Ich stimme Dir zu, auch mir erschließt sich ein gesetzliches Tanzverbot nicht. Außer vielleicht einem generellen Tanzverbot ausgeweitet auf 365 Tage im Jahr … ;)
Das mit der „christlichen Gesellschaft“ ist natürlich Definitionssache. Daß unsere (wessen?!) Gesellschaftsordnung auf „christlichen Werten“ (welchen?) basiert, kann man aber meiner Ansicht nach schon sagen (irgendwie). Wobei man vieles natürlich nicht nur mit „christlichen Wertvorstellungen“, sondern auch mit diversen philosophischen Überzeugungen begründen könnte. Oder sogar sollte? In diesem Zusammenhang drängt sich mir, ohne die Diskussion über den Themenkomplex in Deutschland verfolgt zu haben, auch generell die Frage zwischen Trennung von Staat und Kirche in Deutschland auf. Wie weit soll oder darf der Staat auf Basis „christlicher Werte“ regulierend eingreifen? Wie stehst Du denn zum Beispiel zu verkaufsoffenen Sonntagen? Oder der Abschaffung des Religionsunterrichts?
Auf der anderen Seite las ich erst diese Woche im Evening Standard (http://www.thisislondon.co.uk/standard/article-23943583-we-must-end-this-welfare-dependency.do) folgendes: „The fascinating feature of church schools is that people who never feel the need to attend church still want to get their children into them. […] The question for politicians is, what makes those schools so popular. […] Partly it is to do with the ethos of those schools: they are grounded on Christian beliefs and this is manifested in their ethical framework. Catholic schools, for instance, generally show a discernible difference from others, not only in pupils‘ academic results (these are usually slightly better than the norm) but also in the moral and social awareness of their students. It’s a dimension of education that other schools can and should take to heart.“
Aber damit würde ich nun ja auch noch eine Bildungsdiskussion anstoßen …

Zurück zum Tanzverbot: So eine, wortwörtlich, weltfremde Regelung, trägt nicht unbedingt dazu bei, Menschen zum Nachdenken anzuregen, sondern motiviert sie mehr ein weiteres Mal „dagegen“ zu sein. Wutbürger und Dagegentum sind ja sowieso im Trend zur Zeit, da ist doch jede zusätzliche Gelegenheit willkommen … ;)

Viele Grüße,
Götz