mit pathologischem Verhalten, der nicht vollkommen bei sich ist und stattdessen permanent bei anderen, tragbar? Ich meine nein! Folglich ist es nun gut dass KTG den Cem Özdemir gemacht hat. Dies gibt ihm die Gelegenheit, wahrhaftig in sich zu gehen, ohne permanent um das auf hochglanz polierte Image fuerchten zu muessen.

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