Kaffee filtern

handgefiltert

Zu meinem Geburtstag bekam ich von ein paar netten Menschen eine Chemex und super leckeren Kaffee von Coffee-Circle geschenkt. In den Monaten davor hatte ich mich so sehr zum Espressotrinker entwickelt, dass ich jeden Kaffee mied. Nun aber, mit den eben erwähnten Geschenken, wollte ich „dem Filtern“ eine neue Chance geben, der Geschmack dieser Kaffeesorte reizte mich ebenfalls. Ich begann also mit Kaffee und Filtern zu experimentieren. In diesem Eintrag möchte ich bewusst auf den handelsüblichen Filter eingehen, da nicht jede und jeder eine Chemex hat, ein Filter jedoch schnell zur Hand ist. Bevor ich jedoch weiter auf die Zubereitung eingehen möchte, sei gesagt, dass sich mit einem ganz normalen Kaffeefilter ein hervorragender Kaffee zubereiten lässt.

Vorbereitungen
Ein guter Kaffee beginnt mit den richtigen Vorbereitungen, deswegen beginnen wir nun auch damit. Ich beginne damit gefiltertes Wasser im Wasserkocher zu erhitzen. Zumindest hier in Karlsruhe empfiehlt sich das, da unser Wasser extrem kalkhaltig ist. Während das Wasser zu kochen beginnt, mahle ich die Kaffeebohnen. Dabei ist der Mahlgrad von Bedeutung. Ich würde ihn als mittleren Mahlgrad bezeichnen. Nicht so fein wie für eine Siebträgermaschine, aber auch nicht so grob wie für die French Press. Aus meiner Sicht gibt es jedoch nicht den einen Mahlgrad. Zum einen ist dieser von der Bohne abhängig, und zum anderen sind es geschmackliche Nuancen, die sich mit dem Mahlgrad herauskitzeln lassen. Das Wasser hat nun gekocht, das Filterpapier liegt im Filter, und dieser befindet sich über dem Gefäß in das wir den Kaffee filtern wollen. Mit einem großen Schluck Wasser feuchten wir nun den Kaffeefilter an. Dabei werden sowohl Geschmackstoffe des Filters neutralisiert, als auch die Gefäße vorgewärmt. Das Wasser im Kocher lassen wir etwas abkühlen, leeren das Wasser aus dem Gefäß und freuen uns, dass nun der Kaffee ins Spiel kommt.

Der Kaffee entsteht
Der frisch gemahlene Kaffee wird nun in den angefeuchteten Filter gefüllt. Ich nehme pro Tasse ungefähr einen gehäuften Esslöffel Kaffee. Das führt zu einem angenehm kräftigen Kaffee. Befindet sich die richtige Menge Kaffee im Filter übergießen wir diesen mit etwas Wasser, so dass der gesamte Kaffee nass ist und sich die Aromen entfalten können. Ich lasse den angefeuchteten Kaffee ungefähr ein halbe Minute stehen, bevor ich weiteres Wasser nachgieße. Diese Phase nennt man auch »blühen«, und so rate auch dazu, mit der Nase über den Filter zu gehen, und den wunderbaren Duft des Kaffees zu genießen. Danach beginnen wir damit nach und nach die gewünschte Menge Wasser in den Filter zu füllen. Hierbei achte ich darauf, dass immer nur eine kleine Menge Wasser im Filter ist, also nicht den Filter füllen, warten bis er wieder leer ist und nachfüllen. Weshalb filtern wir so langsam. Wenn sich immer nur eine geringe Menge Wasser im Filter befindet, dann ist der meiste Kaffee unter dem Wasser, das sich einen Weg durch den Kaffee sucht, und somit am meisten Aroma mitnimmt. Dasselbe gilt auch für die Stelle an die das Wasser geleert wird, am besten entfaltet sich der Kaffee, wenn wir das Wasser in kreisförmigen Bewegungen in der Mitte des Filters einfüllen. Wir unterspülen dadurch nicht den Kaffee am Rand, sondern rühren ihn leicht im Filter um. Wie gesagt erreichen wir dadurch einen vollmundigen Kaffee. Für die Luftzirkulation beim Filtern ist es darüber hinaus noch wichtig, dass der Filter unser Gefäß nicht ganz abschließt, es empfiehlt sich also darauf zu achten, dass auf jeden Fall ein Schlitz frei bleibt durch den die Luft aus dem Gefäß austreten kann.

Den Kaffee genießen
Irgendwann ist die gewünschte Menge Kaffee durch den Filter gegangen, und in unserem Gefäß hat sich ein wunderbarer Kaffee eingefunden. Diesen können wir nun genießen. Ist der Kaffee noch zu heiß werden wir die Aromen nicht so stark wahrnehmen, wir können uns also beim Genuss des Kaffees Zeit lassen.

Randbemerkungen
Diese bewusste Art zu filtern führt bei mir zu einem hervorragenden Kaffee, den ich sehr genieße. Falls du keine Kaffeebohnen oder eine Mühle zur Hand hast, kannst du auch mit einem gemahlenen Kaffee ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Da der Kaffee jedoch die wichtigste Zutat ist, würde ich in keinem Fall daran sparen. Neben der Sorte spielt auch die Röstung eine sehr wichtige Rolle. In jedem Fall würde ich zu Kaffees raten, die schonend in einer Trommel geröstet wurden, und keine industriell gerösteten Kaffees empfehlen. Ein Kaffee, der so bewusst und langsam zubereitet wird, darf auch langsam geröstet worden sein.

Mit diesen einfachen Mitteln lässt sich ein wunderbarer Kaffee zubereiten, der mir um einiges besser schmeckt, als die meisten Kaffees, die aus Vollautomaten stammen.

14 Reaktionen

  1. Herr Nachbar, jetzt hören Sie mal auf, so viel von feinem Kaffee zu schreiben. Ansonsten schmeiß ich meinen super bequemen Vollautomaten wirklich irgendwann weg.

    Wäre doch auch schade drum.

    (Oder anders: Chemex und Kaffeemühle hier gerade auf die Einkaufsliste gesetzt. Danke!)

  2. Herr R, eine gute Entscheidung Chemex und Kaffeemühle auf die Einkaufsliste zu schreiben. Den Vorteil des Vollautomaten sehe ich, vor allem darin, dass man ihn mit einer Hand bedienen kann ;)

  3. Nachdem ich Dir ja mal über die Schultern blicken durfte, hat sich mein Filtern nochmal verändert. Und es schmeckt besser! Selbst meine Bürokaffeemaschine mach ich nach den ersten Tropfen Wasser nochmals aus, damit der Kaffee atmen kann. Wunderbar. Eine Chemex ist wohl dann nach dem Kindle dran.

    Ausserdem ist es eine Freude, Dir dabei zu folgen, wie Du diese eine, doch sehr einfache Sache „Kaffee“ filigran (& mit viel Liebe) bearbeitest. Ich kenne niemanden, der da so viel Geduld aufbringt.

    Und niemanden, der solch guten Kaffee macht.

  4. Ich frage mich ja schon immer, warum das langsam Gießen mehr Aroma zaubert. Wenn man viel Wasser in den Filter gibt, dann hat das Wasser doch immerhin einen zeitlich längeren Kontakt mit dem Kaffee. Kann mich da jemand eines Guten belehren?

  5. Wenn du die Filter vergleichst mit denen du den Kaffee gefiltert hast – also einen in den du viel Wasser gegossen hast, und einen in den du nach und nach etwas Wasser gegossen hast – dann siehst du, dass im zweiten Filter der Kaffee recht konzentriert unten bleibt, das Wasser also immer durch den Großteil des Kaffees geht, und bei ersten kleidet der Kaffee den Rand des Filters aus, das Wasser wirbelt den Kaffee auf, und bahnt sich mit relativ wenig Berührung den Weg durch den Filter. Bei der Verwendung von mehr Wasser entstehen auch mehr Bitterstoffe, was den Kaffee an sich – für meinen Geschmack – ungenießbarer macht.

  6. Ja, fast hätten wir das ja täglich tun können, nicht war. ;-)

    Ich gieße mir jetzt wieder eins ein. Habe mal mehr Kaffee hinzugegeben, weil ich Dich da mit großen Löffeln habe einschenken sehen.

  7. […] Wassertemperatur spielt bei der Zubereitung eines Kaffees eine wichtige Rolle. Wird der Kaffee von Hand gefiltert sollte das Wasser ungefähr 90°C warm sein, für die Zubereitung mit der AeroPress ca. 80°C. Der […]

  8. Was für Bohnen würdest du denn empfehlen? Eine eher helle Röstung, wie man sie für herkömmlichen Kaffee verwenden würde oder doch eher dunkel in Richtung Espresso?

Mentions

  • Wassertemperatur | DEPONE

Reagiere darauf

*


Hast Du selbst etwas zu diesem Thema veröffentlicht? Verlinke es hier …