Im Zweifel für Dich selbst

Vor einiger Zeit las ich im Blog von HD Schellnack einen Artikel zum Buch »Und im Zweifel für dich selbst« von Elisabeth Rank. Auf den Artikel hin habe ich direkt den Roman bestellt und begonnen der Autorin auf Twitter zu folgen. Ihre Tweets finde ich bis heute, im besten Sinne, unterhaltsam, und den Feed ihres Blogs ordnete ich unter »Leselust« ein.

Texte am Bildschirm kommen mir schneller in den Sinn, und so stand der Roman eine ganze Weile in meinem Bücherregal, bevor er am vergangenen Wochenende in meinen Rucksack umzog. Ein paar Stunden im Zug lagen vor mir, und es sollten Tage werden, an denen Zeit für Dinge ist, die im Alltag dem Dringenden Platz machen.

Und im Zweifel für dich selbst

Die Kinder bescherten uns eine Zugfahrt wie aus dem Bilderbuch, und ich begann im ersten Streckenabschnitt bereits mit der Lektüre. Wie die taz treffend schrieb, schafft es Rank ausgezeichnet Nähe herzustellen, auch wenn man einander noch nie begegnet ist (Vgl. hier). Bereits nach den ersten Seiten wirkten die Personen mir Vertraut, und es interessierte mich, was Tonia und Lene gemeinsam erlebten. Als die Kinder schließlich bei Oma und Opa herrlichen Tagen entgegenblickten, und wir im Zug saßen, wurde wieder Bücher aufgeschlagen, und ich tauchte tiefer ein.

Tim, der Freund von Lene, stirbt bei einem Verkehrsunfall. Dieses Ereignis reißt Lene und Tonia aus ihrem Alltag, und sie begeben sich auf eine Irrfahrt aus der Stadt. Diese Flucht führt die Beiden zu sich selbst und bringt Ordnung in unerwartete Bereiche. Rank gelingt es ausgezeichnet die Beziehung der beiden Protagonistinnen zu beschreiben. Die Hilflosigkeit von Tonia (aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist), wird gleichzeitig einfühlsam und vertraut beschrieben. Des Weiteren faszinieren mich die eingeflochtenen Episoden, die Licht auf unterschiedliche Bereiche werfen, und dabei auch zeigen wie viel sich im Leben der Personen ändern kann, die eher indirekt von einem solch einschneidenden Ereignis berührt werden.

Neben der wunderbar eingängigen Art zu schreiben, möchte ich noch auf ein weiteres Merkmal des Romans von Elisabeth Rank hinweisen, gewichtige Sätze, die sie ab und an einstreut, und die perfekt zusammenfassen, verdeutlichen und zum nach- und weiterdenken einladen. HD Schellnack bezeichnet sie, im Eingangs erwähnten Artikel als phantastische Sätze, »die einfach völlig perfekt dastehen und die du zwei, dreimal lesen und jedesmal gut finden kannst.«

Elisabeth Rank arbeitet gerade an ihrem zweiten Roman, den ich mit Sicherheit lesen werde, und falls ihr nicht auf dessen erscheinen warten wollt, lest jetzt »Und im Zweifel für dich selbst«!

2 Kommentare

  1. „HD Schellnack bezeichnet sie, im Eingangs erwähnten Artikel als phantastische Sätze, »die einfach völlig perfekt dastehen und die du zwei, dreimal lesen und jedesmal gut finden kannst.«“ –> Die Barth-Dogmatik bietet das auch, diese perfekten Sätze.
    Ich denke, da handelt es sich um neue Literatur für das Grundstudienjahr AfL?

    Grüessli, David.

  2. In einem anderen Blog dazu: Bist Du noch wach? | Daniel Ehniss

Schreib’ einen Kommentar

*