Betreuungsgeld, nein Danke.

Das geplante Betreuungsgeld wirkt auf mich, wie ein Versuch eine vergangene Ära am Leben zu halten, oder wieder zu beleben. Es steht daher der gesellschaftlichen Realität, Lebenswege „individuell zu gestalten“, entgegen, und betont das Familienbild der Industrialisierung, während es bestehende Vorurteile stärkt.

Ein überparteiliches Bündnis fordert die Bundesregierung dazu auf das Betreuungsgeld abzulehnen, und das Geld (wie eigentlich beschlossen) in den Ausbau qualitativ hochwertiger Kindertageseinrichtungen zu investieren:

Wir fordern die Bundesregierung und die sie tragende Koalition von CDU, CSU und FDP auf, das Betreuungsgeld abzulehnen und stattdessen mehr Geld in den Ausbau von qualitativ hochwertigen Kindertageseinrichtungen zu investieren.

In diesem Sinne lade ich Euch ein den Aufruf zu lesen, und dann zu unterzeichnen.

9 Kommentare

    • Hallo Florian,
      ob es eine feste Definition dafür gibt weiß ich nicht. Für mich hätte es etwas mit den MitarbeiterInnen, der Konzeption, dem Schlüssel (wie viele Kinder pro ErzieherIn) und dem allgemeinen Klima darin zu tun.

  1. Bis zu 25% der Kinder fühlen sich in KiTas nicht wohl, habe ich diese Woche in der Sueddeutschen gelesen. Warum soll es da nicht die Option geben, den Vater oder die Mutter, die sich für das Beste ihrer Kinder engagieren, zu entlohnen? Ein freiheitlicher Staat sollte die Möglichkeit zu solch einer Entscheidung nicht seinen Bürgern abnehmen wollen, oder?

  2. Hallo Markus,
    finde diese Diskussion sehr spannend, zum einen, da sich mir direkt mehrere Fragen stellen – dazu gehören folgende: wie viel Prozent der Kinder fühlen sich zu Hause nicht wohl, und woran wird das festgemacht – denn Kinder nach ihrem Wohlfühlen zu fragen ist – würde ich zumindest behaupten nicht gerade eine einfache Angelegenheit und die Antworten sehr stark Tagesform abhängig. Was immer mitschwingt, und das meinte ich oben mit den Vorurteilen und lese ich in deinem Kommentar, ist die Unterstellung des Engagement für das Beste der Kinder – denn das ist nicht mit der Entscheidung KiTa oder nicht entschieden. Engagement für das Beste der Kinder kann sowohl als auch stattfinden. Soweit ich das sehe bezahlt keine Familie dafür, dass die Kinder nicht in eine Einrichtung gehen, diejenigen deren Kinder in Einrichtungen gehen dagegen zahlen – nicht unerhebliche – Beträge monatlich. Ich beschwere mich nicht darüber diese Gebühren zu bezahlen, denke aber eben nicht, dass man Betreuungsgeld ausbezahlen muss/sollte.
    Soweit ich es sehe nimmt unser freiheitlicher Staat weder jetzt noch in absehbarer Zukunft den Eltern diese Entscheidung ab. Das Signal welches vom Betreuungsgeld ausgeht weist aus meiner Sicht jedoch in die Falsche Richtung.

  3. Man muss jetzt sicher auch die regionalen Hintergründe sehen. Ich sehe natürlich die Frustration z.B. baden-württembergischer Eltern, die ihre Kinder gerne in eine oft nicht vorhandene KiTa geben würden! Ich habe aber auch die Situation vor Augen, in der 95% aller Kinder ab 6 Monaten zw. 6-10h in der KiTa sind – oft nicht zum Vorteil der Kinder.

    Ich möchte mich mit meinem Statement auch deshalb nicht in die Riege der „Kinder, Küche, Kirche“-Fraktion einreihen (um das mal etwas unfair-polemisch zu benennen). Ich mache mir eher Sorgen, da ich eine Tendenz sehe Beziehungen und Familien zu verwirtschaften, also den Wünschen der Wirtschaft nach zu formen. Ich denke, dass einige Kreise, die aus emanzipatorischen Gründen gegen des Betr.-Geld argumentieren, das vernachlässigen.

    Deine Argumente kann ich sehr gut nachvollziehen!

  4. Danke für deine Ausführungen. In diesem Licht verstehe ich deine Argumente wesentlich besser. Den Einwand der „Verwirtschaftung“ von Beziehungen und Familie verstehe ich sehr gut. Diesen Aspekt sehe ich auch problematisch, und denke, dass „Familie“ immer eine weitreichende Entscheidung ist, die damit einhergeht bewusst Zeit und Energie zum Wohle des Familienlebens und der Kinder zu „reservieren“.

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