Die Vergangenheit im Nacken

In der Einleitung zu seinem aktuellen Buch »Allah: A Christian Response« schreibt Miroslav Volf eine einleuchtende Antwort darauf, weshalb längst vergangene Ereignisse noch heute extreme Emotionen hervorrufen können.

Die Vergangenheit ist nicht einfach vergangen, sie lebt in unserem Gedächtnis weiter. Aktuelle Ereignisse bringen diese Erinnerungen wieder in uns hoch, und lassen uns das Vergangene nochmals erleben. Ereignet sich also etwas ähnliches wie damals, wird es sofort damit identifiziert, und die entsprechenden Emotionen stellen sich ein.

Dieser Zusammenhang tritt nach Volf sowohl im persönlichen Leben als auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen auf. Nimmt eine Frau einen Fremden wahr, der sich ihr von hinten nähert, erinnert sich sich an einen Überfall aus der Vergangenheit. Die aktuelle Gefahr bringt die Verletzungen aus der Vergangenheit in ihre Erinnerung, und vor ihrem inneren Auge sieht sie die Vergangenheit zu neuem Leben erwachen, sie rechnet damit, dass sich die Ereignisse wiederholen. In Gesellschaften handelt es sich um abstraktere Zusammenhänge, da es sich nicht direkt um persönlich erlebtes handelt, sondern eher um eine Wiederholung der Geschichte geht. Volf geht es im vorliegenden Buch um ein friedliches Miteinander zwischen Muslimen und Christen, daher verwendet er entsprechende Beispiele aus diesem Bereich. Er beschreibt das Erwachen vergangener Erlebnisse im Beispiel militärischer Eingriffe westlicher Staaten in Ländern die hauptsächlich von Muslimen bewohnt werden – diese werden an die Kreuzzüge erinnert, und fühlen sich auf dieselbe Weise bedroht. Manche Europäer scheinen, angesichts der wachsenden muslimischen Bevölkerungsgruppe im eigenen Land, an die Belagerung Wiens durch das Osmanische Reich erinnert zu werden, und entwickeln aus dieser Erinnerung starke Emotionen. Die Reaktionen der jeweiligen Gruppe steht demnach nicht in direktem Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen, sondern bezieht sich auf Erinnerungen.

Diese schlummernden Erinnerungen werden durch aktuelle Ängste geweckt, und projizieren Bilder des Schreckens in die Zukunft. Die Ängste speisen sich aus der Befürchtung, dass Vergangenes Leid sich wiederholen könnte. Diese Projektionen der Angst ereignen sich meist unbewusst. Im weiteren Verlauf des Buches wird er einige geschichtliche Ereignisse thematisieren, anhand derer es einiges für ein friedliches Miteinander zu lernen gibt.


Peter Aschoff hat bereits vor einiger Zeit begonnen über das Buch zu schreiben. Mit dieser Suchanfrage findest du schnell zu den entsprechenden Einträgen in seinem Blog.

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