Aufstand

Das siebte Kapitel von »Insurrection« steht unter dem Stern des Aufstandes. In Anlehnung an Epheser 6,12 schreibt Rollins darüber, dass dem Leben in der Auferstehung eine »ethische Gewalt« innewohnt. Es handelt sich dabei nicht um eine Gewalt gegen Individuen, sondern um eine Gewalt gegen Systeme, die unterdrücken, zerstören und den Tod bringen. In diesem Kapitel folgt er eindeutig den Gedanken Žižeks, wie Kilian auch dort in den Kommentaren treffend angemerkt hatte.

Ignoranz

Ähnlich wie Žižek geht er auf Ersatzhandlungen und die Konzentration auf Symptome der Ungerechtigkeit ein. Seiner Ansicht nach wird das System am ehesten dadurch verändert, dass es ignoriert wird. Als Beispiel hierfür kommt er erneut auf Mutter Theresa zurück. Sie hatte sich nicht dem Kampf der Überwindung der Kasten verschrieben, sondern durch ihre Gleichbehandlung aller das Kastensystem ausser Kraft gesetzt. Sie ignorierte das ungerechte System und konnte es auf diese Weise in ihrem Umfeld überwinden. Sie half Menschen in Not, egal welcher Kaste diese angehörten.

Alternatives Zusammenleben

In dieser Weise sieht er auch das Formen von Gruppen, deren Zusammenleben durch die Überwindung des ungerechten Systems geprägt ist. Sie kämpfen nicht gegen die Symptome der Ungerechtigkeit, sondern setzen dieses System in ihrem Zusammenleben ausser Kraft. Als Beispiel für solche Gruppen führt er die Pirateninseln an, die es damals im Britischen Weltreich gab. Sie waren nicht völlig abgeschlossen und lagen ausserhalb, sondern waren alternative Gesellschaften innerhalb des Reiches.

Wie bereits im Artikel zum vorangehenden Kapitel deutlich wurde, geht es Rollins um das Leben. Am Ende dieses Kapitels geht er noch kurz auf den häufig von ihm gebrauchten Begriff »a/theism« ein. Diesen charakterisiert er folgendermaßen:

»In the Cross we witness both the destruction of religion and the sublimation of atheism. In the Garden of Gethsemane, Jesus forsakes everything for God (the highest religious gesture) but, on the Cross we bear witness to Christ being forsaken by God (the atheistic moment). Then, in the Resurrection, we discover that God remains, dwelling in our very midst through the embrace of life. This is where the radical doubt of the Crucifixion is rendered sublime, where a new understanding of God is born and a type of a/theistic Christianity is glimpsed. We may call this opening a/theism insomuch as we witness the move from traditional theism, through atheism to something that unifies and transcends them. A place where, as Bonhoeffer described, one takes full responsability for one’s existence as though God did not exist and, in fully doing so, lives fully before God.«

Quelle: Peter Rollins, Insurrection, Page 160.

A/theism kann demnach am Besten in den Worten Bonhoeffers aufgefasst werden. In den Briefen, die Bethge in »Widerstand und Ergebung« festgehalten hat, schreibt Bonhoeffer, dass wir selbstverantwortlich leben müssen, als gäbe es Gott nicht, das wiederum erkennen wir vor Gott.

»Vor und mit Gott leben wir ohne Gott.«

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Seite 394.

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  1. […] schrieb ich einen Artikel unter dem Titel »Aufstand«, und während ich so tippte, erreichten mich via Twitter immer mehr Meldungen über die Räumung […]

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