Alternative

Gestern schrieb ich einen Artikel unter dem Titel »Aufstand«, und während ich so tippte, erreichten mich via Twitter immer mehr Meldungen über die Räumung des Zuccotti-Parks in New York. Mit der Begründung der wachsenden Unsicherheit der Zeltstadt ging die Polizei mit Härte vor, und führte ihre Begründung durch eigenes Handlen ad absurdum. Weshalb schreibe ich diese Zeilen? Nicht weil ich die Situation vor Ort aus eigenem Erleben kenne oder besser Bescheid wüsste als andere, sondern weil mir grobe Linien auffallen, die zu den Gedanken des gestrigen Artikels passen.

Widerstand gegen das ungerechte System könne sich durch »ignorieren« und »alternatives Zusammenleben« ausdrücken, hatte ich gestern geschrieben. Diese beiden Attribute lassen sich deutlich an der Occupy-Bewegung erkennen. Das herrschende System wird ignoriert und es formieren sich alternative Strukturen des Zusammenlebens. Auf diese Weise entsteht eine greifbare Kritik am System. Alternatives Zusammenleben wird sichtbar und somit auch das bestehende grundsätzlich in Frage gestellt. Auch wenn es auf viele Einzelfragen keine Antwort gibt entsteht der Eindruck »es geht auch anders«.

Das herrschende System jedoch fühlt sich bedroht. Es fühlt sich verpflichtet im Bereich des alternativen Zusammenlebens »nach dem Rechten zu sehen« und geht mit Härte vor. Die Begründungen die bspw. in diesem Artikel auf zeit.de genannt werden stimmen nachdenklich. Auch wenn es sich bei Gewalt, sexuellen Übergriffen und Tod durch Drogenkonsum nicht um wünschenswerte Vorkommnisse einer neuen Gesellschaftsform handeln, müsste nach kurzer Überlegung doch klar werden, dass sich all das auch unter der Kontrolle des herrschenden Systems ereignet. Die Begründung des Vorgehens wird also hinfällig, und beleuchtet stärker die Schwächen des herrschenden Systems als der alternativen Gesellschaft.

Gestern erschien auf guardian.co.uk ein sehr guter Artikel zu Occupy London, in dem das alternative Zusammenleben sehr gut zum Ausdruck kommt. Im ersten Abschnitt des Artikels »Occupy lebt Basisdemokratie vor« auf zeit.de wird ebenfalls die alternative Gesellschaftsform im Zuccotti-Park beschrieben, der zweite Teil deutet dann an, wie anders sich Proteste in Deutschland organisieren.

1 Reaktion

  1. Occupy wirft wirklich neue bzw. eigentlich ja sehr alte Konzepte des altruistischen Zusammenlebens in den Hut aus dem in den letzten Jahrzehnten nur der Abbau des Sozialstaates wieder und wieder gezogen wurde. Vielleicht bringt es die Leute zum Nachdenken und sie realisieren, dass es nicht darum geht alleine reich zu sein sondern darum gemeinsam genug zu haben.

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