Realismus

In einem Interview auf zeit.de spricht Terry Eagleton über „Das Böse“ und darüber, dass jeder Fortschritt eine dunkle Seite hat, weshalb er Realismus – das Wahrnehmen der positiven und negativen Aspekte – als Bedingung für Fortschritt sieht:

ZEIT: Glauben Sie an Fortschritt durch Bildung?

Eagleton: Doch. Klar. Aber Marx hat verstanden, dass jeder Fortschritt seine dunkle Seite hat. Die christliche Offenbarung sagt, dass man dem ins Auge sehen muss. Die meisten können das nicht.

ZEIT: Wer kann schon dem Tod ins Auge schauen?

Eagleton: Weshalb der christliche Glaube unmöglich ist. Notwendig, aber unmöglich. Ich sage nicht, dass Bildung zu einer Verbesserung führt. Aber wenn es eine gäbe, dann wäre Realismus die Bedingung für moralischen oder politischen Fortschritt.

Quelle: Interview mit Terry Eagleton auf zeit.de

Interessant finde ich, dass er diese Art des Realismus mit dem Christentum verbindet, vielleicht deswegen, weil es einer Sehnsucht in mit entspricht hoffnungsvoll realistisch oder kritisch optimistisch zu sein.

1 Reaktion

  1. Das ist sehr lustig. Schon seit Jahren bin ich fast schon verschrien dafür, dass ich immer dagegen halte, wenn Leute allzu sehr begeistert sind von was oder wenn sie eine Sache, einen Menschen oder eine Organisation ablehnen. Es ist dabei nicht so, dass ich Sachen mies machen machen will und doch habe ich mir nicht nur einmal anhören müssen, dass ich doch „immer so negativ sei“. Meine Standardantwort ist stets: „Ich bin nicht negativ, ich versuche, realistisch zu sein“. Realismus hilft uns, auf dem Boden zu bleiben. Er schützt uns zum Beispiel, falsche übersteigerte Hoffnungen in Dinge zu setzen. Wie oft erlebe ich es, dass die Menschen sich quasi selbst ins Unglück stürzen, weil sie von einer Sache einfach soviel erwarten. Eine gute Portion Realismus hilft dabei, sich über schöne Dinge freuen zu können. Und Realismus hilft auch dabei, andere Menschen zu verstehen. Realismus hat nach meinem Verständnis auch viel mit Toleranz zu tun, denn wenn ich realistisch bin, dann versetze ich mich an die Stelle des anderen und schaue durch seine Augen und wenn ich das tue, kann ich den anderen (in vielen Fällen) besser verstehen und ich kann ihn oft nicht mehr verurteilen oder gar hassen. Realismus ist eine, aus meiner Sicht, weitgehend unterschätzte Eigenschaft. Allerdings: wenn man immer derjenige ist, der für andere realistisch sein muss, dann trägt man daran schwer.

    Btw.: Nicht nur das Böse hat zwei Seiten, auch das Gute. Alles und Jedes hat mindestens zwei Seiten. Und alle sollte man anschauen, bevor man sich hinreißen lässt, eine eigene Position einzunehmen. #JustMy2Cent ;)

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