Der zerrissene Vorhang

Für Karfreitag hatten wir, wie bereits angekündigt, einen spirituellen Erlebnisraum eingerichtet. Anhand der Metapher des Vorhangs wollten wir uns an Karfreitag den überlieferten Ereignissen und ihrer möglichen Bedeutung nähern. Dazu hatten wir eine Liturgie entwickelt, die lose durch ein Gesamtkonzept von Stationen führte.

Der zerrissene Vorhang

Am Eingang begrüßten wir die Anwesenden. Jede und jeder erhielt eine Karte, die einen Begrüßungstext und einen Lageplan der Stationen enthielt. Gleichzeitig markierten wir einige mit Klebepunkten und schenkten jenen ein kleines Päckchen Proviant. Der Raum war eröffnet und die ersten Stationen wurden besucht …

Gebet

gebet

An der ersten Station gab es die Möglichkeit Gebete auf Stoffstreifen zu malen oder schreiben. Diese konnten dann am „Vorhang zum Allerheiligsten“ bei einem Mittler abgegeben werden. Hier wurde auch die Bedeutung der Markierung deutlich. Die Gebete derjenigen mit Markierung wurden vom Mittler im Allerheiligsten aufgehängt, die anderen wurden abgewiesen.

Verlassen

verlassen

Im hinteren Teil des Raumes befand sich eine Station, die sich mit der Verlassenheit Jesu am Kreuz beschäftigte. Auf der einen Seite waren die Anwesenden eingeladen über Gebete, Wünsche und Hoffnungen zu reflektieren, die im nichts verschwunden waren, dazu konnten sie diese mit schwarzen Stiften auf schwarze Karten schreiben. Auf der anderen Seite standen Becher und Essig bereit, diese luden dazu ein über Geruch und Geschmack das Gefühl der Verlassenheit zu meditieren.

Kaputt

kaputt

In der Lounge befand sich eine Station die sich mit Beziehungen beschäftigte. Die Kerzen standen metaphorisch für Brücken. Die Anwesenden waren eingeladen beim Zerbrechen einer solchen Brücke über kaputte Beziehungen nach zu denken. Die Bruchstücke der Brücken sollten auf dem Tisch zurückgelassen werden.

Der Vorhang

der vorhang zerreißt

Im Zentrum des Raumes war ein Teil durch Vorhänge abgetrennt. Auf diese Vorhänge projizierten wir unterschiedliche Videos. Nach einiger Zeit verdunkelten wir den gesamten Raum. Ein Gewitter zog auf. Es war die Zeit gekommen, in der wir den Vorhang zerrissen. Der Raum hinter dem Vorhang wurde sichtbar. Auf das Gewitter und den zerrissenen Vorhang folgte eine Lesung. Wir lasen einen Abschnitt aus dem Evangelium nach Lukas und einen Teil des Gedichts zum Tod Gottes, das Kester Brewin an jenem Tag in seinem Blog veröffentlich hatte. Eine Stille folgte.

Nach einem Moment der Stille führte ich einige Gedanken zur möglichen Bedeutung des zerrissenen Vorhangs aus. Danach gab es wieder die Möglichkeit die Stationen zu nutzen.

Kaputt 2

kaputt

An der Station, an der zuvor kaputte Beziehungen bedacht wurden, gab es nun die Möglichkeit gemeinsam aus den Bruchstücken von Beziehungen eine neue metaphorische Beziehungskerze zu gießen.

Gebet 2

cafe

Nach der Öffnung des Vorhangs war es nun auch jeder und jedem möglich, das eigene Gebet an eine der Schnüre zu hängen, die sich vom Baum des Lebens durch den gesamten Raum spannten. Wer also zuvor abgewiesen worden war, hatte nun die Gelegenheit sein Gebet los zu werden.

Beerdigung

erbse

Die Beerdigungsstation wurde erst nach der Öffnung des Vorhangs aufgebaut. Hier waren die Anwesenden eingeladen Gips anzurühren und eine Erbse einzugipsen. An der Station wurde darauf hingewiesen, dass diese beerdigten Erbsen mit nach Hause genommen werden konnten. Die Erbse bahnte sich am Sonntag einen Weg durch den Gips, und so hofften wir etwas Auferstehungshoffnung in die Wohnungen der Anwesenden zu exportieren.


Mir hat es sehr gut gefallen, nach längerer Pause, gemeinsam mit einem Team diesen spirituellen Erlebnisraum zu entwickeln. Dies war gleichzeitig auch unser erster Raum dieser Art, den wir gemeinsam mit Kindern erlebt haben. Auch dies scheint mir ein lohnendes Experiment zu sein, bei dem sowohl Erwachsene als auch Kinder eigene Zugänge erleben.


Alle Bilder in diesem Eintrag stammen von Hanni, sie hatte ihre Kamera dabei, und auf flickr gibt es noch ein paar mehr Bilder in einem Album.

4 Reaktionen

  1. wow! das klingt nach viel fühlen… begeistert mich sehr! danke für alle zeit + kreativität. und das ich auch aus der ferne etwas daran anteil haben durfte..

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