wiederholen – improvisieren

Letzte Woche las ich bei Arne einige Gedanken zur historischen Verankerung des kontextualisierten Christseins. Und auch wenn er den Begriff »wiederholen« anders füllte, kamen mir folgende Zeilen in den Kopf:

I know it’s hard to be original
In fact nothing scares me more
Because Jesus only lets me do
What has been done before

David Bazan, Selling Advertising (Making It, Faking It, Breaking It)

Arne ging es in seinem Eintrag um die »Wiederholung der Geste des Christentums«, den fahlen Geschmack der Wiederholung wird man bei dieser Art des Gedankens einer historischen Verortung des Christseins evtl. nicht los, weshalb ich den Begriff der »Improvisation« ins Spiel bringen möchte.

Von N. T. Wright übernahm ich vor Längerem das Bild des Theaterstückes, das auf fünf Akte angelegt ist. Die ersten vier davon sind gut erhalten ((1) Schöpfung, (2) Sündenfall, (3) Israel, (4) Jesus), die Texte des Neuen Testaments beinhalten nach Wright die Anfänge des fünften und geben einen Ausblick auf ein mögliches Ende des Stücks.

Christsein könnte in diesem Zusammenhang eine historische Verortung beinhalten – die Kenntnis der überlieferten vier Akte – heute jedoch vor allem aus Improvisation bestehen. Die Akteure können nicht einfach zitieren – woran mich der Begriff »Wiederholung« und die oben zitierten Zeilen erinnern – sondern stehen vor der Herausforderung getreu des Plots, der sich im ersten Teil des Stücks andeutet, zu improvisieren.


Auf diese Gedanken wies ich damals im Eintrag »Gedanken zum Verständnis der Bibel« im »emergenten Gedankengut« hin.

3 Reaktionen

  1. Danke, Daniel.
    Ich denke tatsächlich, dass sich das gar nicht widersprechen muss. Zu der Wiederholung, an die ich gedacht habe, braucht es notwendigerweise Improvisation. Vielleicht hilft die Übersetzung: im Englischen wird diese Art der Wiederholung „retrieval“ genannt, nicht „repetition“. Es geht darum, verloren gegangene Bedeutungsschichten wieder freizulegen, es geht aber auch darum, den Weg zu markieren, der in dem Denken liegt, der aber „damals“ nicht gegangen worden ist. Und es geht darum die eigene Zeit im Licht von einem anderen Denker (oder einer Strömung etc) zu sehen. Wiederholung kann also auch heißen, dass man sagt: das Christentum ist diesen Weg gegangen und hat den anderen Weg ausgeschlagen, wir versuchen genau diesen andere Möglichkeit, die im Christentum angelegt war offen zu legen.

  2. Vielen Dank für deinen Kommentar Arne. In diese Richtung hatte ich dich auch verstanden. Mir ging es stärker um den Begriff, und ich dachte dem würde die Erweiterung um improvisieren gut tun …

  3. […] Nachmittag schrieb ich einen Eintrag, in dem ich den Begriff der »Wiederholung« nach Walter Benjamin, wie ihn Arne verwendet, um die […]

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