Lippenbekenntnis

Im ditten Kapitel seines Buches »Insurrection« beschäftigt sich Peter Rollins mit der kognitiven Leugnung des Glaubens dem ein praktizierter Glaube entgegensteht. Auf diese Weise prangert er das Lippenbekenntnis zum Zweifel an.

Seiner Ansicht nach herrscht weitestgehend Übereinstimmung in der Annahme, dass ein religiöser Glaube an einen deus ex machina unchristlich sei, dabei handle es sich jedoch vor allem um ein Lippenbekenntnis. In den meisten Gemeinden werde weiter an liturgischen Formen festgehalten, die ein solch religiöses Gottesbild aufrecht erhalten. Auf diese Weise ist es zwar leicht an Gott zu zweifeln. Die traumatische Erfahrung der Gottesferne jedoch bleibt aus. Der praktizierte Glaube steht der kognitiven Annahme entgegen.

»The God affirmed in religion is not so easy to walk away from because, like alcohol, this working hypothesis helps us avoid a full confrontation with our lives. While we may want to reject the idea that God is some deus ex machina, we will still want to treat God in this way. And so we must ignore what we claim with our lips and look carefully at our bodies to see if we really do bear the marks of the Crucifixion, or if we are simply pretending to ourlselves.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 44 (Position 685).

Die stabilisierende Wirkung der Annahme, dass am Ende alles gut wird und es jemanden gibt, der sich um mich kümmert und für den ich wichtig bin, wird ungern aufgegeben. Solch stabilisierende Elemente identifiziert Rollins an unterschiedlichen Stellen. Auf der einen Seite sind es die Menschen im eigenen Umfeld, die weiter glauben, die Strukturen und Liturgien von Kirchen und Gemeinden, Lieder die gesungen werden, Gebete die gesprochen werden. All dies ermöglicht einen kognitiven Zweifel, der jedoch ohne traumatische Auswirkungen bleibt, da keine existenzielle Gottesferne erfahren wird und der Boden unter den Füßen nicht zu wackeln beginnt. Rollins betont die Notwendigkeit dieses Ereignisses:

»It is only as we are cut loose from religion in the very depth of our being—experiencing an existential loss of God, rather than some mere intellectual rejection—that we are free to discover a properly Christian expression of faith.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 62 (Position 911).

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  1. […] dem Eintrag zum dritten Kapitel des Buches »Insurrection« verließ ich die Reihenfolge und verwies auf einen Abschnitt aus dem […]

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